10 deutsche Redewendungen: Wo kommen die nur her?

Berlitz -

Deutsch ist eine schwere Sprache – und wer sie lernen will, hat es oft nicht leicht. Mit all ihren Grammatikregeln und Ausnahmen ist es manchmal zum Haare raufen. Und die typisch deutschen Redewendungen? Ihre wortwörtliche Übersetzung in andere Sprachen ergibt oftmals nur wenig Sinn. Selbst deutsche Muttersprachler wissen manchmal nicht, woher die beliebten Sprichwörter kommen. Deshalb geht dieser Beitrag der Sache auf den Grund und erklärt 10 deutsche Redensarten, die jeder kennen sollte.

1. Wie bei Hempels unterm Sofa

Bsp.: „Was ist das denn hier für ein Chaos? Es sieht ja aus wie bei Hempels unterm Sofa!“

Wer Familie Hempel war oder ob es sie überhaupt gab, konnte bis jetzt nicht eindeutig geklärt werden. Vielmehr gehen Experten davon aus, dass sich „Hempel“ von „Hampel“ ableitet. Damit bezeichneten die Leute früher einen einfältigen, unkultivierten Menschen. Die Redewendung selbst ist erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt. Liedermacher Reinhard May widmete ihr 1991 sogar ein ganzes Lied.

2. Um den heißen Brei reden

Bsp.: „Ich habe sie direkt gefragt, was sie stört, aber sie redet nur um den heißen Brei und gibt mir keine klare Antwort.“

Ursprünglich hieß es „Wie die Katze um den heißen Brei herumschleichen“, wobei die metaphorische Katze dabei die kühlste Stelle zum ablecken gesucht hat. Die Redensart bedeutet also, dass der Gesprächspartner zögert und um das Thema herumredet, anstatt klare Aussagen zu treffen aus Angst, sich zu verbrennen.

3. Jemandem Honig ums Maul schmieren

Bsp.: „Sie macht dir so viele Komplimente, ich glaube sie will dir Honig ums Maul schmieren.“

Diese Person scheut ehrliche und direkte Worte, sie schmeichelt lieber. Die Herkunft der deutschen Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass dressierte Bären etwas Honig auf das Maul geschmiert bekamen – als Belohnung für ein gelungenes Kunststück und um sie gefügig zu machen.

4. Rosarote Brille aufhaben

Bsp.: „Tom merkt gar nicht, wie unhöflich seine neue Freundin ist – er hat noch die rosarote Brille auf.“

Rosa gilt als unbeschwerte und fröhliche Farbe. Menschen, die gerade bei einem neuen Partner oder in einer neuen Beziehung nur das Positive sehen und allzu optimistisch und naiv erscheinen, wird daher vorgeworfen, sie würden die Welt durch eine rosarote Brille betrachten.

5. Das passt wie die Faust aufs Auge

Bsp.: „Ihre positive Einstellung und unser Jobangebot passen zusammen wie die Faust aufs Auge.“

Die harte Faust auf dem verletzlichen Auge – das ist keine gute Kombination. Doch diese bekannte Redewendung hat es in sich. Früher wurde sie ironisch verwendet, um zu zeigen, dass zwei Dinge so gar nicht zusammenpassen. Inzwischen hat sich allerdings die Bedeutung ins Gegenteil gewandelt und sie sagt aus, dass etwas ganz wunderbar zusammenpasst.

6. Den inneren Schweinehund überwinden

Bsp.: „Ich wollte heute Morgen eigentlich joggen gehen, aber ich konnte meinen inneren Schweinehund nicht überwinden.“

Wer seinen inneren Schweinehund besiegt, der stellt sich unangenehmen Aufgaben und erledigt sie erfolgreich. Schweinehunde gibt es übrigens wirklich: Das sind Hunde, die früher bei der Wildschweinjagd eingesetzt wurden. Diese sturen und bissigen Tiere zu überwältigen ist also wirklich eine große Herausforderung.

7. Auf keinen grünen Zweig kommen

Bsp.: „Mit dieser Einstellung kommst du auf keinen grünen Zweig.“

Diese deutsche Redensart lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein frischer, grüner Zweig steht für Wachstum und sinnbildlich für Erfolg. Zudem gab es ab dem 17. Jahrhundert den Brauch, einem Grundstückskäufer einen grünen Zweig im Grasboden zu schenken. Die darin wohnenden Geister sollten dem neuen Besitzer Glück und Wohlstand bringen. Wer arm war und sich kein Grundstück leisten konnte, schaffte es deshalb auch nie, auf einen grünen Zweig zu kommen.

8. Jemandem nicht das Wasser reichen können

Bsp.: „In dieser Angelegenheit kann er mir einfach nicht das Wasser reichen.“

Im Mittelalter ließen sich die Reichen nach dem Essen von Bediensteten Wasser bringen, um sich damit die Hände zu waschen. Das war für die Diener eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wer nicht würdig genug erschien, diese Aufgabe zu übernehmen, galt als Taugenichts. Heutzutage hat die Redewendung eher eine übertragene Bedeutung: Sie drückt aus, dass eine Person schlechter ist oder nicht die gleiche Leistung wie jemand anderes erbringen kann.

9. Lügen haben kurze Beine

Bsp.: „Du bist zu krank, um beim Umzug zu helfen? Tja, Lügen haben kurze Beine, ich hab dich erst vor einer Stunde beim Grillen im Park gesehen!“

Dieses Sprichwort ermahnt, dass sich das Schwindeln nicht lohnt. Hinter dem ulkigen Bild von einer kurzbeinigen Lüge steckt allerdings eine ganz rationale Erklärung: Wer kurze Beine hat, der ermüdet früher und kommt nicht so schnell voran. Die Wahrheit kann also mühelos aufholen und den Lügner enttarnen.

10. Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

Bsp.: „So was gibt’s wirklich? Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!“

Der „Hund in der Pfanne“ geht auf die berühmte Figur Till Eulenspiegel zurück. Er war dafür bekannt, die Dinge wortwörtlich zu nehmen. Als er einmal in einer Brauerei arbeitete, befahl ihm der dortige Braumeister, Hopfen zu sieden. Till warf jedoch den Hund des Braumeisters mit Namen „Hopf“ in die Pfanne statt die Pflanze. Die daraus entstandene Redewendung tauchte erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf und ist ebenfalls ein Ausdruck für Verwunderung und Erstaunen.

Viele dieser deutschen Redewendungen sind schon viele Jahrhunderte alt und haben sich trotzdem erhalten. Anders erging es alten deutschen Begriffen wie dem Backfisch, der Dohle und dem Tausendsassa. Mehr dazu gibt es in unserem Beitrag „Bedrohte Wörter“.

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