Resilienz: Das Geheimnis psychischer Stärke

Berlitz -

Manche Menschen scheinen mit einem psychologischen Lotuseffekt ausgestattet zu sein. Starke emotionale Belastungen wie berufliche Krisen oder persönliche Verluste prallen geradezu an ihnen ab. Zeitdruck wird nicht als Belastung, sondern maximal als Herausforderung gesehen. Im größten Chaos bleibt noch Zeit für ein nettes Wort zu den Kollegen. Und der cholerische Vorgesetzte prallt an solchen Persönlichkeiten ab wie ein Squashball an der Wand. Diese beneidenswerte psychische Widerstandskraft nennen Fachleute Resilienz. Doch was genau macht diese Fähigkeit aus? Kann Resilienz erlernt werden oder ist es eine angeborene Fähigkeit?

Resilienz im Arbeitsalltag

Das Wort Resilienz leitet sich vom lateinischen "resilire" ab, was so viel wie "abprallen" oder "zurückspringen" bedeutet. In der heutigen Zeit ist die Resilienz zu einem Begriff aus der Arbeitswelt geworden. Nun beschreibt der Begriff ganz allgemein Menschen, die Krisen leicht bewältigen und eher gestärkt aus Belastungssituationen hervorgehen. Resiliente Persönlichkeiten setzen sich mit einem Rückschlag konstruktiv auseinander. Sie sind sich ihrer Stärken bewusst und glauben fest daran, dass ihr Handeln einen großen Einfluss auf das Ergebnis hat. Fehler werden als konstruktive Lernmöglichkeit angesehen.

Burn-out und Resilienz

Trotz besserer Arbeitsbedingungen leiden viele Arbeitnehmer in ihrem Berufsalltag unter Stress. Das Gefühl der Überforderung und des Ausgebranntseins sind eher die Regel als eine Ausnahme. Kein Wunder, denn die Anforderungen an den modernen Arbeitnehmer sind hoch: Ständige Erreichbarkeit, maximale Flexibilität und die vom Vorgesetzten geforderte permanente Höchstleistung setzen vielen Menschen zu und werden zu einer ständigen Belastung. Für ein Unternehmen stellen gestresste Angestellte einen hohen Kostenfaktor dar, denn Überforderung und hohe seelische Belastungen senken die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters. Die Folgen sind Krankheiten wie das Burn-Out-Syndrom, Depressionen oder körperliche Beschwerden. Dadurch steigt der Krankenstand in den Unternehmen dramatisch an: Laut dem Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK sind die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen von 1997 bis zum Jahr 2012 um 165 % angestiegen. Fehlte 1997 nur jeder 50. Arbeitnehmer aufgrund psychischer Probleme, ist es heute jeder 22.. Eine hohe Resilienz sorgt für große Belastbarkeit und Stressresistenz. Daher sind besonders resiliente Menschen weniger anfällig für Depressionen oder ein Burn-out. In der hektischen und sich ständig verändernden Arbeitswelt ist Resilienz nicht nur für den Einzelnen von Vorteil, auch Unternehmen profitieren von den geringeren psychisch bedingten Ausfallzeiten ihrer Mitarbeiter. Immerhin gehen nach einer Studie der BundesPsychotherapeutenKammer 14 % aller Fehlzeiten am Arbeitsplatz auf psychische Probleme zurück. Bei den Frührenten sind sogar bei 49 % aller Rentenanträge Depressionen und ähnliche seelische Erkrankungen die Auslöser.

Der Resilienz des Einzelnen ein gutes Umfeld bieten

Die geistige Widerstandskraft eines Mitarbeiters ist nicht allein sein Verdienst. Die individuelle Unternehmenskultur trägt viel dazu bei, ob Angestellte eine hohe Resilienz aufweisen oder eher leicht verletzlich sind.

