Positive Leadership – Wie Vorgesetzte ihre Mitarbeiterführung effektiv verbessern

Berlitz

Für Vorgesetzte sind fachliche Kompetenzen wichtig. Eine mindestens ebenso große Rolle spielen ihre Führungsqualitäten. Sie beeinflussen die Atmosphäre im Team – und damit dessen Leistungsfähigkeit. Das Konzept des „Positive Leadership“ zielt darauf ab, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu verbessern. Was hinter diesem Ansatz steckt und wie Führungskräfte ihn im Berufsalltag umsetzen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Positive Leadership sorgt für gute Stimmung

Im Meeting mit den Mitarbeitern spüren Sie: Die Stimmung ist angespannt, irgendwie gedrückt. So richtig greifen lässt sich oft nicht, woran es liegt. Fest steht aber, dass sich schlechte Stimmung negativ auf die Leistungen der Beschäftigten auswirkt. Mitunter sind es Führungskräfte selbst, die zur schlechten Atmosphäre beigetragen haben. Selbst wenn das nicht der Fall ist, sind sie der Schlüssel, um das positive Zusammengehörigkeitsgefühl im Team wiederherzustellen.

Dabei kann das Konzept „Positive Leadership“ helfen. Es basiert auf der positiven Psychologie. Zentral ist dabei, dass alle Mitarbeiter das Gefühl haben, ihre Stärken im Beruf richtig einsetzen zu können, gute Beziehungen zu Vorgesetzten und Kollegen zu führen und Ziele erreichen zu können. Stimmen diese Faktoren, hat dies gleich mehrere positive Effekte: Mitarbeiter sind weniger krank, kündigen seltener und arbeiten effizienter.

Aber was steckt genau hinter dem Konzept „Positive Leadership“?

Was macht Positive Leadership aus?

5 entscheidende Faktoren Das Konzept „Positive Leadership“ geht zurück auf Forschungen des US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman. Er hat das sogenannte PERMA-Modell entwickelt, das fünf Faktoren für mehr Zufriedenheit beschreibt. Dazu gehören:

1. P wie „Positive Emotions“ (positive Emotionen)

Eine positive Haltung lässt sich in gewissem Maße einüben. Dabei geht es nicht darum, Negatives zu verdrängen oder einfach umzudeuten. Wichtig ist stattdessen, sich regelmäßig auf die Dinge zu konzentrieren, die man selbst beeinflussen kann oder die gut geklappt haben.

2. E wie „Engagement“ (positives Engagement)

Als positiv empfinden die meisten Menschen das Gefühl, dass die Dinge „wie von selbst laufen“. Wenn sie zum Beispiel so vertieft in eine Aufgabe sind, dass sie die Zeit völlig vergessen. Sie sind dann im „Flow“. Um diesen Zustand erreichen zu können, ist es wichtig sich mit etwas zu beschäftigen, das die eigenen Stärken zum Vorschein bringt. Dieses Flow-Gefühl lässt sich am leichtesten erreichen, wenn bei einer Aufgabe das Maß zwischen Über- und Unterforderung genau stimmt.

3. R wie „Relationships“ (positive Beziehungen)

Ausgesprochen wichtig für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz sind die Beziehungen zu Ihren Kollegen. Schauen Sie sich einmal genau an, mit welchen Kollegen sie besonders gerne zusammenarbeiten und welche Sie regelmäßig in schlechte Laune versetzen.

4. M wie „Meaning“ (Sinn, Bedeutung)

Eine starke Motivation ist das Gefühl, dass das, was wir tun, sinnvoll ist und dass es einen höheren, positiven Zweck erfüllt. Das gilt auch und gerade für den Berufsalltag. Wer für sich einen Sinn in seiner Arbeit entdeckt, ist meist deutlich zufriedener damit.

5. A wie „Achievement“ (Ziele setzen)

Sich Ziele zu setzen, ist wichtig für die eigene Zufriedenheit. Denn jeder Erfolg stärkt Ihr Selbstvertrauen. Wichtig dabei ist, dass die Ziele, die Sie sich stecken, erreichbar sind. Sind sie zu hoch, sind Sie möglicherweise schnell frustriert und geben auf. Schätzen Sie sich also realistisch ein und überfordern Sie sich nicht.

Insbesondere Führungskräfte sind gefragt, diese fünf Faktoren im Berufsalltag für ihre Mitarbeiter in die Tat umzusetzen und somit ihre positiven Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen.

Feedback für gute Mitarbeiterführung

Oft wirken wir auf andere Menschen anders als wir glauben. Das gilt selbstverständlich auch für Führungskräfte. Im Beruf kann das bei ihnen besonders fatal sein. Denn ihr Verhalten und ihre Wahrnehmung beeinflussen meist unmittelbar die Atmosphäre im gesamten Team – und damit auch dessen Leistungsfähigkeit.

Was können Führungskräfte tun, um die Aspekte des oben dargestellten PERMA-Modells umzusetzen? Hier zwei Anregungen:

1. Überprüfen Sie Ihre Außenwirkung

Wie wirke ich auf andere? Geduldig und verständnisvoll oder gereizt und gestresst? Was Sie selbst möglicherweise als entscheidungsfreudig bewerten, können andere zum Beispiel als dominant und einschüchternd empfinden. Klar ist: Oft stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht zu hundert Prozent überein.

