Networking: Warum Sie Kontakte knüpfen und pflegen sollten

Berlitz -

Soziale Kontakte sind wichtig, im Privatleben und in der Berufswelt gleichermaßen. Mit dem zielorientierten Netzwerken im Job tun sich allerdings viele Menschen schwer. Berufstätige sollten das Networking jedoch aktiv betreiben. Warum, erklären wir im folgenden Artikel – und geben nützliche Tipps, wie sich berufliche Kontakte knüpfen und pflegen lassen.

Gute Gründe fürs Netzwerken

„Bauen Sie sich ein berufliches Netzwerk auf!“ Dieser Tipp gehört zu den Allgemeinplätzen der Karriereratgeber. Aber warum ist Networking eigentlich so wichtig? Studien belegen: Der berufliche Erfolg hängt nicht allein von der Leistung ab, sondern auch von persönlichen Kontakten und Fürsprechern. So wird rund ein Drittel aller Stellen über persönliche Beziehungen vergeben. Das gilt für alle Erfahrungslevel.

Berufseinsteiger profitieren von Kontakten, wenn sie nach attraktiven Arbeitgebern suchen oder eine Branche kennenlernen möchten. Selbstständige oder Gründer finden über Netzwerke Auftraggeber, Geschäftspartner oder Investoren. Für Midlevel-Angestellte dient das Networking häufig dem beruflichen Aufstieg oder dem fachlichen Austausch, und auch Führungskräfte initiieren über ihre Netzwerke gemeinsame Projekte oder finden eine neue Position. So unterschiedlich die Beweggründe fürs Networking sind: Allen Gruppen gemeinsam sind folgende Aspekte.

Schön, Sie persönlich kennenzulernen!“

In unserer digital vernetzten Welt lassen sich Kontakte problemlos übers Internet, über Apps, E-Mail und soziale Netzwerke pflegen, und das weltweit. Dennoch sollten Berufstätige die Wirkung der persönlichen Begegnung keinesfalls unterschätzen. Gespräche von Angesicht zu Angesicht bleiben länger in Erinnerung als der – nicht selten unverbindliche – Austausch über soziale Berufsnetzwerke wie Xing oder LinkedIn. Die virtuelle Anbahnung kann dabei ein sehr hilfreicher erster Schritt zur Gesprächseröffnung beim Treffen in der analogen Welt sein. So könnte ein Einstiegssatz lauten: „Guten Tag, wir sind bei LinkedIn vernetzt. Schön, Sie jetzt persönlich kennenzulernen!“

Netzwerke eröffnen neue Perspektiven

Beim Networking muss es gar nicht in erster Linie um Jobchancen gehen. Nützlich sind Kontakte auch, um herauszufinden, wie eine Branche tickt, womit sich Unternehmen gerade beschäftigen und woran sie arbeiten.

Gleichzeitig ist das virtuelle und persönliche Netzwerken eine gute Übung, selbstbewusster zu werden. Anfangs fällt es vielleicht noch schwer, einflussreiche Personen einer Branche zu kontaktieren und sich vorzustellen. Nach ein paar Versuchen wird es schon leichter gehen. Und selbst wenn Sie keinen direkten Nutzen aus einer Begegnung ziehen: Persönliche Gespräche über Karrierewege sind meist so interessant, dass Sie von den Erfahrungen anderer profitieren können.

Ehrliches Interesse

Wenn Sie sich nicht verstellen, werden Sie kaum mit Ablehnung rechnen müssen. Hilfreich beim Netzwerken kann deshalb folgende Grundhaltung sein: Zeigen Sie ehrliches Interesse an einer Person oder einem Thema! Und selbst wenn Sie einmal keine Antwort auf Ihre digitale Kontaktanbahnung erhalten, sollte Sie das nicht entmutigen. Denn die Zurückhaltung Ihres Gegenübers hat in aller Regel nichts mit Ihnen persönlich zu tun.

Analoges Netzwerken – gewusst, wo

Was sind die besten Orte fürs Networking? In der virtuellen Welt ist die Antwort einfach: die sozialen Netzwerke. In der analogen Welt fällt die Antwort schon schwerer. Sie hängt wesentlich davon ab, welchen Zweck das Netzwerken erfüllen soll.

Geht es beispielsweise um einen Jobeinstieg, sind Berufsmessen ein guter Startpunkt. Diese finden regelmäßig in größeren Städten statt, wie zum Beispiel die Jobmesse Deutschland in 21 Städten. Fachmessen sind nach wie vor die beste Wahl, wenn Sie neue Kunden gewinnen oder sich mit Kollegen austauschen möchten. Je nach Branche finden regelmäßig auch Tagungen und Konferenzen statt.