Eine resiliente Unternehmenskultur

  • pflegt eine wertschätzende und freundlich geprägte Kommunikationskultur.
  • stellt für Projekte realistische Zeit- und Leistungsvorgaben auf.
  • lässt Freiraum für Kreativität und Ideen.
  • gibt den Mitarbeitern Zeit für Pausen und Phasen der Regeneration.
  • billigt jedem Mitarbeiter eine ausreichend große Entscheidungsfreiheit zu.
  • sieht Vorgesetzte in einer Vorbildfunktion.
  • schafft nachhaltige Weiterbildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.
  • sieht Fehler als konstruktive Lernmöglichkeit an.

Die eigene Resilienz erhöhen

Nicht nur Unternehmen können die psychische Widerstandsfähigkeit ihrer Mitarbeiter steigern. Jeder Mensch kann selbst seine Fähigkeit zur Resilienz erhöhen. Ob eine Situation als belastend empfunden wird, ist immer auch eine Frage der inneren Einstellung und der persönlichen Haltung. Bereits mit sehr einfachen Mitteln ist es möglich, die eigene Widerstandskraft deutlich zu steigern.

5 Anregungen für eine größere Resilienz in Beruf und Alltag

1. Die Zukunft in die eigene Hand nehmen

Wer ein klares Bild von sich selbst und seiner Zukunft hat, fühlt sich nicht hilflos und fremdgesteuert. Er geht Krisen aktiv an und wächst an deren Bewältigung.

2. Leistungsgrenzen erkennen und akzeptieren

Wer seine Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen kann, gelangt nur selten an seine Grenzen. Das verhindert häufige Misserfolge sowie Stresssituationen und ermöglicht es, Herausforderungen gelassen und selbstbewusst entgegenzutreten.

3. Hilfe akzeptieren

Es ist nicht schlimm, ein Problem nicht allein lösen zu können. In einem solchen Moment Hilfe von Kollegen oder Vorgesetzten einzufordern, ist ein Zeichen von Stärke und wahrer Größe. Denn lösungsorientiertes Arbeiten erhöht in jedem Fall die eigene Resilienz.

4. Eigenverantwortung übernehmen

Wer abwartet und einfach verharrt, schiebt sich selbst in eine schwache Position. Es ist sinnvoller, Verantwortung zu übernehmen, Probleme zu erkennen und aktiv an deren Lösung zu arbeiten. Ein Scheitern wird so zu einem Kollateralschaden und löst keine emotionale Katastrophe aus.

5. Sich selbst nicht vergessen

Nur wer sich selbst pflegt und sich Auszeiten und Regenerationsphasen gönnt, bleibt auf Dauer widerstands- und leistungsfähig.

Über das betriebliche Gesundheitsmanagement die Resilienz der Belegschaft stärken

Corporate Health bedeutet heute mehr, als für ergonomische Arbeitsplätze und betriebliche Sportangebote zu sorgen. Um die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter über Jahrzehnte auf hohem Niveau zu erhalten, muss die geistige Gesundheit in den Fokus rücken. Unternehmer können mit einfachen Mitteln viel für das Wohlbefinden ihrer Angestellten tun. Mitarbeiter empfinden es als große Erleichterung, wenn klar geregelt ist, wann sie telefonisch oder per Mail erreichbar sein müssen. Vorreiter auf diesem Gebiet sind Konzerne wie Volkswagen oder Daimler. In Wolfsburg schaltet sich der Mailserver 30 Minuten nach Dienstschluss ab. Es werden keine E-Mails auf die Smartphones der Belegschaft mehr weitergeleitet. Erst eine halbe Stunde vor Dienstbeginn schaltet sich der Dienst wieder ein. Noch drastischer verfährt Daimler. E-Mails, die einen Kollegen erreichen, der seine Abwesenheitsnotiz eingeschaltet hat, werden konsequent gelöscht. Der Schreiber muss sein Anliegen später nochmals formulieren. Bereits solche einfachen Maßnahmen steigern die Produktivität im Unternehmen deutlich und fördern die Resilienz der Mitarbeiter.

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