Interview mit Christina Hotzel, Deutschtrainerin bei Berlitz in Berlin Charlottenburg

Berlitz -

"Ein wesentlicher Faktor in einem erfolgreichen Kurs ist der gegenseitige Respekt, das Vertrauen und natürlich viel Spaß!"

Pädagogikerfahrung sammelte Christina Hotzel nicht nur durch ihr Englisch- und Sportstudium auf Lehramt, sondern auch durch einige Studentenjobs, wie die Begleitung verschiedener Kinder- und Jugendfahrten oder das Unterrichten von Tanz.

Ihre berufliche Laufbahn begann allerdings nicht im direkten Schülerkontakt: Stattdessen folgten eine Musical-Ausbildung, ein Hotelfachabschluss, die Führung eines Schlosshotels in Polen und eine Position als Verkaufsleiterin im Konzernverkauf bei Dorint Hotels. Durch ein Business Event von Berlitz wurde Frau Hotzel vom empathischen Trainer schließlich dazu inspiriert, ihre Karriere ab Mai 2003 bei Berlitz fortzusetzen. Nach einiger Zeit als Corporate Sales Manager sowie als Unit Corporate Consultant beschloss die Berlinerin, zu ihren pädagogischen Wurzeln zurückzukehren und als Deutschtrainerin die Lernprozesse ihrer Kunden „an der Front“ bestmöglich zu unterstützen und zu lenken. Ein Glück für Berlitz!

Inzwischen besitzt Frau Hotzel die notwendige Zusatzqualifikation für Integrationskurse und hilft ihren Kunden täglich dabei, sich besser in Deutschland zurechtzufinden und zu verständigen.

Frau Hotzel, kommen Sie ursprünglich aus Berlin oder sind Sie zugezogen?

Ich komme ursprünglich aus Berlin und bin auch immer wieder aus verschiedenen Gründen, wie Liebe und Leben, hierher zurückgekehrt. Wenn ich das erzähle, folgt meistens ein staunendes „Ah, wirklich?“

Und wo kommen Ihre Kursteilnehmer normalerweise her? Ist ein Land oder eine Region besonders stark vertreten oder ist es bunt gemischt?

Zurzeit haben wir viele Kunden aus Syrien, danach folgen Russland, die Ukraine, Afghanistan und Polen. Seit kurzem haben wir zusätzlich in fast jedem Kurs mindestens einen Teilnehmer aus Italien!

Was führt die Teilnehmer zu uns? Aus welchem Grund möchten sie Deutsch lernen?

Es sind oft die gleichen Wünsche: Sie sind auf Jobsuche, wünschen sich Integration in die Gesellschaft oder eine bessere Integration in den Beruf. Oft wollen meine Kursteilnehmer auch einfach das Leben hier in Deutschland besser meistern.

Manchmal unterrichte ich auch Studenten oder, allerdings eher selten, Geschäftsfrauen und -männer mit internationalen Beziehungen. Ein Grund ist allerdings immer vorhanden: Sie brauchen die Sprache unbedingt.

Haben viele Schüler Vorkenntnisse oder unterrichten Sie häufiger komplette Anfänger?

Die meisten meiner Schüler haben bereits Vorkenntnisse und sprechen Deutsch mindestens auf A2 Niveau.

Wie sieht die erste Unterrichtsstunde in Deutsch Level 1 bei Berlitz aus? Was wird thematisch behandelt und was können die Kursteilnehmer am Ende sagen?

Wir starten natürlich in der ersten Deutschstunde mit den einfachen Dingen, die unsere Teilnehmer direkt 1:1 umsetzen können. Ganz klassisch: Guten Tag, Mein Name ist, Ich komme aus…

Wann stellen sich die ersten Erfolge ein? Ab wann kann ein Gespräch geführt werden?

Erfolge stellen sich sehr schnell ein, da nach der ersten Stunde schon gesagt werden kann, wer die Teilnehmer sind und woher sie kommen. Die größten spürbaren Erfolge haben Lernende auf den Leveln A1 bis B1, danach ist der Lernerfolg nicht mehr ganz so deutlich – und hier ist der Lehrer gefragt, der den Fortschritt hervorheben kann.

