Interkulturelle Kompetenz – was dazugehört und warum sie erforderlich ist

Interkulturelle Kompetenz gehört inzwischen zu den wichtigsten Soft Skills im Berufsleben – durch die Digitalisierung und die Globalisierung geht die Arbeit in vielen Branchen inzwischen über Länder- und Sprachgrenzen hinaus und erfordert regelmäßigen Austausch mit Personen aus anderen Kulturen. Aber was genau steckt hinter interkultureller Kompetenz?

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Definition

Interkulturelle Kompetenz beschreibt zunächst, dass Menschen mit Angehörigen anderer Kulturen gut kommunizieren können. Das betrifft zum einen die Sprache, zum anderen aber auch ein tieferes Verständnis für und einen respektvollen Umgang mit Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben.

Unter anderem helfen folgende Eigenschaften, eine hohe interkulturelle Kompetenz zu erlangen:

Offenheit für Neues

Wer erwartet, dass überall auf der Welt alles so läuft, wie er selbst es gewohnt ist, wird sich kaum auf fremde Sitten und Gebräuche einlassen können. Eine offene Grundhaltung und Neugier ist daher essenziell.

Interesse an anderen Menschen

Erforderlich ist auch ein ehrliches Interesse am Gegenüber und die Absicht, wirklich zu verstehen, was andere Personen bewegt – und warum sie sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.

Selbstreflexion

Die Begegnung mit anderen Kulturen konfrontiert Menschen zwangsläufig mit der Frage, welche Wertvorstellungen und welche Verhaltensweisen sie selbst prägen. Welche stereotypen Vorstellungen von bestimmten Ländern und Kulturen habe ich, worauf gründen sie – und sind sie überhaupt zutreffend? Das gilt es kontinuierlich zu hinterfragen, um eventuelle Vorbehalte anderen gegenüber abzubauen.

Aber in welchen Situationen spielen kulturelle Unterschiede überhaupt eine Rolle?

Alltagsbeispiele sind etwa Essensrituale, geschäftliche Meetings oder das Business Dinner. Das Wissen um solche Dinge ist nötig, um Gesprächspartner nicht zu verärgern, vor allem aber, um bestimmte Verhaltensweisen des jeweils anderen besser einzuordnen.

So kann es beispielsweise für Europäer zunächst etwas befremdlich wirken, wenn Menschen in China bei Tisch hörbar schmatzen oder gar aufstoßen. Dort aber gilt dieses Verhalten als höflich, weil es signalisiert, dass das Essen schmeckt. In südeuropäischen Ländern kann es vorkommen, dass Geschäftspartner zu spät zu Terminen erscheinen – was aber nicht bedeuten muss, dass sie das Treffen unwichtig finden – Zeitangaben sind dort einfach etwas flexibler.

Auch Unterschiede in der Kommunikation spielen häufig eine Rolle: In skandinavischen Ländern etwa ist Konsens ein wichtiger Wert, weshalb die Menschen häufig versuchen, bei Entscheidungen möglichst viele Beteiligte einzubeziehen. Da kann Kritik, die hierzulande als offen und direkt empfunden wird, mitunter als schroff und autoritär wahrgenommen werden.

Inwiefern Beschäftigte und Unternehmen von kultureller Kompetenz profitieren

Die genannten Beispiele machen deutlich, wie wichtig ein sicherer Umgang mit kulturellen Eigenarten ist. Dies gilt nicht nur für Geschäftsbeziehungen mit Ländern von anderen Kontinenten, sondern auch innerhalb Europas. Denn auch dort bestehen mitunter kulturelle Unterschiede, die es zu überbrücken gilt, um erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Insofern ist interkulturelle Kompetenz tatsächlich eine Schlüsselqualifikation, von der Arbeitnehmende und Unternehmen gleichermaßen profitieren.

Die Vorteile interkultureller Kompetenz sind vielfältig – hier haben wir einige Beispiele zusammengestellt:

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Vorteile für Arbeitnehmer

Zunächst ein Blick darauf, inwiefern interkulturelle Kompetenz Arbeitnehmern nützt: 

Die Begegnung mit anderen Sprachen und Kulturen empfinden viele Menschen als persönlich bereichernd. Sie eröffnet neue Sichtweisen auf die Welt, schärft das Bewusstsein dafür, mit welchen Fragen und Problemen sich andere Kulturen auf welche Weise auseinandersetzen und wie sie bestimmte Probleme angehen.

Interkulturelle Kompetenz ist aber auch ein Karrierebeschleuniger: 

Denn wie eingangs erwähnt, gehört die Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturkreisen für viele Menschen inzwischen zum Joballtag. Das gilt im Übrigen nicht allein für international agierende Konzerne, sondern durchaus auch für den Einzelhändler oder Handwerker in Deutschland, der zum Beispiel Kunden oder Mitarbeiter anderer Herkunft hat.

Wer sich hier sicher fühlt und neben Sprachkenntnissen auch kulturelle Gepflogenheiten beherrscht, kann und sollte das zum Beispiel bei Bewerbungen immer angeben – und auf Nachfrage möglichst konkret formulieren können, inwiefern sich zum Beispiel Auslandsaufenthalte positiv auf die eigene interkulturelle Kompetenz ausgewirkt haben. Aber Achtung: Gerade bei Sprachkenntnissen sollte man ehrlich sein. Denn wer etwa „fließendes Englisch“ angibt und dann im Bewerbungsprozess auf einmal in dieser Sprache sprechen soll und keinen korrekten Satz herausbringt, hinterlässt einen zweifelhaften Eindruck beim potenziellen neuen Arbeitgeber.