Für die eher allgemeine Kontaktpflege ohne bestimmten Zweck sind After-Work-Veranstaltungen gut geeignet. Dort geht es in aller Regel etwas lockerer zu als auf Fachmessen, sodass Sie hier oft leichter ins Gespräch kommen. Besonders bekannt sind die Digital Marketing Messe Demexco, die IFA im Technikbereich oder die Immobilien und Investing Messe Expo Real. After-Work-Events für Ihre Stadt und Branche finden Sie in sozialen Netzwerken, zum Beispiel in Facebook-Gruppen.

Die für Sie passenden Branchenevents finden Sie etwa über LinkedIn und Xing. Auch Veranstaltungshinweise auf Facebook können sehr nützlich sein. Branchenspezifische Veranstaltungen gibt es zudem auf den Websites von Berufs- und Branchenverbänden. Hier können beispielsweise die Seiten der IHK Auskunft geben.

Lokale Gruppen zu allen möglichen Themen bietet die Website Meetup. Insbesondere für Start-ups und Gründer finden sich dort zahlreiche Veranstaltungen. Eventbrite verzeichnet ebenfalls viele Business-Events. Tipp: Dort lassen sich auch eigene Events ankündigen. Für Unternehmen kann sich dies auch lohnen. Denn als Veranstalter kommen Sie meist ganz automatisch mit vielen Eventbesuchern ins Gespräch. Und noch ein Hinweis: Fragen Sie erfahrene Kollegen, welche Veranstaltungen, Messen, Konferenzen Sie besuchen sollten.

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Networking-Tipps von Vor- bis Nachbereitung

Sie haben eine passende Veranstaltung ausgesucht und kurz vor dem Termin macht sich eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität bei Ihnen breit? Keine Angst, das ist ganz normal und wird den meisten anderen Besuchern genauso gehen. Atmen Sie möglichst ruhig und lächeln Sie, so oft es geht – auch das entspannt Körper und Geist.

Wie sollten Sie das Netzwerken nun konkret angehen? Folgende Tipps helfen Ihnen bei der Kontaktpflege vor, während und nach einer Veranstaltung.

1. Vorbereitung

Versetzen Sie sich zur Vorbereitung gedanklich in die Lage eines möglichen Kontaktes. Was würde er oder sie nach dem Kennenlernen tun? Vermutlich dasselbe wie Sie: den Namen des Gegenübers bei Google eingeben. Zur Vorbereitung gehören daher folgende Schritte:

a) Öffentliche Social Media-Profile aktualisieren

Sie sind schon bei Xing und LinkedIn angemeldet oder nutzen Twitter beruflich? Sehr gut. Falls nicht, sollten Sie dies nachholen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Profil möglichst kontinuierlich pflegen und Ihre Interessen dort hinterlegen. Vor allem Ihr Profilbild sollte aktuell und seriös sein. Denn: Neue Kontakte googlen mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Ihnen. Kontrollieren Sie daher regelmäßig, was unter Ihrem Namen (suchen Sie ihn am besten mit und ohne Anführungszeichen, um genauere Ergebnisse für Ihren Namen zu finden) auf den ersten drei Seiten erscheint. Schauen Sie sich auch die Suchergebnisse der Bildersuche an. Sehr alte oder gar peinliche Fotos sollten Sie schnellstmöglich löschen. Bedenken Sie, dass soziale Netzwerke und Google einige Zeit benötigen, um die Suchtreffer zu aktualisieren.

b) Potenzielle Kontakte identifizieren

Nutzen auch Sie das Internet und die sozialen Netzwerke, um sich vor einer Veranstaltung auf mögliche interessante Gesprächspartner vorzubereiten. Wenn Sie wissen, was Ihren Gegenüber interessiert oder wonach er sucht, fällt der Einstieg in die Konversation leichter. Achtung: Persönliche Dinge wie Familienstand oder Hobbies, die Sie möglicherweise herausgefunden haben, sollten Sie nicht ansprechen. Das kann abschreckend wirken.

c) Visitenkarten

Sind Visitenkarten im digitalen Zeitalter überhaupt noch nötig? Experten meinen: ja. Dabei geht der Trend mehr und mehr zur Premium-Variante. Die Kartenübergabe soll die Geste der Kontaktaufnahme unterstreichen, und das gelingt am besten mit möglichst hochwertigen Exemplaren, die in Erinnerung bleiben. Daher unser Tipp: Drücken Sie die Karte nicht jedem in die Hand, mit dem Sie einmal ein paar Worte gewechselt haben, das wirkt möglicherweise aufdringlich und bringt Ihnen selbst normalerweise wenig. War das Gespräch allerdings anregend und sympathisch, sollten Sie Ihrem Gegenüber auf jeden Fall eine Ihrer schönen Visitenkarten überreichen.

