Russland-Knigge: Benimmregeln für das größte Land der Welt

Berlitz -

Von St. Petersburg bis Wladiwostok und von Sibirien bis zum Schwarzen Meer begeistert Russland mit beeindruckenden Landschaften, einzigartigen Metropolen und außergewöhnlich gastfreundlichen Menschen. Auch das Lernen der russischen Sprache birgt viele Vorteile. Wer allerdings eine Reise ins flächengrößte Land der Welt plant, sollte aber nicht ohne eine Ahnung über die wichtigsten russischen Bräuche ins Flugzeug steigen. Dann lauern Fettnäpfchen erst gar nicht und der interkulturellen Kommunikation steht nichts im Wege. Dieser Beitrag stellt die typischen Benimmregeln in Russland vor und erläutert kulturelle Besonderheiten. Damit wird auch der Besuch der Fußball-WM in Russland im Juni und Juli 2018 ein weltmeisterschaftliches Vergnügen.

Begrüßung und Anrede in Russland

Das Wichtigste zu Beginn: Wie sprechen sich Russen untereinander eigentlich an? Russische Namen setzen sich aus drei Elementen zusammen: dem Vornamen, dem Vatersnamen – also dem abgewandelten Vornamen des Vaters – und dem Nachnamen. Die übliche Form ist, eine Person mit Vor- und Vatersnamen anzusprechen. Zum Beispiel lautet die korrekte Anrede für den Staatspolitiker Michail Sergejewitsch Gorbatschow: Michail Sergejewitsch.

Anders als in Deutschland begrüßen sich in Russland nur die Männer mit einem Händeschütteln. Frauen halten sich eher zurück und grüßen mit einem Lächeln. Im engen Freundes- und Familienkreis darf es gern herzlicher sein: Männer und Frauen begrüßen sich untereinander mit Umarmungen oder Wangenküssen. Aber aufgepasst, wer den Gastgeber über die Türschwelle hinweg begrüßt, bringt Unglück über das Haus. Das ist ein weit verbreiteter Aberglaube in Russland, der unbedingt respektiert werden sollte. Auch in einer Wohnung zu pfeifen, wird von Russen nicht gerne gesehen bzw. gehört – denn dem Volksglauben nach soll dies Geldprobleme für den Haushalt bringen.

Besonderheiten in Russland im Umgang miteinander

Eine Besonderheit in Russland, die für Reisende seltsam erscheinen kann, ist das unterschiedliche Verhalten im öffentlichen und privaten Raum. In der Öffentlichkeit sind Russen eher distanziert und zurückhaltend, im privaten Kreis dagegen fast überschwänglich emotional und herzlich. Übertriebene Fröhlichkeit und ständiges Kichern sollten Besucher in Russland jedoch trotzdem vermeiden, besonders während des Kennenlernens kann das unseriös wirken.

Insgesamt ist der Körperabstand in Russland übrigens geringer als in Deutschland. Die Menschen berühren sich im Gespräch auch öfter, zum Beispiel an der Schulter. Wer sich die Nase putzen muss, sollte das aber trotzdem nicht in der Nähe von anderen machen – das wird in Russland noch eher als in Deutschland als unfein betrachtet. Punkten können Reisende dagegen, wenn sie sich Frauen gegenüber genauso höflich und charmant wie die russischen Männer verhalten. Wie echte Gentlemen sollten sie ihrer Begleiterin die Tür aufhalten und den Mantel abnehmen.

Die russische Gastfreundschaft und ihre Besonderheiten

Die Russen sind als äußerst gastfreundliches Volk bekannt. Wer zu ihnen nach Hause eingeladen ist, sorgt mit einem kleinen Gastgeschenk wie Süßigkeiten oder Blumen für Freude. Bei den Blumen sollte es aber nicht ausgerechnet ein Strauß aus zehn gelben Rosen sein – Gelb steht nämlich für Untreue und Eifersucht und eine gerade Anzahl verschenken Russen nur im Trauerfall.

Wie auch in vielen Gegenden Deutschlands lassen die Menschen in Russland ihre Straßenschuhe an der Wohnungstür. Wer keine eigenen Hausschuhe dabei hat, kann auf seine Gastgeber zählen: Sie haben oftmals Gästepantoffeln parat. Wenn dann alle gesellig beisammensitzen, dürfen sich die Gäste übrigens frei an den angebotenen Getränken oder Speisen bedienen. Wenn man als Besucher immer wieder nachfragt, ob man noch etwas trinken oder essen darf, können die Gastgeber das als irritierend und unhöflich aufnehmen. Haben sie die Frage einmal bejaht, gilt das im Allgemeinen für die gesamte zusammen verbrachte Zeit.

Zu den russischen Bräuchen gehört natürlich auch der Wodka. Und wer zu Besuch in Russland ist, braucht Trinkfestigkeit. Meist gibt es vonseiten der Gastgeber einen Trinkspruch zum Schnaps. Nicht mitzutrinken wird als Beleidigung aufgefasst. Wenn jemand wirklich keinen Alkohol möchte, kann er es auf gesundheitliche Probleme schieben.

Russland-Knigge fürs Restaurant

Zum Wodka gehört natürlich auch etwas Ordentliches zu essen. Die russische Küche ist bekannt für viele köstliche – häufig deftige – Gerichte: zum Beispiel Borschtsch, ein kräftiger Eintopf mit Roter Bete; Blini, kleine Eierkuchen, die sowohl süß als auch herzhaft verspeist werden; oder Pelmeni, die russische Entsprechung zu Tortelloni oder Maultaschen.

Wer im Restaurant isst, darf sich übrigens nicht wundern, wenn er mit fremden Personen an denselben Tisch gesetzt wird. Das ist in Russland üblich. Aber zuvor bitte die Jacken an der Garderobe abgeben, alles andere wäre unhöflich. Und beim Begleichen der Rechnung gehört natürlich auch etwas Trinkgeld dazu – im Durchschnitt etwa 10 Prozent.

Russland fasziniert nicht nur wegen seiner Bräuche, bei denen deutlich wird, welch großen Wert die Russen auf einen höflichen Umgang miteinander legen. Auch die komplexe Sprache nimmt viele Kulturinteressierte für sich ein. In unserem Beitrag „Russisch für Anfänger: So klappt es mit dem kyrillischen Alphabet“ sind die wichtigsten sprachlichen Besonderheiten zusammengefasst.

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