Ich will nach Hause! Diese Tipps helfen garantiert gegen Heimweh

Berlitz

Endlich, bald ist Ferienzeit! Gerade die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen warten schon sehnsüchtig auf die großen Sommerferien, um endlich mal abzuhängen und das machen zu können, was Spaß macht. Ob Kindergarten- oder Schulkind: die Vorfreude auf besondere Aktivitäten mit Familie und den besten Freunden ist groß. So manches kleine oder große Kind ist dann auch alleine auf Reisen, ob bei einer Übernachtung beim besten Freund, bei Oma und Opa oder im Ferienlager in einem anderen Ort oder sogar im Ausland.

„Ich will lieber doch nicht weg.“ Heimweh schon vor der Reise?

Doch manchmal mischt sich unter die Vorfreude auch ein kleines bisschen Sorge, das gewohnte Umfeld zu verlassen. Wenn ein Kind sich zurückzieht, schlecht schläft, Bauchschmerzen ohne ersichtlichen Grund hat und anhänglich ist, so können das erste Anzeichen für Heimweh sein.

Eine gute Reisevorbereitung hilft:

  • Lesen Sie gemeinsam die Informationen des Anbieters durch und schauen sich Fotos der Unterkunft und Umgebung an, das gibt etwas Sicherheit.
  • Sie hatten selbst schon Heimweh? Dann erzählen Sie Ihrem Kind, wie Sie damit umgegangen sind.
  • Gemeinsam alles einkaufen und zusammen eine Packliste erstellen – mit eingebunden sein in die Vorbereitungen hilft und steigert die Vorfreude.
  • Ihr Nachwuchs hat sicher viele Fragen, nehmen Sie sich Zeit, um diese zu beantworten.
  • Sie erinnern sich an Ihre erste Reise alleine, ohne Eltern? Dann erzählen Sie davon und vergessen Sie nicht, die positiven Dinge hervorzuheben. Das ermutigt Ihr Kind, es auch zu schaffen.
  • Wenn die erste größere Reise ansteht vielleicht auch vorher nochmal bei Freund/Freundin oder bei Oma/Opa nächtigen.

Sorgen-Schluck-Weg Paket für Mamas und Papas

Auch den Eltern fällt es manchmal schwer loszulassen. Das Kind gehen zu lassen bedeutet auch, ihm die Verantwortung zuzutrauen, auf eigenen Beinen stehen zu können. Freuen Sie sich gemeinsam auf die anstehende kleine oder große Reise. Je mehr Sicherheit ihr Kind verspürt, umso entspannter geht es auf Reisen.

Eigene Erfahrungen zu sammeln ist ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit, ein Schritt loszulassen. Auch Eltern müssen diese Erfahrung machen und „loslassen“. Und Sie dürfen sich über die kinderfreie Zeit auch freuen: Planen Sie etwas Schönes und nutzen Sie die Freizeit auch mal für sich selbst.

Ich bin dann mal weg! – Wann Kids so auf Reisen gehen:

  • 3-5 Jährige: Erste Übernachtung beim Freund
  • 6-9 Jährige: Erste kurze Klassenfahrt mit Schulfreunden
  • ab 10 -12 Jahre: Einwöchige Klassenfahrten, Sprachreise, Ferienlager im In- oder Ausland

Mein Zuhause zum mitnehmen: Notfall-Heimweh Kit für Kids und Teens

Selbst die größten Abenteurer haben manchmal noch ein kleines Notfall-Täschchen gegen Heimweh dabei. Was steckt da so drinnen? Hier ein paar Vorschläge:

  • Familienfotos, Lieblingskuscheltiere (auch für die Größeren noch ein Thema, muss ja nicht ausgepackt werden, aber im Koffer schlummernd und mal anfassen hilft manchmal schon über kleine Heimweh-Attacken hinweg), ein Kissen aus dem Wohnzimmer – vertraute Gegenstände wie diese können den Kindern auf Reisen helfen, wenn sie das Heimweh packt, und sind ein Talisman.
  • „Überlebensfutter“ darf gerne auch in die Reisetasche: eine Stange Smarties als Seelentröster gegen Heimweh oder eine andere Süßigkeit kann helfen und sorgt sicher für gute Laune und neuen Mut. Wer Lust hat, klebt noch einen lustigen Witz oder einen Mut-Spruch auf die Verpackung.
  • Stecken Sie noch ein Fläschchen Lavendel-Gute-Nacht-Spray in den Koffer, mit einem selbst gestalteten „Anti-Monster-Spray“-Aufkleber drauf. Das hilft ein wenig gegen dunkle Gedanken.
  • Vielleicht, vielleicht aber auch nicht: Auch ein ermutigender Brief, den das Kind öffnen darf, wenn es Sehnsucht nach Hause hat, ist eine tolle Idee. Aber Achtung: Diese Idee ist nicht für jedes Kind geeignet. Manchmal verstärkt ein liebevoll geschriebener Brief das Heimweh auch noch zusätzlich.
  • Ein paar Musik- oder Hörspiel-CDs im Gepäck helfen beim Ablenkungsmanöver.
  • Ein Reisetagebuch darf auch nicht fehlen. Hier kann der Nachwuchs seine Erlebnisse niederschreiben oder malen. Das hilft dabei, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Das Schreiben und Malen bringen wieder Ablenkung und schwuppdiwupp ist der Anflug von Heimweh auch schon wieder vergessen.

