Warum wir Gelerntes vergessen und wie wir uns besser erinnern

Berlitz

Jeder hat in seinem Leben schon viel gelernt und anscheinend das meiste aus der Schule oder Ausbildung wieder vergessen. Woran liegt das? Und welche Methoden helfen dabei, Wissen möglichst lange zu behalten? Wir erläutern Ihnen, wo die Gründe für das Vergessen liegen und stellen Ihnen drei Tipps zum Lernen vor.

Vergessen hat viele Ursachen

Im Gehirn sind drei Bereiche für das Abspeichern von Wissen verantwortlich: das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. Im letztgenannten bleiben wichtige und intensive Erfahrungen viele Wochen, Monate oder Jahre haften. Manche davon geraten aber wieder in Vergessenheit. Dies kann mehrere Gründe haben:

  1. Abhängig vom Alter des Menschen hat das Gedächtnis eine unterschiedliche Leistungsfähigkeit. Diese Kapazität steigt bis etwa zum 20. Lebensjahr an und sinkt dann wieder ab.
  2. Neues Wissen überlagert zuvor Gelerntes. Je mehr das alte Wissen an Relevanz verliert, zum Beispiel eine frühere Adresse, desto eher vergessen Sie es.
  3. Die Informationsüberflutung durch digitale Medien überlastet das Gehirn. Sie können sich nicht mehr richtig konzentrieren, springen von einer Neuigkeit zur nächsten.
  4. Stress und Unruhe wirken sich negativ auf das Gedächtnis aus. Es fällt Ihnen dann schwerer, sich an Dinge zu erinnern.
  5. Krankheiten oder Störungen wie Demenz oder eine Amnesie beeinträchtigen die Gedächtnisfunktion

In jedem Fall versucht das Gehirn, einer Überlastung entgegenzuwirken. Es entscheidet in Bruchteilen von Sekunden, ob eine Information wichtig ist oder nicht. Der Psychologe Hermann Ebbinghaus hat in diesem Zusammenhang die sogenannte Vergessenskurve entwickelt. Sie besagt, dass wir dauerhaft nur 15 Prozent des angelernten Wissens behalten, wenn wir nichts dagegen tun. Wer zum Beispiel eine neue Sprache lernen will, braucht deshalb verschiedene Techniken, um Vokabeln und Grammatikregeln länger im Gedächtnis zu etablieren.

Gedächtnistraining hilft beim Lernen

Es gibt eine ganze Reihe von Methoden, mit denen Sie Ihre Merkfähigkeit trainieren können. Wir stellen Ihnen drei dieser Techniken vor:

1. Lernen in Intervallen

Wenn Sie eine Vokabelliste richtig lernen wollen, verteilen Sie die Lernzeiten über mehrere Tage oder Wochen. Beginnen Sie mit kleinen Abständen zwischen zwei Einheiten: Lesen Sie am Montag die Liste durch. Wiederholen Sie die Vokabeln am Dienstag und dann wieder am Donnerstag. In der Woche darauf nehmen Sie die Liste erneut zur Hand. Variieren Sie außerdem die Methodik: Machen Sie ein Selbstquiz oder tauschen Sie sich über das Gelernte mit einem Freund aus.

2. Loci-Methode: Die Routentechnik

Diese Technik, die auf das lateinische Wort „locus“ für „Ort“ zurückgeht, verwendeten bereits die alten Römer und Griechen. Prägen Sie sich der Reihe nach einzelne markante Objekte eines Raumes oder eines Weges ein, den Sie gut kennen. Das kann Ihr Wohnzimmer oder Ihr Weg zur Arbeit sein. Beispiel: Sie sehen Ihr dunkelbraunes Ledersofa, den weißen Couchtisch und die Stehlampe im Industrie-Design. Dann verknüpfen Sie neue Vokabeln, die Sie lernen wollen, mit diesen Objekten: Esel (donkey), Rose (rose) und Schal (scarf). Sie sehen den donkey bequem auf Ihrem Sofa liegen, die rose ziert den Couchtisch in einer eleganten Vase und der gelbe scarf hängt über der Lampe. Je kurioser und detaillierter Ihre Ausgangsobjekte sind, desto leichter können Sie Verbindungen zwischen Wort und Bild herstellen und diese wieder abrufen. Grund dafür ist, dass der erste Reiz, das bekannte Objekt, den zweiten aktiviert, hier die entsprechende Vokabel.

3. Akronyme und Reime

Akronyme sind Wörter, die aus den Anfangsbuchstaben verschiedener, zusammenhängender Begriffe bestehen. Sie können sich beispielsweise die englischen Namen von Früchten so merken: OBST – Orange, Banana, Strawberry, Tamarillo. Akronyme dienen als Eselsbrücken, wie auch bei den Saiten einer Gitarre: E-A-D-G-H-E. Diese Abfolge lernen Sie am besten mit: Eine Alte Dame Ging Hering Essen.

Reime helfen insbesondere bei Grammatikregeln. Vielleicht kennen Sie diesen Vers noch aus dem Deutschunterricht: „Mit, nach, von, seit, aus, zu, bei – verlangen stets Fall Nummer drei. Durch, für, ohne, um, gegen, wider ­– schreibe stets im vierten Falle nieder“. Auch im Englischen existieren solche Mini-Gedichte, die Sie beim Lernen unterstützen.

Alle diese Techniken arbeiten mit Assoziationen und Wiederholungen. Nur, wenn Sie Ihre gespeicherten Informationen regelmäßig abrufen und prüfen, behalten Sie sie für lange Zeit parat. Probieren Sie die vorgestellten Methoden aus, um Ihre Gedächtnisleistung zu steigern. Und was Ihnen sonst noch beim Lernen helfen kann, erfahren Sie in unserem Artikel über Lernmythen.

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