Auszeit vom Job: Wie das Sabbatjahr zum Erfolg wird

Berlitz -

Während Ihr Chef im Meeting die nächsten Projektphasen erläutert, schweifen Sie immer wieder ab, in Ihrem Kopf entstehen Bilder von fernen Ländern. Wie wäre es, wenn Sie tatsächlich einmal ein paar Monate mit Reisen verbringen? Ein Sabbatjahr kann das ermöglichen. Was das genau ist, wie es funktioniert und was Unternehmen und Angestellte dabei beachten sollten, erklären wir im folgenden Beitrag.

Sabbatjahr zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Ursprünglich stammt die Idee des Sabbatjahrs (englisch: Sabbatical) von US-amerikanischen Universitäten. Professoren wurden für ein Jahr von Lehrveranstaltungen freigestellt und konnten sich ganz ihren Forschungsinteressen widmen. Das Modell hält immer stärker Einzug bei privaten Unternehmen in Deutschland. Beim Sabbatical handelt es sich um eine geplante Auszeit vom Beruf, es dauert meist mehrere Monate bis zu einem Jahr.

Beamte, zum Beispiel Lehrer, haben hier einen Vorteil: Sie können für die Dauer von zwei bis sechs Jahren Arbeitszeit und Gehalt auf zwei Drittel bzw. sechs Siebtel reduzieren und sich danach für ein volles Jahr freistellen lassen. Während des Sabbatjahrs erhalten Sie ebenfalls zwei Drittel bzw. sechs Siebtel ihres Gehalts.

Für Angestellte bei Privatunternehmen besteht zwar kein gesetzlicher Anspruch auf eine längere Auszeit. Dennoch hat bereits jeder zehnte Deutsche ein Sabbatical gemacht, und 21 Prozent könnten sich die längere Auszeit gut vorstellen. Der Wunsch danach ist insbesondere bei jüngeren Berufstätigen unter 40 Jahren verbreitet. Dies ergab im Jahr 2017 eine repräsentative Online-Umfrage des Karrierenetzwerks Xing. Als häufigste Gründe nannten die 1.500 Befragten geistige und körperliche Erholung, Fernreisen sowie Aus- und Weiterbildung.

Beim Armaturenhersteller Hansgrohe etwa ist das Konzept bereits etabliert. Mitarbeiter können dort mehrere Monate eine Auszeit nehmen. Auf einem Zeitkonto sammeln sie Überstunden und Prämien an und wandeln diese in bezahlte Freizeit um. Am schwierigsten für das Unternehmen sei es, die fehlende Kraft zu ersetzen, wie der Personalleiter im Gespräch mit dem Handelsblatt verriet. Das nehme er aber in Kauf, seine Hauptmotivation sei es schließlich, gute Leute zu halten. Auch bei dem Beratungsunternehmen McKinsey sind Sabbaticals inzwischen etabliert. Mitarbeiter können dort zweimal im Jahr angeben, wann sie die Pause wünschen. In der Regel ist dies im Sommer möglich, wenn ohnehin weniger Arbeit anfällt.

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Auszeit vom Job nehmen – aber richtig

Doch nicht jedes Unternehmen ist so offen für das Sabbatjahr. Die Xing Umfrage ergab nämlich auch, dass knapp ein Fünftel der Unternehmen (17,2 Prozent) die Auszeit nicht erlauben. Das heißt aber im Umkehrschluss: Vier Fünftel der Unternehmen sind grundsätzlich offen für das Modell. Was aber sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer beachten, damit das Sabbatical für beide Seiten gelingt?

Wie sag ich’s meinem Chef?

Wer den Wunsch nach einer Auszeit verspürt, muss im ersten Schritt mit seinem Vorgesetzten darüber sprechen. Dass trauen sich viele Arbeitnehmer aber nicht. Die Xing-Umfrage zeigte nämlich, dass mehr als die Hälfte (58,6 Prozent) der Befragten den Wunsch geheim hält.