Wenn meine Teilnehmer Phasen durchlaufen, die sie frustrieren, gebe ich ihnen gerne etwas aus den ersten Stunden auf und zeige ihnen daran, wie weit sie bereits vorangekommen sind. Wichtig ist, dass die Kunden ab der ersten Stunde üben und lernen, was Sie direkt im Leben anwenden können. Natürlich gibt es da je nach Vorkenntnissen und persönlichem Hintergrund leichte Abweichungen.

Was fällt Teilnehmern in Ihren Deutschkursen oft besonders schwer?

Je nach Muttersprache haben Teilnehmer verschiedene Herausforderungen. Für Spanisch sprechende Kunden sind beispielsweise die Präpositionen extrem schwer. Ein Dialog sieht dann schnell so aus:

„Heißt es jetzt 'Angst vor' oder 'Angst auf' “?
„Ja, richtig, es heißt 'Angst vor' “
„Ach ja … Und dann gibt es ja auch noch 'Angst um'! Hat man jetzt 'Angst vor' oder 'Angst um' seine Tochter – oder beides?!“

Haben wir das gemeistert, dann sind da auch noch die Verben mit ihren Vorsilben und diese haben dann auch noch unterschiedliche Bedeutungen. Ein Beispiel ist da ‘ziehen‘: Es gibt einziehen, ausziehen, umziehen, erziehen – oje, das ist wirklich kompliziert für Deutschlerner! Und dann stellen Sie sich einmal vor, Sie wollen einen ganz einfachen Satz sagen wie „Letzte Woche habe ich viel erlebt“. Hier muss viel nachgedacht werden:

„Letze Woche … Muss es 'haben' oder 'sein' heißen? Ah ja, 'haben' … Oje noch eine Endung! Ist es 'habe', 'hat' oder 'haben'? Ach und jetzt noch das Partizip II ….Welche Endung hat ‘erleben‘ gleich? Muss es 'erleben' heißen, wie 'gelaufen', oder 'erlebt', wie 'gekauft'?“

Allgemein gilt: Die Sprache in kleinen Portionen lernen und anwenden ist am hilfreichsten. 

Wenn ein Teil des Unterrichts richtig sitzt, dann benutze ich ihn in einer realen Situation, um die Kenntnisse zu festigen. Wenn sich unterhalten wird, dann sind die Fehler nicht so wichtig, sondern es geht um das Sprechen und einfach nur darum, den Redefluss zu verbessern.

Wenn die Teilnehmer schon weiter sind und eine B2 Prüfung vor der Tür steht, dann kommen Modalpartikel ins Spiel. Keine Sorge, das sind keine Außerirdischen, sondern kleine, fiese Chamäleons in der deutschen Sprache. Ich bin mir sicher, dass viele deutsche Muttersprachler diesen Begriff noch nie gehört haben und die bedeutungswandelnden Wörter täglich mit großer Freude benutzen. Ein Tier dieser Gattung ist das Wort ‘bloß‘. „Mach das bloß nicht!“ heißt so viel wie „Achtung!“ oder „Mach das auf keinen Fall!“. „Das ist doch bloß ein kleiner Schnitt“ hingegen bedeutet „nur“ oder „Das ist nicht so schlimm“. Und „Wenn doch bloß schon Wochenende wäre“ beziehungsweise „Wenn doch bloß die deutsche Grammatik nicht so schwer wäre!“ ist ein Wunschsatz, der den Wunsch deutlich macht und verstärkt.

Aber keine Angst, wir lernen zwar immer mit dem nötigen Ernst, aber auch mit dem unbedingt notwendigen Humor!

