Kreatives Schreiben lernen: Mit diesen Tipps fließen die Ideen

Berlitz -

Ob für die Selbstreflexion, Blog-Projekte oder den Traumberuf Schriftsteller, kreatives Schreiben ist ein hilfreiches Werkzeug in vielen Lebensphasen. Weil aller Anfang oft schwer ist, zeigen wir, wie der Schreibprozess aussehen kann und wie sie kreatives Schreiben lernen.

Was ist kreatives Schreiben?

Der Begriff wird vorrangig für das Verfassen von literarischen Texten verwendet. Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Arbeiten steht dabei der fiktionale Charakter im Vordergrund. Während das “creative writing” als Begriff und Studienfach in den USA schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Verbreitung fand, hat es sich in Deutschland erst in den 1970er-Jahren durchgesetzt. Im Grunde sind damit verschiedene Methoden und Techniken gemeint, mit denen die persönliche Inspiration gefördert und später aufs Papier gebracht werden soll. Auch bei Schreibblockaden können diese Übungen helfen, um wieder zurück zum Schreiben zu kommen.

Einfach loslegen: So kommen Sie in den Schreibflow

Kreatives Schreiben ist Praxis statt Theorie. Um die eigene Kreativität anzuzapfen, bedarf es daher täglicher Übung und ein wenig Mut, sich aus der persönlichen Komfortzone zu bewegen. Dafür gibt es zahlreiche Techniken, um den Schreibprozess in Gang zu bringen. Einige der bekanntesten sind:

  • Automatisches Schreiben: In einem vorher definierten Zeitrahmen von fünf oder zehn Minuten einfach drauf los schreiben. Dabei sind keine Korrekturen oder Satzzeichen nötig, es kommt nur auf den Fluss der Worte an.
  • Morgenseiten: Diese Übung funktioniert genau wie das automatische Schreiben, die Seite sollte jedoch gleich nach dem Aufwachen vollgeschrieben werden. Wenn der Körper noch im Halbschlaf ist, kann das eine spannende Quelle für kreative Gedanken sein.
  • 5 Wörter, 1 Geschichte: Die Verknüpfung von scheinbar wahllosen Begriffen zu einer zusammenhängenden Kurzgeschichte trainiert die Fantasie.
  • Fremdwörter definieren: Ein noch nie gehörtes oder gar sinnloses Wort kann das Kopfkino ganz schön ankurbeln. Hier können Sie die Gedanken ungestört kreisen lassen.
  • Was würde Pippi Langstrumpf jetzt tun?: Ein kleines Gedankenexperiment, um sich von der eigenen Weltsicht zu verabschieden und die Perspektive des stärksten Mädchens der Welt einzunehmen. Das macht nicht nur Kindern unglaublich Spaß und fördert nebenbei die Fähigkeit, sich in andere Figuren hineinzuversetzen.

Diese und weitere Kreativitätstechniken helfen übrigens auch im Joballtag. Wichtig: Bei allen Übungen sollte der Spaß gerade am Anfang nie zu kurz kommen. Wer mit zu hohen Ansprüchen oder Angst vor dem Ergebnis am Schreibtisch sitzt, wird voraussichtlich nicht den gewünschten Erfolg haben und sich früher oder später in einer Schreibblockade wiederfinden. Regelmäßige Pausen im Freien, Kontakt mit anderen Menschen und sich selbst nicht allzu ernst nehmen, gehören zu den wichtigsten Tipps, um die Blockierung wieder zu lösen.

Ideenfindung für das Herzensprojekt

Die Inspiration lauert überall. Wer ein Thema sucht, um darüber ein Buch zu schreiben, sollte daher besonders aufmerksam sein: Andere Texte zu lesen steht dabei an erster Stelle, besonders in dem Format, das man selbst später angehen möchte, egal ob Kurzgeschichte oder Gedicht. Auch Zeitungsartikel oder Reportagen erweitern den Horizont. Persönliche Gespräche, ob mit Freunden oder Fremden, bringen uns ebenfalls dazu, uns von der eigenen Gedankenwelt ein Stück weit zu entfernen und neue Sichtweisen zuzulassen.

Wenn die Ideen fließen, sollte man sie am besten zeitnah aufschreiben. Der berühmte Komponist Antonio Vivaldi soll während seiner Zeit als Priester übrigens mehrfach einfach aus dem Gottesdienst gelaufen sein, um eine ihm plötzlich in den Sinn gekommene Melodie zu notieren.

Welches Format ist das richtige?

Beim kreativen Schreibprozess folgt erst nach der Idee das Format. Dabei muss es nicht immer gleich der Roman über tausend Seiten sein: Kurzgeschichten und Erzählungen bieten sich sehr gut an, wenn man sich noch nicht sicher ist, wie viel der Stoff wirklich hergibt. Blogs sind ideal, um schnell und anonym die eigenen Fortschritte einer kleinen Öffentlichkeit zu zeigen und sich Feedback zu holen. Oder wie wäre es mit einem kleinen Gedicht oder einem Haiku, den kunstvollen japanischen Kurzgedichten? Am Ende lässt sich fast jede Idee in vielfältige Formen gießen.

Hilfreiche Strukturen für den Schreibprozess

Auch Kreativität braucht Struktur. Grobe Abschnitte oder Artikel helfen bei der Übersicht und sind für die Leserführung unerlässlich. Ob diese Strukturierung vor dem Schreiben geschieht oder erst nach der kreativen Ideenflut, ist jedem selbst überlassen, doch besonders zu Beginn helfen klare Anfangs- und Endpunkte. Natürlich kann die Struktur während des Schreibprozesses flexibel angepasst werden.

Nach der kreativen Kür folgt die Pflicht: Das Lektorat

Nach dem kreativen Schreiben folgt das konzentrierte Lektorat. Auch während des Schreibvorgangs lohnt es sich, einzelne Abschnitte einer erneuten Lektüre zu unterziehen, um inhaltliche oder formale Fehler zu beseitigen. Dafür hilft räumlicher und zeitlicher Abstand zum Werk, auch das Feedback von Freunden oder Familie kann sehr wertvoll sein. Und auch wenn Sie viel Zeit und Muße in einen Abschnitt gesteckt haben: Scheuen Sie sich nicht, ganze Abschnitte oder Figuren wieder zu streichen. Der Schreibprozess ist dynamisch und vielleicht können Sie die Idee beim nächsten Projekt wieder aufleben lassen.

Viele Kreative schwören bei diesen Übungen übrigens auf Zettel und Papier, statt Smartphone oder Laptop. Dazu ein ablenkungsfreier Ort und viel Ruhe, um den Gedanken den nötigen Freiraum zu geben. Und ganz nebenbei können Sie da noch etwas Digital Detox betreiben.

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