Schlagfertigkeit im Beruf: So werden Sie souveräner

Berlitz -

Jeder kennt dieses ärgerliche Gefühl: Bei verbalen Auseinandersetzungen fallen einem die passenden Antworten erst im Nachhinein ein. Wer wünscht sich da nicht, schlagfertiger zu sein? Insbesondere im Job ist es ein erheblicher Vorteil, wenn in kritischen Situationen die treffenden Entgegnungen blitzschnell zur Hand sind. Schlagfertige Menschen wirken selbstsicher und souverän und werden deshalb seltener in Frage gestellt. Nicht jeder ist beim treffsicheren, verbalen Kontern ein Naturtalent. Die gute Nachricht: Es lässt sich lernen. Im folgenden Artikel geben wir Ihnen einige praktische Beispiele für Schlagfertigkeit im Job und zeigen, mit welchen Methoden und Übungen Sie diese Fähigkeit trainieren können.

Peinliche Situationen auflockern, souverän reagieren

Grundsätzlich kann jeder Mitarbeiter eines Unternehmens in eine Situation geraten, in denen sprachliche Gewandtheit einiges rettet – egal, ob Führungskraft oder Angestellter. Wer sich zum Beispiel bei einem Geschäftsessen mit wichtigen Kunden aus Versehen Kaffee über den Anzug kippt, dem wird dies äußert peinlich sein. Eine rasche, selbstironische Bemerkung wie „Immerhin hat der Teppich nichts abbekommen!“ kann die Situation auflockern und dem Betroffenen helfen, sein Gesicht zu wahren.

Schlagfertigkeit ist auch ein starkes Hilfsmittel, wenn Kollegen oder Vorgesetzte die eigenen Arbeitsergebnisse kritisieren. Insbesondere, wenn sich die Angriffe nicht auf die Sache, sondern auf die Person beziehen, geraten die Betroffenen schnell in Stress, fühlen sich unsicher und fangen an, sich zu rechtfertigen. Neuere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass etwa jeder fünfte Angestellte mit Demütigungen durch den Chef zu kämpfen hat. Wer in unangenehmen Situationen spontan kontern kann, wirkt selbstsicher und souverän. Doch wie kann das im Berufsalltag konkret aussehen?

Beispiele für schlagfertige Antworten im Berufsalltag

1. Ihr Vorgesetzter wirft Ihnen mangelndes Lerntempo vor und sagt: „Herr Meier, das habe ich Ihnen doch schon hundert Mal erklärt!“ – „Ja, aber hundert Mal falsch!“

Möglicherweise übertreten Sie mit einer solchen Antwort eine Grenze. Was in Sachen Schlagfertigkeit geht und was nicht, hängt sehr davon ab, welches Verhältnis Sie zu Ihrem Vorgesetzten oder Ihren Kollegen haben. Bei einem eher lockeren Umgangston ist sicher mehr möglich als in konservativ geführten Unternehmen. Im letzten Fall sollten Sie möglichst sachlich bleiben und etwa sagen: „Ich glaube nicht, dass meine Kompetenz das Problem ist. Ich schlage vor, wir überlegen einmal gemeinsam, wie wir die Sache in den Griff bekommen. Ich habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht.“

2. Die Besser-als-Technik

Sehr wirkungsvoll und in vielen Situationen anwendbar ist die „Besser-als-Technik“. Stellen Sie sich vor, Sie kommen frisch von der Uni und bewerben sich auf Ihren ersten Job. Im Bewerbungsgespräch sagt der Personalchef: „Sie verfügen über keinerlei Berufserfahrung. Warum sollten wir Sie trotzdem einstellen?“

Sie könnten hier beispielsweise antworten: „Besser wenig Erfahrung und lernwillig als viel Erfahrung, aber keine Motivation.“ Und anschließend zählen Sie auf, welche Talente Sie ins Unternehmen einbringen werden.