2. Während der Veranstaltung

Grundsätzlich sollten Sie das Networking nicht verbissen, sondern möglichst spielerisch angehen. Zwar ist Ihr Ziel, neue Kontakte zu knüpfen, aber wenn Sie zu hohe Erwartungen haben, verkrampfen Sie möglicherweise – und das kann auf Ihre Gesprächspartner negativ wirken. Oft fällt es mit der Lockerheit leichter, wenn Sie von einem Kollegen oder einer Kollegin begleitet werden. Unsere Tipps für die Veranstaltung lauten:

a) Merken Sie sich den Namen Ihres Gegenübers

Viele Menschen vergessen den Namen Ihres Gesprächspartners unmittelbar nachdem sie ihn gehört haben. Fragen Sie ruhig nach, falls Sie den Namen, etwa wegen des Geräuschpegels, nicht auf Anhieb verstehen – das zeigt Interesse am Gegenüber. Umgehen Sie die unangenehme Nachfrage zu einem späteren Zeitpunkt.

Haben Sie den Namen später doch vergessen, könnten Sie sagen: „Verzeihung, ich hatte Ihren Namen eben nicht richtig verstanden. Könnten Sie ihn bitte noch einmal wiederholen?“ Wenn Sie bemerken, dass Ihr Gegenüber Ihren Namen vergessen hat, nennen Sie ihn zur Verabschiedung noch einmal.

b) Stellen Sie sich richtig vor

Im persönlichen Kontakt kommt es auf einen guten ersten Eindruck an. Und der beginnt mit einem guten Händedruck, Augenkontakt und der namentlichen Vorstellung. Sagen Sie dann, ganz im Stile eines Elevator Pitch, was Sie tun und was Ihr Ziel ist. Fassen Sie sich so kurz wie möglich. Der Elevator Pitch heißt so, weil Sie Ihre Botschaft während einer Fahrt mit dem Aufzug unterbringen können müssen. Sie können sich im Vorfeld ein paar Varianten zurechtlegen. Denn wenn Sie vielen Menschen etwas über sich erzählen müssen, sind Sie möglicherweise selbst schnell gelangweilt, wenn Sie immer Ihren Standardsatz aufsagen – und das merkt dann auch Ihr Gegenüber.

c) Die Kunst der Verabschiedung

Klar ist: Nicht mit jedem Ihrer neuen Kontakte werden Sie im Austausch bleiben. Sie erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Erinnerung bleiben, indem Sie sich gekonnt verabschieden. Sagen Sie also zum Beispiel: „Ich habe mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen. Es wäre schön, wenn wir das Gespräch demnächst fortsetzen könnten.“

3. Nachbereitung

Networking bringt nur etwas, wenn sich daraus dauerhafte Kontakte ergeben – und für die sollten Sie sorgen, bevor Sie sie brauchen. Aber welche Aufhänger sind geeignet, um in Kontakt zu bleiben? Melden Sie sich möglichst bald nach dem Kennenlernen und nehmen Sie dabei konkreten Bezug auf das Gespräch. Übermitteln Sie bei der Kontaktanfrage eine kurze persönliche Nachricht. Etwa so: „Guten Tag Frau Müller, vielen Dank noch einmal für das interessante Gespräch auf der Veranstaltung XY. Ich würde mich freuen, wenn wir Aspekt XY bei Gelegenheit vertiefen könnten.“ Ging es im persönlichen Kontakt um eine Geschäftsanbahnung, können Sie auch um nähere Informationen oder ein Angebot bitten.

Entspannt und geduldig bleiben

Networking ist gar nicht so schwer, wie es zunächst scheinen mag. Bleiben Sie entspannt und freuen Sie sich einfach darauf, etwas über andere Menschen zu erfahren. Ehrliches Interesse am Gegenüber ist die beste Netzwerk-Strategie. Und zum Schluss noch ein Tipp: Vermeiden Sie ganz offensichtliche Verkaufsgespräche. Networking ist Anbahnung – der eigentliche Nutzen kommt später. Insofern gehören zu Kontaktaufbau und -pflege vor allem Geduld und Ausdauer.

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