Ratsam ist es daher, sich von einer außenstehenden Person Feedback zur eigenen Rolle und zum eigenen Auftreten zu holen. Wichtig: Rückmeldungen von Freunden oder Vertrauten bringen hier meist wenig, weil sie uns in aller Regel nicht kränken wollen und uns daher manch unangenehme, aber hilfreiche Wahrheit rücksichtsvoll verschweigen. Dies gilt ebenso für die eigenen Mitarbeiter. Besser ist es daher, sich an einen professionellen Coach oder Berater zu wenden.

2. Befragen Sie gezielt Ihre Mitarbeiter

Konstruktives Feedback ist nicht allein für Ihre Mitarbeiter sehr wichtig, sondern kann ebenso für Sie als Führungskraft sehr wertvoll sein. Holen Sie daher regelmäßig Feedback Ihrer Mitarbeiter ein, zum Beispiel im persönlichen Gespräch. Denn im direkten Austausch lässt sich am leichtesten feststellen, ob Sie auf Ihre Mitarbeiter wirklich so wirken, wie Sie möchten.

Außerdem können Sie ein Gefühl dafür entwickeln, ob Ihr Führungsstil – eher streng oder eher locker – dem entspricht, was Ihre Mitarbeiter gerade benötigen. Hilfreich sind darüber hinaus Strukturen für Feedback – zum Beispiel eine gezielte anonyme Befragung zweimal im Jahr.

Berlitz bietet beispielsweise Workshops an, die sich gezielt an Führungskräfte richten. Gerade Menschen, die erst seit Kurzem eine Führungsposition innehaben, sollten sich frühzeitig mit deren spezifischen Herausforderungen auseinandersetzen, um durch gute Mitarbeiterführung für eine positive Stimmung im Team zu sorgen. Damit stellen Sie von Anfang an sicher, dass die unterschiedlichen Persönlichkeiten Ihrer Mitarbeiter bestmöglich miteinander harmonieren.

5 leicht umsetzbare Tipps für eine positive atmosphärische Führung

Parallel zur kontinuierlichen Auseinandersetzung mit ihrer Wirkung auf andere können Führungskräfte mit kleinen Mitteln jeden Tag für eine bessere Atmosphäre im Team sorgen. Die fünf folgenden Tipps lassen sich einfach umsetzen:

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1. Freundliche Begrüßung

Es klingt banal, zeigt aber regelmäßig große Wirkung: Begrüßen Sie Ihre Mitarbeiter jeden Morgen freundlich. Sprechen Sie sie dabei am besten namentlich an. So schaffen Sie gleich zu Beginn des Arbeitstags eine positive Grundstimmung.

2. Wertschätzende Kommunikation

Manche Führungskräfte neigen dazu, sich zu sehr auf die Schwächen ihrer Mitarbeiter zu fokussieren. Versuchen Sie es doch einmal andersherum und überlegen Sie, welche Stärken jeder einzelne Ihrer Kollegen hat – und teilen Sie ihnen dies regelmäßig mit.

3. Schluss mit Schuldzuweisungen

„Warum haben Sie im Projekt XY so einen miesen Job gemacht?“ – es ist einfach, einzelne Mitarbeiter persönlich für Misserfolge verantwortlich zu machen. Erreichen werden Sie damit jedoch allenfalls, dass Mitarbeiter verunsichert, vielleicht sogar verängstigt sind. Das vergiftet die Atmosphäre leicht. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf ein Problem, nicht auf einzelne Personen.

4. Chancen betonen

Verpasste Aufträge, unzufriedene Kunden – nicht immer läuft im Berufsalltag alles glatt. Eine positive Führungskraft bleibt aber nicht dabei stehen, Misserfolge herauszustreichen und sich im Meeting darüber zu ärgern. Nutzen Sie Rückschläge lieber, um daraus positive Lehren für die Zukunft zu ziehen: Was können wir in Zukunft besser machen? Was müssen wir ändern, um Fehler XY künftig zu vermeiden?

5. Positive Ausstrahlung

Und schließlich: Gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran. Lächeln Sie Ihre Mitarbeiter bewusst an, hören Sie Ihnen zu und ermutigen Sie sie, neue Ideen zu formulieren – auch wenn Sie sich nicht immer sofort umsetzen lassen. Solch eine offene Arbeitsatmosphäre wird nicht nur die Teamstimmung, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Arbeitsergebnisse verbessern.

Krisen gemeinsam meistern

Ist die Stimmung im Team schlecht, sind Führungskräfte meistens mitverantwortlich. Sie als Führungskraft haben es dann aber auch in der Hand, die Atmosphäre durch gute Mitarbeiterführung positiv zu beeinflussen. Gerade in Krisenzeiten kann dies zum entscheidenden Faktor werden. Dann ist es besonders wichtig, dass Führungskräfte und Mitarbeiter ihr Zusammengehörigkeitsgefühl steigern und sich für den gemeinsamen Erfolg einsetzen.

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