Der Nationalfeiertag und seine Geschichte: Einmal um die Welt

Berlitz -

Nationalfeiertage sind toll, vor allem, weil sie einen freien Tag bescheren. Einige davon gibt es schon so lange, dass ihre ursprüngliche Bedeutung manchmal in Vergessenheit geraten ist. Trotzdem feiern die Menschen vor Ort jedes Jahr aufs Neue mit Paraden, Gesängen und Grillfesten eines der bedeutendsten Ereignisse ihrer Landesgeschichte. In diesem Beitrag zeigen wir, welche Ereignisse den Nationalfeiertagen zugrunde liegen und wie die jeweiligen Landesbewohner diesen besonderen Tag verbringen.

Der Unabhängigkeitstag: USA und Finnland werden eigenständige Staaten

Es gab eine Zeit, da beherrschten europäische Großmächte wie Frankreich, das Vereinigte Königreich, Spanien, Portugal oder Belgien weite Teile der Welt. Im Laufe der letzten 300 Jahre spalteten sich einzelne Gebiete immer wieder von ihren Kolonialherren oder Besatzern ab und riefen ihre Unabhängigkeit aus. Daher geht heute in mehr als 50 Prozent aller Staaten der Nationalfeiertag auf eine Unabhängigkeit zurück, etwa in den USA, Costa Rica, Brasilien, der Elfenbeinküste oder Burundi.

Am 4. Juli 1776 unterzeichneten Thomas Jefferson, George Washington und andere die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika. Damit wurden die ehemals 13 britischen Kolonien an der Ostküste ein eigenständiger Staat. Schon am ersten Jahrestag 1777 feierten die Menschen in Philadelphia mit Salutschüssen, Musik, Paraden und einem Feuerwerk den „Independence Day“. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten. Darüber hinaus hissen die US-Amerikaner noch heute an diesem Tag ihre Flagge und singen patriotische Lieder.

Fast 150 Jahre später wurde Finnland unabhängig, genauer gesagt am 6. Dezember 1917. Das Land war über hundert Jahre Teil des Russischen Reichs gewesen. Mit der Oktoberrevolution 1917 erlaubte die neue russische Regierung den verschiedenen Völkern, sich vom ehemaligen Reich abzuspalten. Diese Chance nutzten die Finnen und der eigenständige Staat Finnland war geboren. Die Bewohner haben ganz besondere Traditionen entwickelt, um ihren Nationalfeiertag feiern. So hissen sie am Morgen die Flagge auf dem Hügel Tähtitorninmäki in Helsinki, besuchen gemeinsam Gottesdienste und zünden zwei blau-weiße Kerzen im Fenster an. Studenten organisieren einen Fackelzug und Soldaten marschieren auf der Militärparade. Darüber hinaus gibt es den traditionellen Empfang im Präsidentenpalast mit über 1.800 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, der im Fernsehen übertragen wird.

Die Ankunft in neuen Gebieten: Australien und Guam

Einige Flecken auf dieser Erde entdeckten die Europäer erst vor einigen Jahrhunderten, wie Südamerika, Australien oder die Inseln Mikronesiens im Pazifik. Die erste Ankunft in den neuen Gebieten hatte deren Geschichte für immer verändert. Deshalb feiern einige Länder ihren Nationalfeiertag genau an diesem Tag der Landung.

Der „Australia Day“ oder „Foundation Day“ erinnert an die Ankunft der ersten Britischen Flotte im Jahr 1788 auf dem australischen Kontinent. James Cook hisste den Union Jack und erklärte das Gebiet zu britischem Territorium. Dabei war er nicht der Erste, der Australien entdeckte. Nichtsdestotrotz feiern die Aussies am 26. Januar mitten im Hochsommer dieses Ereignis mit einem Barbecue oder einer Partie Cricket. Neu-Australier bekommen sogar während festlicher Einbürgerungszeremonien die Staatsbürgerschaft offiziell verliehen. Im Hafen von Sydney treffen sich die Leute zu Bootsrennen und Feuerwerken. Die Ureinwohner von „Down Under“, die Aborigines, sehen diesen Nationalfeiertag allerdings kritisch. Für sie verkörpert er die Invasion und Besetzung ihres Landes durch die Europäer, was dramatische Auswirkungen auf ihr ganzes Leben hatte. Daher bezeichnen sie den Tag eher als „Invasion Day“ oder „Survival Day“.

