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Jeder achte Erwerbstätige gibt an, stark oder sehr stark unter digitalem Stress zu leiden.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie “Gesund digital arbeiten”, bei der knapp 5000 Arbeitnehmer befragt wurden. Unternehmen und ihre Führungskräfte sind deswegen gefordert, Stress am Arbeitsplatz zu identifizieren und effektiv zu reduzieren. Wer wirkungsvolle Strategien zum Umgang mit Stress lernen möchte, dem bietet Berlitz auch gezielt Seminare zum Thema Stressmanagement an.

Was ist digitaler Stress?

Sie hatten Ihren Arbeitstag so schön durchgeplant. Aber bereits nach fünf Minuten piept Ihr Laptop mit dem Handy um die Wette, weil Benachrichtigungen reinkommen. Ihr E-Mail-Postfach quillt mal wieder über und die VPN-Verbindung funktioniert nicht.

Vielleicht kennen Sie solche Situationen. Unsere Arbeitswelt entwickelt sich in einem rasanten Tempo, auch dank dem Einsatz von digitalen Technologien und Medien. Als Folge sind Erwerbstätige diesen ständig ausgesetzt und gezwungen, sich an neue Arbeitsweisen und Prozesse zu gewöhnen. Wer da nicht mitkommt, fühlt sich schnell überfordert und überlastet. Für Frustration können auch die Informationsüberflutung oder Unzuverlässigkeit der verwendeten Tools sorgen. Die negative Folge solcher Erfahrungen mit digitalen Medien und Technologien: Digitaler Stress.

Es ist ein branchenübergreifendes Phänomen, wie die repräsentative Studie “Gesund digital arbeiten” zeigt. Sie ist Teil einer Initiative für sicheres und gesundes Arbeiten mit digitalen Technologien, welche vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Da größere Unternehmen neue Technologien eher einsetzen, sind deren Angestellte besonders stark betroffen. Mögliche Anzeichen für digitalen Stress sind Gereiztheit, Erschöpfungszustände oder ein verschlechterter Gesundheitszustand. Ultimativ kann das zu einem Sinken der Produktivität und der Arbeitszufriedenheit führen. Menschen, die an digitalem Stress leiden, ziehen laut der Studie auch häufiger einen Arbeitsplatzwechsel in Erwägung.

Digitaler Stress hat vielfältige Ursachen

Vielleicht kennen Sie das: Sie arbeiten unter Zeitdruck an einem wichtigen Projekt und ausgerechnet jetzt versagt die Technik. Oder Sie können sich schlecht konzentrieren, weil am oberen Bildschirmrand ständig Benachrichtigungen erscheinen. Digitaler Stress hat vielfältige Ursachen und wird individuell erlebt. Was den einen nicht stört, wird von dem anderen als belastend erlebt. Mögliche Ursachen können sein:

1. Von Überforderung hin zu Überflutung bis zu Unzuverlässigkeit

Es sind nicht die Technologien an sich, die digitalen Stress verursachen, sondern der Umgang mit ihnen. Stress entsteht immer da, wo die Fähigkeiten und Erwartungen der Arbeitnehmer und die Anforderungen an sie in ein Ungleichgewicht geraten. Unsicherheit im Umgang mit neuen Technologien, die Überflutung mit Informationen, von der Technik im Stich gelassen oder das Gefühl, ständig erreichbar zu sein: All dies sind Faktoren, die Kopfschmerzen bereiten können.

2. Leistungsüberwachung

Wer hat diesen Monat die meisten Verkäufe abgewickelt? Warum hat der Traffic auf der Website im letzten Quartal nachgelassen? Technik macht es möglich, die Leistung einzelner Arbeitnehmer oder Teams aufzuzeichnen und zu vergleichen. Viele fühlen sich dadurch verunsichert und haben das Gefühl, ständig überwacht zu werden.

3. Der gläserne Arbeitnehmer

Der digitale Terminplaner und das betriebliche E-Mail-Postfach, auf die der Arbeitgeber Zugriff haben. Smartphones mit GPS und Firmenausweise mit RFID (Radio-Frequency Identification)-Chips, die sensible Daten enthalten können. Technische Neuerungen machen eine bisher nicht gekannte Überwachung am Arbeitsplatz zumindest theoretisch möglich und sind häufig noch nicht gesetzlich geregelt. Das bereitet Arbeitnehmern zunehmend Sorge. Sie befürchten, immer mehr zur gläsernen Person zu werden.

