Interkulturelle Kommunikation: Der Körper spricht mit

Berlitz -

Freude, Zuneigung und Respekt, aber auch Wut, Ärger oder Enttäuschung – unsere Körpersprache bringt die unterschiedlichsten Emotionen zum Ausdruck. Wir verlassen uns darauf, dass unser Gegenüber dieselbe Körpersprache spricht und unsere Mimik und Gestik korrekt deutet. Selbstverständlich ist das nicht: Nonverbale Signale sind von Kultur zu Kultur verschieden und haben unterschiedlich große Bedeutung. Wer diese wichtigen Fakten kennt, kann Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation aber leicht vermeiden.

Gestik: Andere Länder, andere Sitten

Dass beispielsweise unsere italienischen Nachbarn gern mit Händen und Füßen gestikulieren, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ist mittlerweile beinahe ein alter Hut. Da ist es meist auch nicht allzu schwierig, die jeweilige Geste richtig zu deuten. Wir müssen uns nur erst daran gewöhnen, dass dies dort selbstverständlich ist – und nicht etwa ein Zeichen übermäßiger Emotion. Anders verhält es sich in skandinavischen Kulturkreisen, wo um einiges weniger „herumgefuchtelt“ wird. Und in Asien wiederum gilt allzu expressive Körpersprache generell eher als verpönt und kann daher auch umso schwerer gedeutet werden.

Auch bei der Begrüßung ist daher vorsicht geboten: Wo einige Kulturen Wangenküsse verteilen, ist in anderen Kreisen eine leichte Verbeugung und bloß kein enger Körperkontakt angebracht. Für alle Reisenden haben wir daher einen kleinen Guide zum Download bereit gestellt, der erklärt, in welchen Ländern welche Begrüßungsfloskeln angebracht sind.

Vorsicht in anderen Kulturkreisen

Abgesehen vom Ausmaß der Gestik gibt es in der westlichen Welt viele körpersprachliche Gemeinsamkeiten. Stirnrunzeln, Schmollen oder Lächeln kann quasi gar nicht missverstanden werden. Was aber, wenn wir mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun haben, etwa aus Asien? Wie schnell es da zu Fehlinterpretationen der Körpersprache kommen kann, zeigen schon wenige Beispiele: Das für uns eigentlich völlig unmissverständliche Kopfschütteln wird in Indien und Sri Lanka als Zustimmung gedeutet. Nicken hingegen heißt dort „Nein“. Der Äthiopier wirft den Kopf gar in den Nacken, um ein „Ja“ zu symbolisieren, was für Süditaliener etwa exakt das Gegenteil bedeutet. Und wer in Tibet mit einer herausgestreckten Zunge empfangen wird, sollte nicht beleidigt sein – das ist einfach nur eine ganz normale Begrüßung.

Mimik: Mundpartie vs. Augensprache

Kulturelle Unterschiede gibt es auch bei der Deutung von Mimik und Gesichtsausdrücken. Menschen in westlichen Kulturkreisen bringen Emotionen wie Ärger, Angst, Freude, Trauer, Überraschung und Ekel vor allem mit ihrer Mundpartie zum Ausdruck. In den meisten asiatischen Ländern hingegen stehen die Augen im Vordergrund. Das mag harmlos klingen, doch kann es schnell zu interkulturellen Missverständnissen kommen, wenn sich das Gegenüber beim Interpretieren der Mimik nur auf die eine Gesichtspartie konzentriert. Deutlich wird dieser Gegensatz übrigens auch im unterschiedlichen Gebrauch von Emoticons in der elektronischen Kommunikation: Während wir uns mit den diversen Facetten des :-) ausdrücken, legen Asiaten mit dem ^.^ den Fokus auf die Augen.

Blickkontakt: Schau mir in die Augen – oder lieber doch nicht?

Nonverbale Signale senden wir im Gespräch auch über die Art, wie wir unser Gegenüber ansehen. Direkter Augenkontakt ist hierzulande ein Zeichen der Aufmerksamkeit, der Aufrichtigkeit und des Respekts. Andernorts kann das ganz unterschiedlich ausgelegt werden. So hält man in der Türkei den Blick eher gesenkt, um dem Gesprächspartner Respekt zu zollen. Auch in einigen asiatischen Ländern, in China beispielsweise, wird direkter Blickkontakt als unhöflich empfunden und eher vermieden.

Nähe und Distanz: bloß keinem auf die Pelle rücken

Wie nah darf bzw. sollte man dem Gegenüber im Gespräch kommen? Auch bei dieser Frage gibt es einige kulturelle Unterschiede zu beachten. Nord- und Mitteleuropäer halten gern mindestens die berühmte Armlänge Abstand, auch in Nordamerika und weiten Teilen Asiens wird eine körperlich distanziertere Gesprächskultur gepflegt. Ansonsten gilt: Je weiter südlich, desto enger der Kontakt. So schrumpft in arabischen oder lateinamerikanischen Ländern die bevorzugte Armlänge auf die Hälfte zusammen und der Abstand verringert sich spürbar.

Mimik und Gestik richtig deuten

Bei Aufenthalten in anderen Ländern tun wir also gut daran, uns über die vorherrschenden Sitten vor Ort zu informieren, uns darüber bewusst zu sein und uns so weit wie möglich anzupassen. Treffen wir hierzulande auf Angehörige anderer Kulturkreise, sollten wir stets im Hinterkopf behalten, dass unsere Mimik und Gestik ganz anders ausgelegt werden könnte, als beabsichtigt. So lassen sich Missverständnisse und Fettnäpfchen ganz leicht vermeiden und die interkulturelle Kommunikation läuft wie am Schnürchen!

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