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Vorteile für Unternehmen

Auch Unternehmen profitieren von interkultureller Kompetenz ihrer Angestellten: Denn Innovation zum Beispiel – heutzutage eine Schlüsselfähigkeit für Unternehmen – entsteht am ehesten im Austausch und dadurch, möglichst viele, unterschiedliche Perspektiven auf bestimmte inhaltliche Fragen zu gewinnen.

Und genau dabei können multikulturelle Teams ihre Stärken ausspielen. Voraussetzung ist allerdings, bestehende Unterschiede gut zu managen, damit eventuelle Missverständnisse die Kreativität und die Zusammenarbeit nicht negativ beeinträchtigen.

Klar ist auch, dass sich Unternehmen in einer global vernetzten Welt oft Chancen für weiteres Wachstum eröffnen, indem sie grenzüberschreitend aktiv werden. Das gilt für Großkonzerne genauso wie für kleinere und mittelständische Unternehmen. Damit in solchen internationalen Arbeitszusammenhängen insbesondere die Kommunikation reibungslos verläuft, sollten Unternehmen interkulturelle Kompetenz systematisch fördern.

Interkulturelle Handlungskompetenz gezielt fördern

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die interkulturelle Kompetenz in Unternehmen und Organisationen strategisch zu fördern. Drei der wichtigsten Optionen sind folgende:

1. Auslandsaufenthalte:

Gerade international agierende Unternehmen sollten ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit bieten, für eine gewisse Zeit an einem anderen internationalen Standort zu arbeiten, im Idealfall schon in Trainee-Programmen. So lernen Nachwuchskräfte früh, sich in einer anderen Sprache mit Menschen aus einer anderen Kultur auszutauschen.

Auch Sprachreisen oder sogenannte Expat-Aufenthalte – also Monate oder sogar einige Jahre Leben und Arbeiten in einem Land – sind eine gute Möglichkeit, sich interkulturelle Kompetenzen anzueignen.

Allerdings sollten Unternehmen dies systematisch anleiten, inklusive fachlicher und sprachlicher Vorbereitung, klarer Aufgabenstellung und der Begleitung bei der Rückkehr, um zum Beispiel einen sprichwörtlichen „Kulturschock“ zu vermeiden.

2. Interkulturelle Kompetenz im Alltag

Auch wenn Unternehmen nicht die Möglichkeit bieten, einen Auslandsaufenthalt an einem internationalen Standort zu organisieren, können sie doch interkulturelle Kompetenz fördern. Zum Beispiel, indem sie Fähigkeiten wie Offenheit, Toleranz, Perspektivwechsel und Selbstreflexion – also die Grundvoraussetzungen – auch im eigenen Unternehmen systematisch fördern.

Denkbar ist auch, bei der Zusammensetzung von Teams auf größtmögliche Diversität zu achten – dazu können beispielsweise die Herkunft, aber auch Aspekte wie Geschlecht, Alter und Fachexpertise gehören.

3. Workshops und Seminare

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, spezifische Angebote zu nutzen. Berlitz zum Beispiel bietet eine Vielzahl interkultureller Trainings und Coachings an, in denen die Teilnehmenden von erfahrenen Trainern auf die wichtigsten Herausforderungen vorbereitet werden. Anlass kann beispielsweise eine Auslandsentsendung sein, ein klar abgegrenztes, internationales Projekt oder auch der Bedarf nach einem Sicherheitstraining für einen Auslandsaufenthalt in einer Krisenregion.

Mit dem Cultural Navigator hat Berlitz zudem ein E-Learning-Tool entwickelt, mit dem sich zum Beispiel Beschäftigte die wichtigsten interkulturellen Kompetenzen selbstbestimmt aneignen können – individuell eingerichtet und wann immer es zeitlich passt. Zu den wichtigsten Themen gehören neben interkultureller Kompetenz, Diversität und Inklusion auch interkulturelle Teamarbeit sowie Relocation und Repatriation.

Interkulturelle Fähigkeiten systematisch fördern

Interkulturelle Kompetenz ist eines der Schlüsselthemen für Unternehmen und Beschäftigte, um in der zunehmend globalisierten Arbeitswelt erfolgreich zu agieren. Missverständnisse, die auf kulturellen Unterschieden basieren, können den Erfolg von Projekten im schlimmsten Fall drastisch und langfristig gefährden.

Interkulturelle Kompetenz gibt die Möglichkeit, solche Gefahren zu minimieren und aus internationaler Zusammenarbeit bzw. multikulturellen Teams entscheidende Erfolgsfaktoren zu machen. Deswegen sollten Unternehmen interkulturelle Kompetenz weit oben auf ihre strategische Agenda setzen – und sie bei ihren Beschäftigten systematisch fördern.

Wir bringen Sie und Ihr Team voran!

Ob Soft-Skills, Management-Kompetenzen, eine neue Fremdsprache oder interkulturelle Fähigkeiten: Berlitz unterstützt Unternehmen und ihre Angestellten bei der beruflichen Weiterbildung mit vielfältigen Seminarthemen und Lernformaten.