Etwa 4.500 Kilometer weiter nordöstlich von Australien feiert die kleine Pazifikinsel Guam an jedem ersten Montag im März ihren Entdeckungstag durch den Europäer Ferdinand Magellan im Jahr 1521. Der Kapitän war ganz fasziniert von der Schönheit Guams und nannte es die „Insel der Segel“. Später änderte er den Namen jedoch in die „Insel der Diebe“: Die Ureinwohner, mit denen er Handel um Früchte und Wasser betrieb, stahlen ihm reihenweise die Boote. Deshalb blieb Magellan mit seiner Besatzung nur drei Tage auf Guam. Heute feiern die Bewohner den „Discovery Day“ mit Festivals und Paraden. In der Utamac Bay, dem Landungspunkt des Magellanschen Schiffs, stellen sie in einer beeindruckenden Show die historischen Ereignisse von 1521 nach.

Weltverändernde Revolutionen: Taiwan und Frankreich

Revolutionen sind auch ein Grund für internationale Feiertage. Dabei erhebt sich eine größere oder kleinere Menge an Leuten gegen die amtierenden Herrscher und fordert – meist mit Gewalt – ein neues politisches System. Weil sie damit Erfolg hatten, haben einige Länder den Beginn ihrer jeweiligen Revolution zum Nationalfeiertag erklärt, zum Beispiel Ägypten, Algerien, Argentinien, Irak, Iran, Libyen, Kuba oder Frankreich.

Am „Tag der doppelten Zehn“ erinnert sich Taiwan an den Jahrestag der Revolution vom 10.10.1911 – deshalb doppelte Zehn. An diesem Tag wurde in China die korrupte Ch’ing-Dynastie gestürzt und die Republik China ausgerufen. Am Ende des chinesischen Bürgerkriegs musste die chinesische Regierung 1949 nach Taiwan fliehen, denn die Kommunistische Partei hatte auf dem Festland die Volksrepublik China ausgerufen. Die Taiwanesen blieben ihrem Nationalfeiertag jedoch trotz der konfliktreichen Geschichte mit China treu. Sie feiern dieses Ereignis mit Paraden, führen Volkstänze sowie farbenfrohe Drachen- und Löwentänze auf. Akrobatische Einlagen und Kampfkunst-Shows stehen ebenfalls auf dem Plan. Am Ende des Tages erleuchtet ein riesiges Feuerwerk den Himmel über dem Tamshui-Fluss.

Die Französische Revolution im Jahr 1789 veränderte ganz Europa. Sie richtete sich gegen König Ludwig XVI. und seine verschwenderische Politik. Am 14. Juli zogen aufgebrachte Bürger zum Staatsgefängnis Bastille und wollten die dort einsitzenden Gefangenen befreien. Der Kommandant des Gefängnisses kam ihrer Aufforderung zur Übergabe nach, sodass zumindest an diesem Tag blutige Auseinandersetzungen ausblieben. Dieser Sieg ging daher als „Sturm auf die Bastille“ in die Geschichte ein. Heute feiern die Franzosen ihren Nationalfeiertag mit einer großen Militärparade auf der Champs-Élysées. Schon am Vorabend tanzen die Franzosen in vielen Städten des Landes auf den traditionellen Feuerwehrbällen. Darüber hinaus warten jedes Jahr über eine Million Zuschauer vor Ort gespannt auf das musikalische Feuerwerk am Eiffelturm.

Nationalfeiertage bringen Menschen zusammen

Wie unterschiedlich die Gründe auch sind, die zur Entstehung des Nationalfeiertags in jedem Land geführt haben: Im Endeffekt werden Menschen zusammengebracht und feiern ihre Gemeinschaft, ihr Land und ihre Kultur. Zu den beliebtesten Feiertags-Traditionen gehören aber auch noch ganz andere Bräuche, abseits von Paraden und Feuerwerk. Gerade zu Ostern lassen sich weltweit äußerst skurrile Gepflogenheiten beobachten, die sich um Scherben, Peitschen oder alte Weiber drehen. Welche das konkret sind und woher diese Bräuche überhaupt kommen, können Sie in unserem Oster-Artikel nachlesen.

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