Selbstverständlich ist die Aussprache auch für viele arabische Muttersprachler ein schwieriges Thema, ebenso wie das Lesen und Schreiben. Hingegen sind für polnische Muttersprachler der Konjunktiv II und das Passiv oft kein Zuckerschlecken … Aber wie schön ist es dann, wenn der Groschen fällt und dieser Moment höchsten Glücks eintritt! Dieser Moment ist immer erkennbar im Gesicht jeden Schülers und ein Geschenk für Schüler und Lehrer gleichermaßen.

Berlitz Sprachschule Berlin Charlottenburg

Die deutsche Grammatik ist sehr kompliziert. Wie können Anfänger trotzdem mit der Berlitz Methode Deutsch lernen? Gibt es von Anfang an Grammatik-Einheiten oder kommt das später? Gibt es spezielle Grammatikstunden?

Wie Sie ja bei Ihrer letzten Frage sehen, werden gewisse Strukturen benötigt, um das Ziel zu erreichen. Grammatik wird jedoch nicht isoliert als reiner Selbstzweck gelernt, sondern eher als Werkzeug betrachtet. Grammatik wird also als Mittel zum Zweck innerhalb unseres handlungsorientierten Unterrichts und Lernens verstanden. Wir legen den Schwerpunkt eher darauf, wie Grammatikstrukturen benutzt werden. Eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben wir dabei sicher nicht!

Strukturen müssen klar mit einfachen Beispielen verdeutlicht und direkt mit möglichst vielen Sinnen verinnerlicht werden. Das kommunikative Ziel wird dabei stets im Blick behalten.

Lustigerweise wünschen sich die Lernenden oft Grammatikstunden! Aber ich verstehe meine Aufgabe als Lehrerin darin, dass ich meinen lieben Schülern zeigen muss, wieviel Grammatik wirklich nötig ist, um ihr kommunikatives Ziel zu erreichen. Denn denken Sie an Ihre eigene Erfahrungen im Urlaub oder in einem fremden Land – in einem Café oder Restaurant kommt kaum ein Gespräch wegen fehlender Grammatik zum Erliegen. Wenn jedoch der Wortschatz fehlt, dann kann es schwer werden!

Zu welchen Hilfsmitteln würden Sie Anfängern raten, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern? Z.B. spezielle Fernsehprogramme, Zeitschriften, Bücher?

Da gibt es einiges, aber ich möchte gerne anmerken, dass ich diese Hilfsmittel nur im Rahmen eines Sprachkurses als Unterstützung empfehle und nicht als alleinige Lernquelle!

Allgemein eignen sich zum Sprachenlernen besonders Filme oder Dokumentationen. Noch besser sind sogar Serien, da Sie dann den Kontext, die Personen und die Situation kennen und sich nicht so lange konzentrieren müssen. Und am Ende können Sie sich direkt auf die nächste Folge freuen!

In vielen Bibliotheken sind Hörübungen oder Bücher vorhanden, bei denen die entsprechenden Level und Vorkenntnisse vermerkt sind. Darin finden sich oft kleine Übungen zum Verständnis, die einfach zwischendurch erledigt werden können.

Auch gibt es ein Magazin namens „Deutsch Perfekt“, in dem nicht nur interessante und aktuelle Berichte unterschiedlichster Themenbereiche zu finden sind, sondern auch Grammatik- und Wortschatzhilfen.

Und ich kann die App „Deutsche Welle“ empfehlen. Da liegt der Schwerpunkt auf aktuellen Nachrichten aus aller Welt, die mit vereinfachter Sprache vorgetragen werden. „Deutsche Welle“ eignet sich auch sehr gut als ergänzender Online-Sprachkurs! Vor allem für den Bereich Hörverstehen ist das hilfreich, da dieser Bereich eine der größten Herausforderung darstellt. Darüber hinaus kann mit der „Deutschen Welle“ sehr gut alleine gelernt werden.

Einige kostenlose Plattformen gibt es ebenfalls, wie beispielsweise www.mein-deutschbuch.de

Ah, und natürlich die beste Lernaktivität: Setzten Sie sich im Sommer in ein Straßencafé oder gehen Sie in ein Geschäft und lassen Sie sich beraten – ohne dass sie eigentlich etwas kaufen wollen. Einfach nur, um Ihren Wortschatz „live“ zu testen!

