E-Assessment: Online-Tools im Recruiting

Berlitz -

Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist für Personalabteilungen heutzutage eine besondere Herausforderung. Denn vor allem große Unternehmen erhalten oftmals so viele Bewerbungen auf eine ausgeschriebene Stelle, dass es kaum möglich ist, alle Kandidatinnen und Kandidaten zum persönlichen Gespräch einzuladen. Hier helfen E-Assessments bzw. Online-Assessments: Diese internetgestützten Werkzeuge testen bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten der Bewerber. Im folgenden Beitrag beleuchten wir, wie E-Assessments funktionieren, wofür sie verwendet werden – und wir sehen uns einige der Tools näher an, die Unternehmen zur Rekrutierung einsetzen.

Was sind E-Assessments und wie funktionieren sie?

E-Assessments sind Online-Tests, die vor allem große Konzerne im Recruiting-Prozess einsetzen, um unter den eingehenden Bewerbungen eine (Vor-)Auswahl zu treffen. Werden die Online-Assessments eingesetzt, um im ersten Schritt ungeeignete Bewerber auszufiltern, spricht man von einer Negativauswahl.

Beim Rekrutieren von Fach- und Führungskräften spielen neben den rein berufsrelevanten Kenntnissen und Fähigkeiten auch Persönlichkeitsmerkmale eine große Rolle. Einfachere Testverfahren beschränken sich darauf, die kognitive Leistungsfähigkeit zu testen, während aufwendigere E-Assessments auch berufsspezifisches Wissen, Allgemeinwissen oder Persönlichkeitsmerkmale ermitteln.

Anmeldung

Zunächst melden sich die Interessenten für das Bewerbungsverfahren an. Das Unternehmen verschickt daraufhin – in der Regel automatisiert – eine Einladung per E-Mail an die Kandidaten. Damit erhalten die Teilnehmer die Zugangsdaten zum E-Assessment.

Bearbeitungszeit

Innerhalb einer gewissen Frist – z. B. von einer Woche – durchlaufen die Bewerber den Test. Oftmals ist das Online-Assessment zeitlich begrenzt, sodass die Kandidaten das Verfahren ohne Pausen absolvieren müssen. Die meisten Bewerbungstests dauern etwa ein bis zwei Stunden. In seltenen Fällen gibt es vor dem eigentlichen Test einen kleinen Probe-Durchlauf, der den Teilnehmern die Funktionen des Tests verdeutlicht.

Auswertung

Am Ende erfolgt die Auswertung des E-Assessments nach festgelegten Kriterien, und die erfolgreichsten Kandidaten werden entweder zu einem weiteren Assessment-Center vor Ort oder gleich zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Welche Vorteile bieten E-Assessments?

Online-Bewerbungstests haben gegenüber traditionellen Bewerbungsverfahren („Pen & Paper“) einige Vorteile, und zwar für Unternehmen und Kandidaten gleichermaßen. Dies sind die wichtigsten in der Übersicht:

Vorteile für Unternehmen

  • Schnelle Vorauswahl: Auf Stellen in Unternehmen bewerben sich häufig sehr viele Kandidaten. Alle Bewerbungen einzeln zu prüfen, würde einen zu hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeuten. Online-Assessments vereinfachen den Auswahlprozess.
  • Qualitätssicherung: Online-Testverfahren stellen sicher, dass ungeeignete Bewerber frühzeitig identifiziert werden, indem sie bestimmte Mindeststandards setzen und überprüfen.
  • Vergleichbarkeit: Insbesondere bei Berufsanfängern bietet der Lebenslauf häufig keine ausreichende Grundlage, um eine qualifizierte Auswahl der Kandidaten zu treffen. Somit braucht es bei dieser Gruppe andere Kriterien, die eine objektive Vergleichbarkeit gewährleisten.
  • Niedrigere Absprungquote: Bei vor Ort durchgeführten Bewerbungstests sind die Absprungquoten in der Regel recht hoch: Bis zu 50 Prozent der Kandidaten ziehen ihre Bewerbung zurück oder erscheinen gar nicht zum Test. Online-Testverfahren reduzieren die Absprungquote auf etwa ein Viertel.
  • Kostenersparnis: Die Kandidaten müssen nicht zum Test anreisen. Dadurch sparen sich Arbeitgeber die Kosten für Reisen, Räumlichkeiten und Verpflegung. Außerdem müssen Unternehmen weniger Ressourcen aufwenden, die sonst für Terminkoordination, Organisation und Durchführung des Tests sowie Aufsicht und Begleitung vor Ort anfallen würden.

