Die Generation Z in der Arbeitswelt: Wie Unternehmen die Mitarbeiter von morgen erreichen

Berlitz

Nach der Generation Y, den nach 1980 Geborenen, steht die nächste Gruppe in den Startlöchern: die Generation Z. Im Berufs- wie im Privatleben sind ihren Vertretern ganz andere Dinge wichtig als ihren Vorgängern. Unternehmen, die diese Generation für sich begeistern möchten, müssen verstehen, welche Bedürfnisse und Erwartungen junge Menschen haben – und welche Herausforderungen, vor allem aber welche Chancen sich daraus für sie ergeben.

Generation Z – wer dazu zählt, was sie auszeichnet

Eines vorweg: Es ist nicht eindeutig möglich, Werte und besondere Merkmale verschiedener Generationen klar voneinander abzugrenzen. Dennoch haben verschiedene Studien einige Charakteristika der Generation Z herausgearbeitet. Zu ihr zählen die ab 1995 Geborenen, die seit 2011 zunehmend auf den Arbeitsmarkt strömen.

Die Angehörigen der Generation Z sind in einer digital vernetzten Welt und ihren Möglichkeiten aufgewachsen. Kommunikation mit Gleichaltrigen findet weitgehend in sozialen Netzwerken statt, die ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. Das Smartphone ist das Symbol dieser Generation – und steht für allgegenwärtigen Zugang zu Wissen und Informationen, repräsentiert aber ebenso den schnellen (technologischen) Wandel. (Online-)Diskussionen, Austausch und Interaktion gehören ebenso natürlich zum Leben, was auch bedeutet: Dinge zu hinterfragen und zu vergleichen ist für die Generation Z normal.

In ihrer Erziehung wurden Angehörige der Generation Z oftmals in Entscheidungen einbezogen, sie sind selbstbewusst. Gleichzeitig sind sie in politisch unsicheren Verhältnissen aufgewachsen – Terrorismus, Klimawandel und Migration prägen die Debatten der Gegenwart. Daraus resultiert bei vielen Vertretern der Generation Z ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis – auch in finanzieller Hinsicht.

Die Generation Z auf dem Arbeitsmarkt: ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse

Obwohl die Generation der nach 1995 Geborenen aktuell nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Europa ausmacht, wird ihre Relevanz für den Arbeitsmarkt künftig zunehmen. Mit welchen Bedürfnissen kommt die Generation Z in der Arbeitswelt an, welche Erwartungen hat sie an Arbeitgeber?

Nach der Schulzeit hatten viele Vertreter der Generation Z zahlreiche Möglichkeiten, sich auszuprobieren – und haben sie genutzt: Längere Auslandsreisen und erste Berufserfahrungen gehören zur gemeinsamen Erfahrung vieler. Und immer mehr beginnen ein Studium. Im Jahr 2017 waren es in Deutschland mehr als eine halbe Million, zehn Jahre zuvor waren es 150.000 weniger. Mitunter wird diese Wahlfreiheit aber auch zur Qual: Wofür soll man sich als junger Mensch angesichts so zahlreicher Optionen entscheiden? Und welche Kriterien legt man einer Entscheidung zugrunde?

Aus dieser Unsicherheit resultiert ein zunehmendes Bedürfnis nach Stabilität in der Arbeitswelt. Dies hat eine aktuelle Befragung unter Studierenden ergeben. Die meisten Teilnehmer äußerten ihr Bedürfnis nach Beständigkeit und bevorzugen beispielsweise unbefristete Arbeitsverträge – im Gegensatz zur vorhergehenden Generation Y, denen Stabilität nicht in diesem Maße wichtig war.

An zweiter Stelle nannten die Befragten Work-Life-Balance, also ein hohes Maß an Ausgewogenheit zwischen Arbeits- und Berufsleben. Work-Life-Blending, die Vermischung der beiden Sphären, lehnen sie tendenziell ab. Sie wünschen sich eine klare Trennung mit festen Arbeitszeiten. Gleichzeitig erwarten sie flexible Arbeitsmodelle, wozu etwa Homeoffice und Desk Sharing gehören.

Eine Führungsposition ist nicht das oberste Karriereziel der Generation Z. Dieser Aspekt landete bei der Befragung nur an dritter Position. Viel wichtiger ist ihr, dass die Arbeit Sinn stiftet, möglichst großen Gestaltungsspielraum und ein gutes Arbeitsklima bietet. Die Höhe des Gehalts hat dementsprechend einen etwas geringeren Stellenwert, wobei ein attraktives Grundgehalt und ein höheres Einkommen in der Zukunft nach wie vor wichtige Aspekte sind.

