Sprechen Sie Dothrakisch? Die besten Kunstsprachen in Film und Literatur

Berlitz -

Vom „Neusprech“ in George Orwells dystopischem Jahrhundertwerk 1984 über J. R. R. Tolkiens elbische Sprache bis hin zu den Fantasiesprachen in modernen Film- und Fernsehproduktionen wie Game of Thrones: Aus der Fantasy- und Science-Fiction-Welt sind Kunstsprachen nicht wegzudenken. Doch wie entstehen sie? Was sind ihre Besonderheiten? Die besten und bekanntesten Kunstsprachen aus Film und Literatur stellen wir hier vor.

Neusprech

In seinem 1949 erschienenen Nineteen Eighty-Four (1984) skizziert George Orwell einen totalitären Überwachungsstaat. Das Regime strebt danach, die Gedanken der Bürger zu kontrollieren, und bedient sich dazu unter anderem der Macht der Sprache: Das sogenannte Newspeak bzw. Neusprech wird eingeführt, das in Struktur und Grammatik dem Englischen gleicht, aber einen drastisch reduzierten Wortschatz hat. So sind Ausdrücke des subjektiven Empfindens tabu. Auf jegliche Synonyme bzw. Antonyme wird ebenfalls verzichtet. „Schlecht“ gibt es nicht, nur „ungut“. Einige Wortneuschöpfungen kommen hinzu – „Quaksprech“ etwa für reden, ohne zu denken. Eine schlichte und kontrollierte Denkstruktur ist das Ziel, die die Dominanz des Regimes unterstreicht und Gedankenverbrechen („Deldenk“ bzw. „crimethink“ auf Neusprech) eliminiert: Wem die Wörter für „Rebellion“ und „Freiheit“ fehlen, der wird sich auch nicht gegen die Staatsmacht auflehnen.

Quenya und Sindarin

In den 1950er-Jahren veröffentlichte J. R. R. Tolkien die drei Bände seines Fantasy-Meisterwerks Der Herr der Ringe. Der sprachbegeisterte Autor schuf dafür gleich mehrere elbische Sprachen, die von den Elfen im Land Mittelerde gesprochen werden. Quenya und Sindarin heißen die beiden am weitesten entwickelten. Das Quenya ist in Aussprache und Grammatik deutlich an das Finnische angelehnt, während das Sindarin sich darüber hinaus Elementen des Walisischen und anderen (indo-)germanischen Sprachen bedient. Durch Peter Jacksons aufwendige und mehrfach preisgekrönte Verfilmung haben nicht nur Tolkiens Geschichten, sondern auch sein Elbisch erneut eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Online werden Sprachkurse angeboten, Verlage geben Wörterbücher heraus und zahlreiche Videos erläutern die korrekte Aussprache der elbischen Laute.

Klingonisch

Die wohl berühmteste Kunstsprache neben den Elbensprachen Tolkiens ist Klingonisch, das auf dem Planeten Qo’noS in Star Trek gesprochen wird. Linguist Marc Okrand erfand sie in den frühen 1980er-Jahren für den dritten Kinofilm der beliebten Science-Fiction-Reihe. Er wollte eine Sprache schaffen, die mit uns bekannten, irdischen Sprachen möglichst wenig Ähnlichkeit hat. So wird sie zum Stilmittel, um das Fremde noch fremder erscheinen zu lassen. Klingonisch hat weltweit zahlreiche Fans, das Klingonisch-Institut (KLI) kümmert sich um den Erhalt der Sprache und ein Klingonisch-Wörterbuch steht wohl im Regal jedes eingefleischten „Trekkies“. Der Versuch eines Fans, sein Kind muttersprachlich Klingonisch aufzuziehen, scheiterte jedoch: Zu viele unserer Alltagswörter werden auf fremden Planeten leider nicht benötigt.

Na’vi

Für das Science-Fiction-Abenteuer Avatar engagierte Regisseur James Cameron den Sprachwissenschaftler Paul Frommer. Die Vorgabe: eine Sprache zu kreieren, die keiner menschlichen Sprache ähnelt, aber dennoch leicht aussprechbar ist. Entstanden ist das Na’vi, das von den kleinen blauen Bewohnern des Mondes Pandora gesprochen wird. Na’vi hat einen Wortschatz von rund 1500 Wörtern und eine simple, an polynesische Sprachen angelehnte Grammatik. Interessierte finden online zahlreiche Quellen zum Lernen – Wörterbücher, Foren und den offiziellen Blog des Urhebers des Na‘vi, auf dem diverse Besonderheiten der Sprache diskutiert werden.

Dothrakisch

Der derzeit wohl gefragteste Sprachenerfinder der Filmindustrie ist der junge Linguist David J. Peterson. Er hat unter anderem die Kunstsprachen Dothrakisch und Valyrisch entwickelt, die den Fans der Fantasy-Serie Game of Thrones sicher ein Begriff sind. Die Serie basiert auf der Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin, der die Sprachen allerdings ein wenig stiefmütterlich behandelte. Für das Dothrakisch in der Fernsehserie erschuf Peterson eine ausgeklügelte Grammatik und ein ganzes Universum von Wörtern, Phrasen und Lauten. Strukturell mit dem Russischen verwandt, erinnert es klanglich an eine Mischung aus Spanisch und Arabisch. Die Dothraki sind ein Reitervolk, kein Wunder also, dass sich in ihrer Sprache vieles um Pferde und das Reiten dreht: „hash yer dothrae chek asshekh?“ etwa, die Frage nach dem Befinden, bedeutet übersetzt „reitest du heute gut?“. Auch Dothrakisch kann man online lernen. Peterson betreibt außerdem einen YouTube-Kanal, auf dem er Besonderheiten seiner Kunstsprachen erläutert.

Eine tiefergehende Erklärung zu fast allen hier vorgestellten Kunstsprachen, wie sie entwickelt werden und was sie so besonders macht, stellt diese TED-lesson vor:

Sie machen das Fantasieuniversum authentisch und das Fremde noch fremder: Kunstsprachen sind ein unersetzbares Stilmittel in der Welt von Fantasy und Science-Fiction und eine Herausforderung für Sprachwissenschaftler wie ambitionierte Lerner. Wer einen kleinen Vorgeschmack auf die Sprachen in Game of Thrones bekommen, und zugleich sein Englisch auffrischen möchte, kann hier weiterlesen.

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