Indigene Sprachen: Reich an Kultur und vom Aussterben bedroht

Berlitz -

1,9 Milliarden – so viele Menschen sprechen weltweit Chinesisch, Spanisch oder Englisch als Muttersprache. Abseits dieser Weltsprachen unterhalten sich die anderen rund 5,7 Milliarden Menschen mit weniger verbreiteten Sprachen. Doch gerade jene, die von indigenen Völkern gesprochen werden, sind durch die kulturelle Globalisierung zunehmend vom Sprachtod bedroht. Wir stellen einige der interessantesten von ihnen vor.

Die Sprachen der Welt in Zahlen

Rund 6.500 anerkannte Sprachen werden weltweit gesprochen. Ihre Verteilung ist jedoch sehr unterschiedlich. Die “Weltsprache” Englisch wird beispielsweise nur von 5% aller Menschen gesprochen. Und während in China 1 Milliarde Mandarin-Muttersprachler zusammenleben, existieren in Papua Neuguinea über 800 verschiedene Sprachen, die von nur 3,9 Millionen Einwohnern beherrscht werden. Diese einzigartige Vielfalt bleibt uns hoffentlich noch lange erhalten. Denn immerhin 3.000 aller Sprachen der Welt sind gefährdet oder bereits vom Aussterben bedroht - viele davon übrigens auch in Deutschland und Europa, wie wir in diesem Artikel beschreiben.

Gefährdete Sprachen in Asien

Sanskrit: 

Sie ist eine der 22 Amtssprachen in Indien. Einst die wichtigste Sprache des Landes – heute hat Hindi diesen Titel inne – existieren heute noch ca. 25.000 Muttersprachler. Allerdings sind alle religiösen Texte des Hinduismus in Sanskrit verfasst. Deshalb besetzt das auch als heilige Sprache bezeichnete Alt-Indische weiterhin eine wichtige Funktion.

Ainu:

Sie stammt von den Ureinwohnern der japanischen Insel Hokkaido, die vor etwa 16.000 v. Chr. vom russischen Festland übersiedelten. Die alte Sprache wird heute nur noch von etwa zehn Muttersprachlern gesprochen, auch ein Resultat aus jahrzehntelanger Diskriminierung der Minderheit im restlichen Japan. Mittlerweile gibt es junge Revitalisierungs-Bestrebungen. Ainu ist eine isolierte Sprache, die keine Verwandtschaft zu einer anderen, lebenden Sprache aufweist.


    Gefährdete Sprachen in Nord- und Südamerika

    Hawaiianisch: 

    Die Sprache der Ureinwohner Hawaiis gehört eigentlich zu den Ozeanischen Sprachen. Die ursprünglich schriftlose Sprache besteht heute aus einem Alphabet aus nur zwölf Buchstaben. Heute wurde die indigene Sprache im Alltag fast vollständig vom Englischen verdrängt. Nur noch etwa 1.000 Muttersprachler leben auf den Inseln. Dieses Hawaiianische Lied wird auf vielen Insel-Hochzeiten gespielt und wurde von Elvis in englischer Version gecovert: 


    Sprachen der amerikanischen Ureinwohner:

    Allein auf dem Gebiet der USA zählen Experten etwa 192 indigene Sprachen. Viele der alten Sprachen wurden jedoch nie verschriftlicht und der oftmals zerstörerische Einfluss der europäischen Siedler tat sein übriges. Neben den vielen gefährdeten gibt es mit Quechua, Aymara oder Guarani jedoch auch Sprachen der südamerikanischen Ureinwohner, die von einigen Millionen Sprechern aktiv gesprochen werden.

      Gefährdete Sprachen in Australien und Ozeanien

      Sprachen der Aborigines:

      Nur noch etwa 120 der ursprünglich über 250 eigenständigen, indigenen Sprachen der australischen Ureinwohner sind heute noch im Gebrauch. Jedoch gelten bis auf rund ein Dutzend alle als stark gefährdet. Viele Aborigines sprechen mittlerweile Englisch, etwa 50.000 Menschen die alten Sprachen.

      Maori:

      Obwohl rund 96% der Menschen in Neuseeland Englisch sprechen, ist Maori die eigentliche Amtssprache der Insel. Sie gehört zur polynesischen Sprachfamilie, wird allerdings nur noch von etwa 60.000 Sprechern im Alltag genutzt. Rettungsversuche schufen etwa 20.000 neue Wörter, um die alte Sprache für die heutige Zeit nutzbar zu machen. Mehr zu Leben und Kultur der Maori im Video: 

        Gefährdete Sprachen in Afrika

        Khoisansprachen: 

        Diese Sprache aus dem südlichen Teil Afrikas, vorrangig in Südafrika, Namibia, Angola und Botswana, zeichnen sich durch eine reiche Zahl an Klick- und Schnalzlauten aus (Hörbeispiel). Den Rekord hält dabei das ǃXóõ, das noch von etwa 4.000 Menschen in Botswana gesprochen wird und auf 159 Phoneme kommt inklusive 83 speziellen Klicklauten. In Simbabwe gehört Khoisan zur offiziellen Amtssprache.

        Für bedrohte Sprachen muss man jedoch nicht weit reisen: Auch in Deutschland und Europa sind viele Sprachen und regionale Dialekte gefährdet. Ein paar der wichtigsten Beispiele haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

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