Unabhängigkeit und persönliche Weiterentwicklung sind der Generation Z im Berufsleben sehr wichtig. Weiterbildungsangebote beispielsweise nimmt diese Zielgruppe gerne in Anspruch oder sorgt gleich in Eigenregie für Wissenszuwachs. Auch die Gründung von Start-ups ist für viele Angehörige (50 bis 72 Prozent) dieser Generation ein attraktives Ziel, wie eine Metastudie über die Generation Z zeigt.

Die hohe Technikaffinität der Generation Z findet sich in ihren Erwartungen an Arbeitgeber wieder: So gaben bei einer anderen Studie 86 Prozent der Befragten an, dass ihre Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber auch davon abhänge, welche Technologie dieser anbiete. Und satte 75 Prozent sagten, dass sie gerne mit der allerneuesten Technologie arbeiten würden.

Wie Unternehmen die Gen Z von sich überzeugen können

Um die Generation Z zu erreichen, sollten Unternehmen ihre Recruiting-Strategien, zunehmend aber auch ihre Unternehmenskultur, auf die Bedürfnisse dieser Gruppe einstellen. So ist es beispielsweise nicht damit getan, Stellenausschreibungen anders zu formulieren oder Aspekte wie Work-Life-Balance hervorzuheben. Mit folgenden Tipps verbessern Sie Ihre Ansprache der Zielgruppe Generation Z:

1. Recruiting via Social Media

Social-Media-Kanäle wie Facebook und insbesondere Instagram spielen eine immer wichtigere Rolle. Unternehmen sollten also dort auf sich aufmerksam machen, wo die potenziellen Kandidaten dieser Generation sich ohnehin aufhalten. Wichtig dabei: Die Bewerbung sollte so schnell und einfach wie möglich sein – das gilt nicht nur, aber vor allem für die jüngere Generation. Lange Formulare, Ausdrucke etc. haben da keinen Platz. Idealerweise funktioniert der Prozess per Smartphone – oder sogar kanalübergreifend zwischen Smartphone und Desktop-PC. Dabei sollte es idealerweise möglich sein, das Verfahren nach und nach zu durchlaufen, ohne jedes Mal alle Daten neu einzugeben.

2. Wenn Arbeitgeber zur Marke werden

Ein strategisches Employer Branding spielt für Unternehmen eine zunehmend große Rolle im Wettkampf um die besten Talente der Generation Z. Die Idee dahinter: Heute konkurrieren oftmals Unternehmen um geeignete Fachkräfte – nicht mehr umgekehrt. Wer eine attraktive, authentische Arbeitgebermarke aufbaut, hat gute Chancen, beim Recruiting nicht den Anschluss zu verlieren.

Elemente wie Gamification bzw. Recruitainment im Bewerbungsprozess können einen zusätzlichen Anreiz für Bewerber der Generation Z schaffen. Dabei ist das spielerische Element idealerweise kein Selbstzweck, sondern hilft den Unternehmen, passende Kandidaten mit den gesuchten Skills zu finden.

3. Talente gewinnen – und halten

Unternehmen sollten über den Bewerbungsprozess hinausdenken und sich fragen, wie sie die gewonnenen Talente im Unternehmen halten wollen. Vor dem Hintergrund des bereits erwähnten Sicherheitsbedürfnisses sind die Voraussetzungen dafür bei der Generation Z günstig.

Da die Selbstverwirklichung für die Genration Z eine große Rolle spielt (Motto: „Arbeitszeit ist Lebenszeit“), sind vielfältige Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten für sie sehr attraktiv. Denn: Ist die Generation Y vielleicht noch eher sprunghaft und eher geneigt, den Arbeitgeber öfter zu wechseln, wünscht sich die Generation Z mehr Konstanz. Nicht selten hat sie eine eher konservative Einstellung zur Arbeitswelt und zum Leben generell. Daher kann sie sich durchaus mit dem Gedanken anfreunden, ein Leben lang in einem Unternehmen tätig zu sein.

Davon können beide Seiten gleichermaßen profitieren: Die Mitarbeiter erfüllen ihren Wunsch nach Stabilität und persönlicher, sinnstiftender Entwicklung; und Unternehmen gelingt es, diese zur Loyalität neigenden Mitarbeiter langfristig an sich zu binden.

Rechtzeitig reagieren

Auch wenn momentan erst ein vergleichsweise geringer Teil der Angehörigen der Generation Z auf dem Arbeitsmarkt unterwegs ist: Schon bald werden es deutlich mehr werden. Unternehmen sollten sich daher nicht auf den Strategien ausruhen, die in der Vergangenheit funktioniert haben. Stattdessen sollten sie die demographische Entwicklung ernst nehmen und sich nachhaltig mit den Bedürfnissen der nachwachsenden Generation Z befassen. Ansonsten laufen sie Gefahr, diese Generation aus dem Blick zu verlieren – und haben beim Recruiting das Nachsehen.

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