4. Im Homeoffice vermischen sich Privat- und Berufsleben

Teammeeting, virtuell von Zuhause im Wohnzimmer. Nebenan streiten die Kinder und der Nachbar probiert gerade seine neue Bohrmaschine aus. Das Arbeiten im Homeoffice, das für viele Menschen inzwischen zum Berufsalltag gehört, bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Diese werden sehr individuell erlebt: Zum Beispiel berichten Arbeitnehmer mit kleinen Kindern und Menschen mit geringem technischem Know-how mit höherer Wahrscheinlichkeit über Stress.

Im Homeoffice vermischen sich die Grenzen von Privatem und Beruflichem. Viele vermissen die klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben. Sie haben das Gefühl, im „Always-on“-Modus zu sein: rund um die Uhr erreichbar. Obwohl viele seit der Corona-Pandemie weniger Aufgaben erledigen müssen, arbeiten sie im Homeoffice länger als früher im Büro. Hinzu kommt, dass persönliche Herausforderungen stark angestiegen sind. Anstatt einer „Work-Life-Balance“ erleben viele Menschen ein „Work-Life-Blending“.

Stressmanagement in der digitalen Arbeitswelt

Wenn sich Ihre Mitarbeiter von der Technik überfordert fühlen, sind Sie als Führungskraft gefragt. Wir haben acht Tipps zusammengesucht, die je nach Teamstruktur und individueller Situation dabei helfen können, digitalen Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren.

1. Technik wirkungsvoll einsetzen

Weniger ist mehr: Fragen Sie sich zuallererst, welche Tools und Technologien am Arbeitsplatz Sinn machen und welche überflüssig sind. Setzen Sie dabei auf Benutzerfreundlichkeit oder wählen Sie Programme aus, die spielerische Elemente enthalten. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter mit ein. Welche Medien und Programme würden sie gerne für Ihre Arbeit nutzen?

2. Arbeitsplatz kreativ gestalten

Tischhöhe anpassen, Stuhllehne richtig einstellen, die richtige Maus auswählen. Mit ein paar Handgriffen treffen viele Menschen Vorkehrungen, um Rücken und Gelenke zu schonen. Auch digitalem Stress können Sie vorbeugen, indem Sie Ihren Arbeitsplatz entsprechend einrichten. Ruhearbeitsplätze und Rückzugsorte, Kreativräume und Gruppenräume sorgen für eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre.

3. Unterstützung bei technischen Fragen

Ich kann mich nicht einloggen. Mein Computer ist abgestürzt. Ich kann nichts ausdrucken. Ein Helpdesk unterstützt Ihre Beschäftigten bei solchen und anderen technischen Fragen, sodass digitaler Stress gar nicht erst entsteht.

Um eine unnötige Belastung Ihrer Mitarbeiter zu vermeiden, sollten Sie technische Änderungen außerdem rechtzeitig ankündigen. Bieten Sie Schulungen an, in denen Ihre Mitarbeiter den Umgang mit neuen Programmen lernen können.

4. Über Datenschutz aufklären

Was passiert mit meinen Mitarbeiterdaten? Wer hat darauf eigentlich Zugriff? Ein Datenschutzkonzept schafft Transparenz darüber, welche Daten Sie erheben und zu welchem Zweck. Klären Sie Ihre Belegschaft insbesondere darüber auf, ob und wie Sie Mitarbeiterleistungen aufzeichnen und vergleichen.

5. Teamregeln zur Nutzung digitaler Technologien

Zu welchen Zeiten kann ich meinen Vorgesetzten auf dem Handy erreichen? Soll ich den Abschlussbericht per E-Mail schicken oder lade ich ihn in die Cloud hoch? Erarbeiten Sie in Ihren Teams klare Regeln für den Umgang mit digitalen Technologien. Etablieren Sie in diesem Zusammenhang auch ein Übereinkommen für die Erreichbarkeit von Mitarbeitern. Beschränken Sie zum Beispiel den Versand von E-Mails auf die reguläre Arbeitszeit.