Vorteile für Bewerber

  • Weniger Stress: Da die Bewerber den Test zuhause am eigenen PC durchführen, stehen sie nicht unter Dauerbeobachtung, wie dies etwa bei einem Assessment-Center vor Ort der Fall wäre. Dadurch entschärfen Unternehmen die nervenaufreibende Bewerbungssituation.
  • Geringerer Aufwand: Auch für die Kandidaten reduziert sich der zeitliche und finanzielle Aufwand. So können sie bei ihrer Stellensuche unkompliziert an mehreren Verfahren teilnehmen und dadurch ihre Chancen auf einen Job erhöhen.
  • Größere Fairness: Eine Vorauswahl allein auf Grundlage der Noten wird den Talenten und Fähigkeiten der Kandidaten in der Regel nicht gerecht. Objektivierbare Testverfahren wie E-Assessments sorgen hier für größere Fairness – das nützt letztlich auch den Unternehmen selbst, da ihnen geeignete Kandidaten nicht wegen ungenügender Schulnoten entgehen.
  • Self-Assessment: Auf dem Arbeitsmarkt von heute stehen auch Unternehmen im Wettbewerb um qualifizierte Fach- und Führungskräfte. Die Kandidaten verfolgen daher nicht nur das Ziel, ausgewählt zu werden, sondern wollen auch herausfinden, ob ein Unternehmen ihre Ansprüche an den künftigen Arbeitgeber erfüllt. Self-Assessments, also Selbst-Tests, können bereits im Vorfeld klären, ob ein Unternehmen Interessen und Erwartungen mit hoher Wahrscheinlichkeit entspricht oder eher nicht.nd Begleitung vor Ort anfallen würden.

Welche Nachteile haben E-Assessments?

Neben den genannten Vorteilen bergen E-Assessments auch Defizite, über die sich Unternehmen vor deren Einsatz Klarheit verschaffen sollten. So ist es zwar richtig, dass Online-Assessments auf lange Sicht Zeit und Geld sparen, doch fallen für ein hochwertiges E-Assessment-Tool zunächst einmal hohe Investitionskosten an – fünfstellige Beträge sind hier keine Seltenheit. Das Bewerbungstool sollte flexibel anpassbar sein, um auf möglichst vielen verschiedenen Leveln testen zu können, bei Berufseinsteigern ebenso wie bei Young Professionals und Führungskräften. Das verursacht nicht nur Kosten, sondern erfordert auch hohen technischen Aufwand und das entsprechende Know-how.

So praktisch Online-Assessments für Unternehmen auch sein mögen: Absolute Zuverlässigkeit können sie nicht garantieren. So sind etwa Betrugsfälle nicht auszuschließen, wenn Kandidaten sich etwa von Dritten helfen lassen. Technische Probleme wie eine schlechte Internetverbindung können die Ergebnisse verfälschen oder einzelne Kandidaten benachteiligen. Zu bedenken sind daneben auch (juristische) Fragen des Datenschutzes, die mit der Speicherung und der Archivierung der Testergebnisse einhergehen. Außerdem ist offensichtlich, dass bestimmte Fähigkeiten, wie z. B. Kommunikationsstärke, bei E-Assessmentverfahren nicht oder nur in geringem Maße getestet werden können.

Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung

Dieses Testverfahren wurde an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt und ist vor allem für den Einsatz bei Fach- und Führungskräften konzipiert. Der Fragebogen erfasst systematisch 17 berufsbezogene Aspekte der Persönlichkeit. Dabei beschreiben die Kandidaten sich selbst und erhalten eine Fremdbeschreibung. Das sogenannte „Anforderungsmodul“ geht über die rein fachlichen Anforderungen hinaus und testet die „überfachlichen“ Qualifikationen eines Bewerbers. Das Tool BIP konzentriert sich insgesamt auf die berufsbezogenen Persönlichkeitseigenschaften von Bewerbern, die sich deutlich schwieriger ermitteln lassen als die berufspraktische Eignung.

Fazit: E-Assessments smart integrieren

E-Assessments bzw. Online-Assessments können an verschiedenen Stellen des Recruiting-Prozesses eingesetzt werden – entweder als erster Schritt zur Vorauswahl geeigneter Kandidaten, oder um in komplexeren Verfahren geeignete Fach- und Führungskräfte zu identifizieren. Das Test-Design kann variieren, das Spektrum reicht von einfachen Fragebögen bis hin zu aufwendigen, multimedial gestalteten Gamification- oder Recrutainment-Formaten. Insgesamt bieten E-Assessments sowohl für Unternehmen als auch für Bewerber zahlreiche Vorteile, allen voran Zeit- und Kostenersparnis, objektivierbare Ergebnisse und Qualitätssicherung. Diese müssen allerdings genau gegen die Nachteile abgewogen werden, um tatsächlich valide Ergebnisse zu erhalten. Fest steht: Online-Assessments sollten immer in Kombination mit anderen Verfahren eingesetzt werden. Dann aber können sie ihr großes Potenzial im Recruitingprozess voll ausspielen.

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