Homeoffice: Warum sich mehr Flexibilität lohnen kann

Berlitz -

Morgens aufstehen, frühstücken und dann am heimischen Schreibtisch in den Arbeitstag starten: Für viele Arbeitnehmer ist das eine Traumvorstellung. Es entspricht ihrem Wunsch nach mehr Flexibilität, Ruhe und wenig Ablenkung. Auch Unternehmen profitieren davon, wenn Mitarbeiter – zumindest teilweise – von zuhause aus arbeiten. Doch die Heimarbeit kann auch Nachteile haben. Was dafür und was dagegenspricht, erläutern wir in folgendem Artikel.

Homeoffice vor allem für Schreibtischberufe

Das Arbeiten von zu Hause ist in vielen Branchen und in vielen Jobs heute kein Problem mehr: Zahlreiche Berufstätige verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch. Warum sollte dieser nicht einfach zu Hause stehen? Bei klassischen Schreibtischberufen lässt sich das Homeoffice, dank moderner Technologie, problemlos organisieren. Schließlich ist es nicht immer und zu jeder Zeit erforderlich am Arbeitsplatz präsent zu sein.

Wer etwa Kinder betreut oder sich um Angehörige kümmert, wird die größere Flexibilität der Heimarbeit zu schätzen wissen. Sie kommt auch denen entgegen, die gut und diszipliniert arbeiten können und sich nicht leicht ablenken lassen. Wer hingegen den regelmäßigen Austausch mit anderen braucht um gute Arbeit zu leisten, wird vermutlich eher aufs „klassische“ Büro setzen.

Homeoffice: Vorteile und Nachteile im Überblick

Es gibt gute Argumente für, aber auch gegen das Arbeiten von zu Hause. Wir haben die wichtigsten zusammengefasst:

Pro:

  • Mitarbeiter gewinnen und binden: Insbesondere jüngere Fachkräfte achten bei der Wahl ihres Arbeitgebers neben dem Gehalt auf flexible Arbeitszeitmodelle. Unternehmen, die damit auftrumpfen können, erhöhen ihre Chance, Talente zu gewinnen – und Mitarbeiter langfristig zu binden. Die Digital Natives der „Generation Y“ wünschen sich mehrheitlich, einige Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Die zweite Generation der Digital Natives – die sogenannte Generation Z – legt vor allem viel Wert auf eine klare Trennung zwischen Job und Privatleben – ein Firmenhandy oder eine extra SIM-Karte, damit berufliche Anrufe nicht nach Feierabend auf dem Handy eingehen, sind beispielsweise bei der Arbeit im Home Office gewünscht.
  • Eigener Rhythmus: Im heimischen Büro arbeiten Mitarbeiter dann, wenn sie am produktivsten sind – manche früh morgens, andere spät abends. Bieten Unternehmen flexible Arbeitszeiten, profitieren sie von der höheren Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter.
  • Arbeitsweg entfällt: Ein Fünftel der deutschen Arbeitnehmer ist 30 bis 60 Minuten zur Arbeit unterwegs – pro Strecke, jeden Tag. Das sind fünf bis zehn Stunden pro Woche, die Berufstätige in der Bahn oder im Auto verbringen. Da ist Frust programmiert. Den erspart sich, wer zumindest an einigen Tagen pro Woche vom Heimarbeitsplatz aus tätig ist – und Unternehmen haben zufriedenere Mitarbeiter.
  • Bessere Konzentration: Von zuhause aus zu arbeiten, kann konzentriertes Arbeiten erleichtern, da zeitraubende Meetings entfallen. Auch der Kollege, der ausführlich vom vergangenen Wochenende berichtet, lenkt nicht ab.
  • Bessere Work-Life-Balance: Wenn private Verabredungen auch mal nachmittags stattfinden können, verbessert das das Gleichgewicht zwischen Job und Privatleben. Mancher würde auch gerne morgens einen Sportkurs besuchen, um danach fit in den Arbeitstag zu starten. Sportlich aktive Menschen sind zufriedener, bleiben den Unternehmen länger erhalten und fallen seltener aus.