6. Monotasking statt Multitasking

Eine Präsentation vorbereiten, nebenbei ein Kundentelefonat führen und Nachrichten im betriebsinternen Chat beantworten: Wer alles gleichzeitig macht, fühlt sich schnell überlastet. Klären Sie Ihre Mitarbeiter in Schulungen über die Vorteile des Monotasking auf: In manchen Situationen ist es sinnvoll, sich immer nur auf eine Aufgabe zu fokussieren, weil dann schneller und effizienter gearbeitet werden kann.

7. Erfolgreiche digitale Mitarbeiterführung

Das Führen in der digitalen Arbeitswelt bringt neue Herausforderungen mit sich. Falls Sie ein virtuelles Team leiten, machen Sie sich vielleicht Sorgen, dass Aufgaben nicht rechtzeitig erledigt werden. Stellen Sie ausreichend Zeit und Ressourcen zur Verfügung. Reagieren Sie bei Problemen verständnisvoll. Leben Sie immer das vor, was Sie sich von Ihren Mitarbeitern wünschen. Diese und weitere Strategien zum Führen in der digitalen Arbeitswelt haben wir hier gesammelt.

Klassische Methoden zur Stressreduzierung

Um Stress am Arbeitsplatz zu managen, können Sie auch auf altbewährte Hilfsmittel zurückgreifen:

  • Bewegung: Stress aktiviert den Körper und versetzt ihn in Alarmbereitschaft. Wandeln Sie diese Energie in körperliche Aktivität um. Regelmäßige Bewegung wie Schwimmen, Rad fahren oder ein Spaziergang an der frischen Luft helfen, Stresshormone abzubauen.
  • Planung und Priorisierung: Eine gute Planung ermöglicht ein stressfreies Arbeiten. Werfen Sie gleich morgens einen Blick auf ihre To-Do-Liste und überlegen Sie sich, welche Aufgaben am wichtigsten sind. Diese erledigen Sie zuerst. Und vergessen Sie nicht, zwischendurch auch mal Pausen zu machen.
  • Digitale Helfer: Um belastenden Situationen mit mehr Gelassenheit zu begegnen und eine innere Resilienz zu entwickeln, wird immer öfters auf Achtsamkeits-Apps gesetzt: Laut einer britischen Studie ist die Nachfrage nach einer solchen App während des Corona-Lockdowns um 2483% gestiegen. Welche Apps dafür geeignet sind, erklären wir hier. Doch Vorsicht: Diese digitalen Helferlein sind nicht für jeden geeignet und können auch für weiteren (digitalen) Stress sorgen.
  • Professionelle Trainings: Wenn die selbst umsetzbaren Methoden nicht ausreichen, können Tipps von Experten hilfreich sein. Bei professionellen Trainings lernen Sie zum Beispiel mehr über die Hintergründe und Ursachen von Stress, können Frustrationen und Sorgen mit einer außenstehenden Person teilen und wertvollen Input zur Stressbewältigung im Arbeitsalltag mitnehmen. Berlitz bietet entsprechende Seminare für Fach- sowie Führungskräfte an, bei denen unter anderem die Fähigkeiten für das Selbst- und Zeitmanagement, agiles Arbeiten, Resilienz oder Achtsamkeit trainiert werden.

Wir bringen Sie und Ihr Team voran!

Ob Soft-Skills, Management-Kompetenzen, eine neue Fremdsprache oder interkulturelle Fähigkeiten: Berlitz unterstützt Unternehmen und ihre Angestellten bei der beruflichen Weiterbildung mit vielfältigen Seminarthemen und Lernformaten.

Digitaler Stress – ein Symptom der digitalen Arbeitswelt

Die Welt wird immer digitaler – ein Prozess, der sich durch die Covid-Pandemie noch beschleunigt hat. Digitaler Stress greift immer weiter um sich. Ein verschlechterter Gesundheitszustand, Gereiztheit und Erschöpfungszustände sind mögliche Folgen. Mit den richtigen Strategien lässt sich Digitaler Stress jedoch entgegenwirken und reduzieren.

Führungskräfte sind hier besonders gefragt. Ein gezieltes Stressmanagement stellt die Arbeitszufriedenheit sicher. Dabei sollten Sie immer die individuellen Umstände Ihres Unternehmens in Betracht ziehen. Digitaler Stress ist ein komplexes Thema und geht mit einer Vielzahl von Faktoren einher. Mit den richtigen Strategien bleiben Sie und Ihr Unternehmen auf Dauer produktiv und wettbewerbsfähig.