Wie gut kommen die Zugezogenen mit der deutschen Kultur aus? Müssen Sie oft Situationen erklären, die den Schülern im Alltag passiert sind?

Auch hier kommt es natürlich auf die Situation der Teilnehmer und deren Rahmenbedingungen an, aber natürlich geht es nicht nur um die deutsche Sprache.

Es fängt bei Kleinigkeiten an und geht oft runter in die tiefliegenden Schichten der Werte. Hier geht es um Reflektion der eigenen und der deutschen Kultur – neben „Ellbogen, Ellbogen, sei doch nicht so ungezogen“ und „In Deutschland wird nicht auf die Straße gespuckt“ sind oft Begrifflichkeiten wie Toleranz, Respekt und Meinungsfreiheit ein Thema.

Aber wir besprechen auch häufig ganz andere Dinge! Beispielsweise thematisieren wir, wie ein Formular ausgefüllt wird, wer Unterstützung bietet, wenn das eigene Kind Probleme in der Schule hat oder was jetzt dieses Beamtendeutsch in dem Brief vom Wohnungsamt bedeutet.

Gibt es eine Anekdote aus Ihrer Zeit bei Berlitz?

Ein hohes Maß an Vertrauen in den Lehrer ist eine Grundvoraussetzung für das Erlernen einer Sprache, da Sprache etwas sehr Persönliches darstellt. Ich bin dankbar für dieses Vertrauen und hoffe, mit dem keinen Plausch aus dem Nähkästchen kein Vertrauensmissbrauch zu begehen. Generell gilt natürlich, dass der Teilnehmer und die Gruppe selbst bestimmen, wie viel Preis gegeben werden kann und was geteilt werden darf. Denn unsere Devise lautet: Was im Klassenraum gesagt wird, soll auch im Klassenraum bleiben.

Zum Abschluss vielleicht eine ganz kleine, aber schöne Anekdote zum Thema „Wiederholung des Wortschatzes am nächsten Tag“:

Lehrerin: „Ich bin krank, ich muss leider zu Hause bleiben.“
Schüler antwortet: „Gute Besserung!“

Lehrerin: „Hatschi!“
Schüler antwortet: „Guten Appetit!“

Es ist sehr offensichtlich, dass das Unterrichten Ihre Leidenschaft ist. Wie erhalten sie diese aufrecht? Und worauf legen Sie in Ihren Kursen besonderen Wert?

Ein ganz wesentlicher Faktor in einem erfolgreichen Kurs ist der gegenseitige Respekt, das Vertrauen und natürlich viel Spaß! Und dazu gehört, dass sehr feinfühlig mit Fehlern umgegangen wird. Wenn doch einmal gelacht wird, muss sichergestellt werden, dass KEINER das Gefühl hat, dass über ihn oder sie gelacht wird.

In meinen Kursen wird trotzdem immer viel gelacht, sowohl miteinander als auch über mich. Und das nicht nur, weil wissenschaftlich erwiesen ist, dass ein Wort, welches affektiv gelernt wird, besser in Erinnerung bleibt. Affektiv bedeutet hier einfach nur, dass das Gelernte mit Gefühlen behaftet ist. Auch meine Lebenseinstellung trägt genauso zu der guten Atmosphäre in den Kursen bei wie die fantastischen Teilnehmer mit viel Lebenserfahrung, Wissen, Humor, verschiedenen Anekdoten und unterschiedlichen Gewürzen. Genau deshalb bereitet mir das Unterrichten auch so viel Freude: Im Großen und Ganzen ist so ein Deutschkurs also ein brodelnder Topf aus zauberhaften Erzählungen, heißen Diskussionen, packenden Lebensgeschichten und einfachen Dingen aus dem alltäglichen Leben, die uns beschäftigen, uns das Leben lebenswert machen oder unseren Alltag erschweren, die uns herausfordern und die es zu beschreiben und zu benennen gilt.

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