Kontra:

  • Fehlende Sichtbarkeit: Untersuchungen haben ergeben, dass fehlende Präsenz im Büro karriereschädlich sein kann: Vorgesetzte beurteilen die Leistungen von Heimarbeitern tendenziell schlechter, auch bei Gehaltserhöhungen schneiden Mitarbeiter im Homeoffice schlechter ab und werden seltener befördert. Das geschieht häufig gar nicht aus böser Absicht, sondern unbewusst.
  • Mehr unbezahlte Arbeit: Ein gängiges Vorurteil lautet, Heimarbeiter würden es sich zu Hause gemütlich machen. In der Regel ist das Gegenteil der Fall. Angestellte, die von zu Hause aus arbeiten, sammeln oft noch in der Freizeit Überstunden, die nicht immer genau notiert werden. Gut für Unternehmen – schlecht für die betroffenen Mitarbeiter.
  • Mehr Stress: Das Homeoffice kann den Arbeitstag flexibler machen. Es kann aber auch Stress bedeuten, wenn mitten in einer Konzentrationsphase der Handwerker klingelt, ein Kind Zuspruch braucht oder dringende Aufgaben im Haushalt anstehen.
  • Geringere Produktivität: Wie sich das Arbeiten von zuhause auf die Produktivität auswirkt, ist noch nicht genau erforscht. Mit Sicherheit ist es Typsache, ob eine Person in den eigenen vier Wänden kreativer und produktiver ist als mit Kollegen am Schreibtisch gegenüber.

Effizient von zuhause aus arbeiten? Mit diesen Tipps klappt’s!

Wenn sich Arbeitnehmer und Unternehmen auf Heimarbeit einlassen, profitieren sie nicht automatisch von den Vorteilen. Was es beim Homeoffice zu beachten gilt, erfahren Sie hier:

Manchen fällt es im Homeoffice schwer, zeitig aufzustehen und sich zur Arbeit zu motivieren. Warum nicht noch einmal im Bett umdrehen? Wenn längeres Ausschlafen dem eigenen Biorhythmus entspricht, ist das grundsätzlich kein Problem und kann im Gegenteil sogar Vorteile haben. Wer allerdings bemerkt, dass ihm das Probleme bereitet, sollte sich einen klaren Tagesplan machen und vielleicht ein wichtiges Telefonat gleich in den Vormittag legen. Feste Termine geben Struktur – und die ist besonders wichtig, wenn der äußere Rahmen des Büros mit festen Arbeitszeiten fehlt. Hilfreich können auch Verabredungen mit Kollegen zum gemeinsamen Mittagessen sein, wenn der Arbeitsplatz nicht zu weit entfernt ist.

Unser Tipp in Kürze: Klare Strukturen schaffen

    Zuhause lassen Ablenkungen nicht lange auf sich warten. Um nicht in die Prokrastinationsfalle zu tappen und am Ende kaum etwas zu schaffen, sollte ein Raum oder zumindest ein Platz der eigenen Wohnung ausschließlich für die Arbeit reserviert sein. Das verbessert nicht nur die Konzentration, sondern hilft auch, Arbeit und Privatleben zu trennen. Manche Heimarbeiter gehen sogar soweit, das Internet zeitweise auszuschalten, um sich ausschließlich mit der anstehenden Aufgabe zu befassen.

    Unser Tipp in Kürze: einen Platz für die Arbeit reservieren, Arbeit und Privates strikt trennen

      Prinzipiell empfiehlt es sich auch, am heimischen Arbeitsplatz eine gewisse Ordnung einzuhalten. Auch das kann zur nötigen Disziplin für die Arbeit beitragen. Machen hilft zum Beispiel ein kleines Morgenritual. Ob das in einer Tasse Tee oder Kaffee besteht oder ob der Schreibtisch zuerst aufgeräumt wird, ist nicht so wichtig. Das Ritual erfüllt vor allem den Zweck, den Arbeitstag zu beginnen.

      Zu bedenken ist allerdings, dass einige Menschen das sprichwörtliche kreative Chaos brauchen. Deren Schreibtisch sieht vielleicht wüst aus, hilft ihnen aber, um gute Einfälle zu entwickeln. Auch das geht im Homeoffice möglicherweise besser als in Unternehmen. Dort stören sich vielleicht die Schreibtischnachbarn am Chaos auf dem Arbeitsplatz des Kollegen.

