Fluch oder Segen? Wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen

Berlitz -

Der größte Teil der Weltbevölkerung ist mehrsprachig oder lebt in einem entsprechenden Umfeld. Konkret betrachtet kommunizieren etwa 3,5 Milliarden Menschen weltweit jeden Tag in mehr als nur einer Sprache. Auch in Deutschland sind geht der Trend in die Richtung der bilingualen Kindererziehung. Nicht nur in Familien mit Migrationshintergrund, sondern auch in binationalen Familien gehören zwei Sprachen längst zum Alltag. Immer mehr wollen nun auch deutsche Eltern ihren Kindern Geschmack auf Fremdsprachen machen und sie bereits früh intensiv fördern. Doch oft stellt sich die Frage: Ist eine zweisprachige Erziehung wirklich eine unschätzbare Ressource? Oder werden Kinder dadurch schlicht überfordert?

Mehrsprachige Erziehung: Wertvoll für die Zukunft eines Kindes

Eltern, die sich bewusst oder unbewusst für eine mehrsprachige Erziehung entscheiden, haben nach wie vor mit vielen Vorurteilen zu kämpfen: So wären Kinder mit dem Lernen zweier oder sogar dreier Sprachen in der frühsten Kindheit überfordert. Auch wird oft angenommen, dass der Erwerb mehrerer Sprachen dazu führt, dass Kinder keine der Sprachen am Ende richtig lernen. Probleme in der Schule seien so vorprogrammiert.

Aktuelle Studien zum Thema "Mehrsprachigkeit bei Kindern" belegen jedoch, dass das Aufwachsen mit mehr als einer Sprache für Kinder keine negativen Folgen hat – im Gegenteil. Durch das Prinzip der Nachahmung lernen Kinder mehrere Sprachen genauso gut wie eine. Kinder, die bilingual aufwachsen, lernen weitere Sprachen leichter und schneller und haben kognitive Vorteile. Da sie daran gewöhnt sind, zwischen zwei Sprachen hin- und herzuspringen, ist ihr Gehirn flexibler und leistungsfähiger in der Wahrnehmung.

Doch viele Wissenschaftler bestätigten, dass mehrsprachige Erziehung nur dann funktionieren kann, wenn Kinder zu den Sprachen eine emotionale Bindung aufbauen. Bedenklich wird es auch, wenn Eltern zu viel Ehrgeiz beim Spracherwerb des Kindes entwickeln und mit Druck arbeiten. Damit erst keine negativen Lernerfahrungen aufkommen, muss also stets beachtet werden: Druck rausnehmen und das Kind eigenständig mit Spaß die Sprachen erlernen und erleben lassen.

Klare Sprachregeln erleichtern den doppelten Spracherwerb

Damit mehrsprachige Erziehung funktioniert und Kinder von ihr profitieren, sollten sich Eltern auf klare Sprachregeln einigen. Ansonsten führt eine ständige Mischung von Sprachen zu dem von Kritikern befürchteten Chaos im Gehirn.

Um dem Vorzubeugen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Sprachentrennung:

  • In binationalen Familien bietet es sich an, dass jeder Elternteil mit dem Kind nur in seiner Muttersprache spricht. Von großem Vorteil für die Kommunikation in der Familie ist es, wenn der jeweils andere Elternteil diese Sprache ebenfalls beherrscht und so alle Familienmitglieder gleichermaßen alle Sprachen sprechen.
  • Auch die Möglichkeit, sich für eine Umgebungssprache und eine Familiensprache zu entscheiden, hat sich in der Praxis bewährt. Diese Lösung findet sich vor allem bei Migranten. Wichtig ist allerdings, dass Kinder auch früh mit der Umgebungssprache in Kontakt kommen, sei es in der Krabbelgruppe, im Kindergarten oder bei einem Babysitter.
  • Der erste Satz zählt - so lautet das Motto der Sprachentrennung. Dabei wird immer in der Sprache weiterkommuniziert, mit der ein Gespräch begonnen wurde.
  • Für beruflich stark eingespannte Elternteile oder getrennt lebende Eltern bietet sich die Möglichkeit der Werktags- und Wochenendsprache an: Unter der Woche wird eine Sprache gesprochen, am Wochenende wird zur anderen gewechselt.

Mehrsprachigkeit bei Kindern - ein lebenslanger Schatz

Ganz gleich für welche Möglichkeit der Sprachentrennung Eltern sich entscheiden: Wichtig ist vor allem eine konsequente Umsetzung. Ansonsten wird der Spracherwerb eher behindert als gefördert. Und nur anhand der richtigen Umsetzung können Eltern ihren Nachkommen einen wertvollen Schatz mit auf den Weg geben, von dem die Kinder ihr Leben lang profitieren werden.

Share this