Jetzt geht’s los: Praktische Tipps gegen akutes Heimweh im Ferienlager

Trotz aller Vorbereitungen ist kein Kind und Jugendlicher gegen kleine und große Heimweh-Attacken gefeit. Im schlimmsten Fall führt Heimweh im Ferienlager dazu, dass man traurig umherirrt und keine große Freude mehr an den gemeinsamen Ferienaktivitäten verspürt. Da zählt die Gemeinschaft vor Ort. Jetzt kommt es drauf an: Durchhalten oder abbrechen. Entweder schaffen es die mitreisenden Kinder und Betreuer, das heimwehgeplagte Kind durch ein gemeinsames Spiel auf andere Gedanken zu bringen oder nicht. Nimmt die Sehnsucht Überhand und ein Anruf daheim ist unvermeidlich, dann hilft das:

  • Sie haben ein weinendes Kind am Telefon? Hören Sie aufmerksam zu, versuchen Sie, ihren Nachwuchs zu beruhigen und das Gespräch auf die positiven Seiten der Reise lenken: Was wurde Tolles erlebt? Wen hat das Kind kennengelernt? Was ist noch geplant?
  • Innerlich verspüren Sie vielleicht eine gewisse Panik und Sorge, doch behalten Sie die Ruhe und bleiben Sie immer positiv in Ihren Formulierungen.
  • Erinnern Sie ihr Kind an das Heimweh-Notfall-Kit oder geben Sie ihm eine kleine Aufgabe, wie das Schreiben einer Postkarte, die es entweder sofort abschickt oder nach der Rückkehr nach Hause den Eltern übergibt.
  • Holen Sie sich die Stimme der Betreuer ein: Nach dem Gespräch mit Ihrem Kind fragen Sie die verantwortliche Betreuerin oder den verantwortlichen Betreuer, ob das Heimweh-Gefühl schon lange anhält oder erst vor Kurzem entstanden ist. Dann bekommen Sie nochmal einen objektiven Blick auf die Situation.

Die Rolle der Betreuer und Freunde vor Ort

Alleine auf Reisen bedeutet, unbekanntes Terrain zu entdecken, auf sich alleine gestellt zu sein, neue Freunde zu finden und mit fremden Bezugspersonen in Kontakt zu treten. In einem Ferienlager oder auf einer Sprachreise sind die ersten Ansprechpartner für die Kids die Betreuer. Um das Risiko für Heimweh bei Kindern zu senken, hilft es manchmal schon, dass die Eltern das Betreuerteam von Anfang an mit einbeziehen und beispielsweise darauf hinweisen, dass das eigene Kind schnell Sehnsucht nach Hause bekommt. So kann bei kleinen Heimweh-Anflügen schnell geholfen werden.

Als Profis in Sachen Heimweh haben die Betreuer viele praktische Tipps parat, können bei Unsicherheiten helfen und bei Angst Sicherheit geben – sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern. „Grund zur Sorge gibt es nie, wir sind schließlich im Umgang mit Kindern sehr erfahren und unsere Teams vor Ort kümmern sich extrem gut um alle jungen Teilnehmer“, erläutert etwa Christina Schroeder, Kids Camp Direktorin Norddeutschland im Interview. Und wer sich zum ersten Mal traut auf eine größere Reise zu gehen, nimmt vielleicht einfach eine gute Freundin oder einen guten Freund mit ins Ferienlager. Zusammen ist man ja bekanntlich weniger alleine und fühlt sich für die erste Reise in unbekannter Umgebung gleich sicherer.

Der Ernstfall tritt ein: Hilfe, ich will heim

Das Kind von der Klassenfahrt oder vom Feriencamp abzuholen, sollte nur im äußersten Notfall die Lösung sein. Falls das Abholen unvermeidlich ist, sollten Eltern nicht enttäuscht sein, sondern das Positive sehen. Seien Sie stolz auf Ihr Kind, dass es sich zu dieser Reise entschlossen hat und eine Zeit dabei war. Vorwürfe sind jetzt fehl am Platz. Nehmen Sie Ihr Kind einfach in den Arm und sprechen Sie über das Erlebte. Schnell finden Sie heraus, dass es doch einige schöne Momente gegeben hat, die in Erinnerung geblieben sind.

Heimweh ist etwas völlig Normales. Selbst richtige Abenteurer, die gern allein verreisen, können immer mal wieder von der Sehnsucht nach Hause gepackt werden. Heimweh macht auch vor uns Erwachsenen nicht halt.

Deshalb: Nach dem Hinfallen wieder aufstehen, Krönchen richten und weiter geht es. Ein neues Abenteuer wartet schon. Es war eine erste Erfahrung, die der Nachwuchs gemacht hat und aus der das Kind lernen kann. Beim nächsten Mal klappt es sicher besser. Dazu sollten Mama und Papa ermutigen.

Und damit auch das Aufräumen mit den Kleinen zu einem spielerischen Abenteuer wird, gibt es in unserem Beitrag „Kinderzimmer aufräumen leichtgemacht“ viele praktische Tipps für mehr Ordnung.

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