3. „Ja, genau!“

Ein häufiges Argument in Gehaltsverhandlungen ist der stagnierende Umsatz im Unternehmen: „Sie wissen doch, dass es unserer Firma gerade nicht so gut geht. Da ist eine Gehaltserhöhung beim besten Willen nicht drin!“ Ihre Antwort: „Ja, gerade weil die Zeiten schwierig sind, erscheint es mir sinnvoll, in Mitarbeiter zu investieren, die gute Umsätze bringen.“

Indem Sie Ihrem Gegenüber zunächst zustimmen und das Argument anschließend umdrehen, werden Sie Ihren Gesprächspartner oftmals überraschen – und so die Oberhand gewinnen.

Kritik mit Zitaten kontern

Für den konkreten Fall gibt es unendlich viele Möglichkeiten, wie Schlagfertigkeit aussehen kann. Manchmal lockert ein passendes Zitat eine unangenehme Situation auf. Mark Twain etwa sagte einmal zum Thema Kritik: „Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen Ihre Meinung sagen – vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir.” Und wenn Ihre Kollegen Sie für eine ungewöhnliche Idee kritisieren, von der sie aber hundertprozentig überzeugt sind, rettet Sie vielleicht folgendes Twain-Bonmot: „Menschen mit einer neuen Idee gelten solange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.”

Auch der irische Schriftsteller Oscar Wilde ist für seine spöttischen Sprüche bekannt. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Satz, wenn der junge Kollege meint, den Besserwisser spielen zu müssen: „Greise glauben alles, Männer bezweifeln alles, Junge wissen alles.” Und wird Ihnen bei einer Aufgabe einmal übermäßige Detailverliebtheit vorgeworfen, nimmt dieses Wilde-Zitat Ihrem Gegenüber vermutlich den Wind aus den Segeln: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack. Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.”

Legen Sie ruhig eine kleine Sammlung an. Dann können Sie im Bedarfsfall einen passenden, witzigen Spruch zum Besten geben.

Schlagfertigkeit lernen – fünf Säulen für mehr Sicherheit

Es gibt Naturtalente, die im sprichwörtlichen Sinne nicht „auf den Mund gefallen sind“. Denen in jeder Situation die passenden Entgegnungen einfallen. Sollten Sie, wie die meisten Menschen, nicht dazu gehören: Seien Sie unbesorgt. Denn Schlagfertigkeit ist lern- und trainierbar.

Der Kommunikationstrainer Stéphane Etrillard beschreibt fünf Säulen, auf denen die Fähigkeit zum gewitzten Verbalkonter fußt. Menschen mit einer positiven Grundeinstellung kommunizieren insgesamt offener und kreativer. Wer in Gesprächen ständig den Blick senkt, macht auf andere einen unsicheren, nervösen Eindruck. Ganz anders wirkt man, wenn man sein Gegenüber freundlich anschaut und dabei Blickkontakt hält. Außerdem nimmt unser Gegenüber intuitiv über unsere Stimme wahr, ob wir etwa angespannt sind. Wichtig sind vor allem die Stimmlage und ein eher langsames, ruhiges Sprechtempo. Oft hilft es bereits, sich selbst aufzunehmen und zu hören, wie die eigene Art zu sprechen wirkt.

Charisma, also eine besondere, angenehme Ausstrahlung, ist schwer zu erlernen. Doch eine angenehme Stimmpräsenz, Humor und Selbstsicherheit tragen auf jeden Fall zu einer charismatischen Wirkung auf andere bei. Und schließlich gilt:Wir können nicht vermeiden, dass eine unfaire Verbalattacke irgendein Gefühl in uns auslöst. Aber wie können trainieren, uns von diesen Emotionen nicht leiten zu lassen. Wer miese Sticheleien an seinem „emotionalen Panzer“ abprallen lässt, der gewinnt dadurch den für mehr Schlagfertigkeit notwendigen Spielraum. Diese fünf Säulen verhelfen Ihnen zu größerer Souveränität im Umgang mit anderen Menschen – und Souveränität ist die wichtigste Basis für Schlagfertigkeit.