      Unser Tipp in Kürze: Das richtige Maß zwischen Ordnung und Chaos finden

        Immer mehr Paare teilen sich die Kinderbetreuung. Häufig müssen und/oder wollen beide Partner weiterarbeiten. Zeigen sich Unternehmen flexibel und lassen ihre Angestellten von zuhause aus arbeiten, vereinfacht das die Organisation des Alltags erheblich. Das gilt übrigens auch, wenn Mitarbeiter die Pflege von Angehörigen zum Teil übernehmen. Hier lauert allerdings die Gefahr, beiden Welten – Job und Familienleben – nicht richtig gerecht zu werden. Das kann schnell zu Frust führen. Hier kommt es auf ein gutes Zeitmanagement an.

        Unser Tipp in Kürze: Sind beide Partner berufstätig, kann die Arbeit vom Home Office aus dank klarer Absprachen die Kinderbetreuung erheblich vereinfachen

          Wer überwiegend von zu Hause aus arbeitet, profitiert von der Flexibilität, kann Arbeitszeiten und -rhythmus weitgehend selbst bestimmen und sich auch tagsüber um Familie und Freunde kümmern. Mitunter droht jedoch der persönliche Kontakt zu den Kollegen verlorenzugehen. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen, denn gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen stärken Motivation und Zusammenhalt. Heimarbeiter sollten für regelmäßige Begegnungen sorgen. Das Arbeitsmeeting kann zum Beispiel ab und an im Café um die Ecke stattfinden.

          Unser Tipp in Kürze: Heimarbeiter sollten aktiv den persönlichen Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten pflegen

            Das Beste aus beiden Welten

            In der Diskussion um das Homeoffice stehen sich Befürworter und Gegner allzu oft unversöhnlich gegenüber. Das muss nicht sein. Schließlich lautet die Alternative in der Praxis nicht zwingend Büro ODER Arbeiten von zu Hause aus. Beide Varianten lassen sich problemlos miteinander kombinieren. Denn obwohl E-Mail, Chatprogramme & Co. die Anwesenheit im Unternehmen überflüssig machen – häufig ist es doch sinnvoll, sich persönlich auszutauschen. Wer nur zum Kollegen ins Büro nebenan gehen muss, um eine Frage zu klären, muss keinen Termin vereinbaren oder eine E-Mail schreiben. Das direkte Gespräch ist mitunter die schnellere Variante.

            Arbeitnehmer und Arbeitgeber können sich beispielsweise auf ein oder zwei Tage Homeoffice pro Woche oder pro Monat einigen. Dafür sollten sie klare Regeln festlegen: Können Mitarbeiter sich selbst aussuchen, wann sie wo arbeiten, oder soll es dafür feste Tage geben? Welche Tätigkeiten sind geeignet, welche eher nicht? Und finden regelmäßige Besprechungen statt, an denen jeder Mitarbeiter teilnehmen sollte? Vereinbart werden sollte auch, welche Aufgaben bis wann zu erledigen sind.

            Ein guter Kompromiss können auch Co-Working-Spaces sein. Dort lassen sich Arbeitsplätze stunden- oder tageweise mieten. Es kann durchaus befruchtend sein, sich dort mit Menschen auszutauschen, die in völlig anderen Branchen arbeiten.

            Global vernetzt

            Es kann sich für Angestellte und Unternehmen gleichermaßen lohnen, Vorbehalte gegen das Homeoffice abzubauen und die Variante auszuprobieren. Denn die technischen Möglichkeiten sorgen für ortsunabhängige Erreichbarkeit, auch gesellschaftliche Vorstellungen haben sich verändert – Stichwort Work-Life-Balance. Starre Arbeitszeitmodelle passen häufig nicht mehr richtig dazu. Arbeitnehmer sollten das Arbeiten von zuhause also durchaus in Erwägung ziehen.

            Für Unternehmen gilt es, sich im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter von anderen abzusetzen. Flexible Modelle wie das Homeoffice bieten hier gute Möglichkeiten – zumal der Wunsch danach in der Bevölkerung tendenziell wächst. Und Firmen bietet sich hier noch ein Vorteil: Sie sind nicht allein auf Fachkräfte aus der Region angewiesen, sondern können prinzipiell auf der ganzen Welt Menschen beschäftigen.

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