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Mit Schlagfertigkeit Menschen gewinnen

Schlagfertigkeit ist ein sehr wirkungsvolles Mittel, um sich gegen Verbalattacken von Vorgesetzten oder Kollegen zu wehren. Doch sollten Sie damit vorsichtig umgehen. Wer sein rhetorisches Geschick nutzt, um andere vorzuführen, wird sich damit unbeliebt machen und langfristig keinen Erfolg haben. Sinnvoll ist es, Humor und Charme einzusetzen, um andere Menschen oder Kunden von sich einzunehmen und als Mitstreiter zu gewinnen. Üben Sie zunächst in einem vertrauten Umfeld, dann auch in Alltagssituationen. Schnell werden Sie Fortschritte feststellen und bemerken, dass Schlagfertigkeit gar nicht so schwer ist und sogar Spaß macht. So lernen Sie nach und nach, mit unangenehmen Situationen im Berufsalltag besser umzugehen.

Drei Wege zu mehr Schlagfertigkeit

Im nächsten Schritt können Sie an Ihrem eigentlichen Ziel arbeiten. Mit folgenden Übungen und Herangehensweisen arbeiten Sie methodisch an Ihrer Schlagfertigkeit:

1. Kritische Situationen vorbereiten

Ohne gezielte Vorbereitung auf Konfliktsituationen keine Schlagfertigkeit! Wer in heiklen Gesprächen mit einem strengen Vorgesetzten schlagfertig reagieren will, sollte sich gezielt mit möglichen Fragen und Einwänden auseinandersetzen. Sie können zum Beispiel alle möglichen Kritikpunkte, die Ihnen oder Ihren Kollegen einfallen, auf eine Karteikarte schreiben. Auf deren Rückseite notieren Sie möglichst viele Antworten, die die stichelnden Bemerkungen entkräften. Üben Sie solche Situationen mit Freunden, Bekannten oder Kollegen im Vorfeld.

2. Frei assoziieren

Oft geraten Menschen in unangenehme Situationen, die sich nicht vorhersehen lassen. Da braucht es Improvisation – und auch die lässt sich trainieren. Ihre Fähigkeit zur freien Assoziation verbessern Sie zum Beispiel mit folgender Übung, die Sie am besten mit ein paar Mitspielern machen: Jemand denkt sich ein Wort aus. Der nächste muss so schnell wie möglich das erste Wort nennen, das ihm dazu einfällt. Bei dieser Übung geht es darum, die berühmt-berüchtigte „Schere im Kopf“ zu überwinden und ungewöhnliche Wortverbindungen zu finden. Sie können auch alleine trainieren, indem Sie sich wahllos einen Begriff aus dem Lexikon oder einem Zeitungsartikel nehmen und alle Wörter aufschreiben, die Ihnen dazu in kurzer Zeit in den Sinn kommen.

3. Die 3er-Übung

Bei der 3er-Übung geht es darum, auf Beleidigungen, Kritik und Vorwürfe möglichst schnell auf drei verschiedene Arten zu antworten: sachlich, mit Humor und ebenfalls unfair. Nehmen wir an, ein Kollege sagt zu Ihnen: „Du hast aber auch schon mal schneller gearbeitet!“ Sie könnten dann sachlich erwidern: „Ich arbeite eben lieber gründlich als schnell.“ Eine humorvolle Replik wäre: „Wie sagt der Volksmund? Was nützt es, wenn wir rennen, uns aber auf dem falschen Weg befinden?“ Und wenn Sie boshaft antworten möchten, könnten Sie sagen: „Und du hast auch schon mal besser gearbeitet!“ Üben Sie solche Situationen mit einer Person, der Sie vertrauen. So erweitern Sie Ihr Kommunikations-Repertoire und sind auf den Ernstfall besser vorbereitet.

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