Wenn Sie zu den schüchternen Sabbatical-Kandidaten gehören, ermutigt Sie vielleicht oben genannte Zahl. Noch einmal: Vier Fünftel der Unternehmen – 80 Prozent – sind grundsätzlich offen dafür, dass ein Mitarbeiter eine längere Auszeit nimmt. Hilfreich ist es womöglich auch, wenn Sie sich klarmachen, dass auch das Unternehmen davon profitiert. Es erhält zum Beispiel

  • erholte, motivierte Mitarbeiter
  • Angestellte, die in der Auszeit eine neue Qualifikation erworben haben
  • Pluspunkte beim Employer Branding für potenzielle neue Mitarbeiter
  • Burnout-Prävention der Mitarbeiter

Unternehmen können ihren Mitarbeitern den Weg zum Sabbatical erleichtern, indem sie zum Beispiel im Intranet eine Plattform zu dem Thema einrichten. Dort erhalten Interessenten Informationen, Rahmenbedingungen und Ansprechpartner. Mitarbeiter werden ein solches Angebot in der Regel mit größerer Zufriedenheit und hoher Identifikation mit ihrem Arbeitgeber belohnen.

Ein Sabbatical braucht Planung

Bevor die Auszeit vom Job aber starten kann, braucht es Planung. Diese sollte nicht zu kurz ausfallen, drei Monate sollten beide Seiten mindestens dafür einplanen. In diesem Zeitraum sollten Arbeitgeber und Angestellte gemeinsam einen Plan erarbeiten. Dieser sollte beispielsweise enthalten, welche Aufgaben an welche Kollegen verteilt werden müssen (z. B. laufende Projekte, regelmäßige Tätigkeiten etc.).

Eine langfristige Planung ist insbesondere dann wichtig, wenn Unternehmen für die Zeit im Sabbatjahr neue Mitarbeiter einstellen müssen, vor allem also bei längeren Auszeiten. Schließlich sind hier Zeiten fürs Recruiting und für die Einarbeitung zu bedenken. Und natürlich muss die Abwesenheit des Kollegen auch rechtzeitig mit dem Team besprochen werden. Ansonsten kommt es womöglich zu Konflikten, sollte sich herausstellen, dass beispielsweise zwei Teammitglieder gleichzeitig freigestellt werden möchten.

Eine Frage des Geldes?

Manche Angestellte sind sich zudem unsicher, wie es mit dem Gehalt während des Sabbaticals aussieht, und verzichten deshalb lieber auf eine längere Auszeit. Dabei muss die Jobunterbrechung nicht unbedingt einen Gehaltsverzicht bedeuten.

Vorstellbar ist zum Beispiel folgendes Modell: Ein Mitarbeiter möchte eine Auszeit von sechs Monaten nehmen. Er einigt sich mit seinem Arbeitgeber darauf, dass er im halben Jahr vor Beginn der Unterbrechung monatlich nur die Hälfte seines Gehalts bekommt. Die andere Hälfte bekommt er dann während seines Sabbaticals. Vorteil solcher Ansparmodelle ist die hohe Planungssicherheit für beide Seiten.

Für kürzere Abwesenheiten von einige Wochen oder Monaten lassen sich auch Urlaubstage sammeln. Das bedeutet dann zwar eine Mehrbelastung in der Zeit vor dem Sabbatjahr, währenddessen erhält der Arbeitnehmer aber sein normales Gehalt.

Die Rückkehr aus der Auszeit gestalten

Wer ein ganzes Jahr auf Reisen, mit einem privaten Projekt oder einer Weiterbildung verbracht hat, dem fällt womöglich der Wiedereinstieg in den Job schwer. Daher sollten Unternehmen frühzeitig organisieren, was nach der Rückkehr aus dem Sabbatjahr geschehen soll. Die Planung dafür kann sich am Onboarding neuer Mitarbeiter orientieren. Schließlich kann sich in einem Jahr in einer Organisation einiges verändern.

Möglicherweise

  • haben manche Kollegen das Team verlassen
  • sind neue Mitarbeiter oder Vorgesetzte im Unternehmen
  • gibt es neue Prozesse oder Tools, die eine längere Einarbeitung erfordern

Ideal ist es, wenn Unternehmen den Wiedereinstiegsprozess strukturieren und eine Art Checkliste erarbeiten. Schließlich erhöht eine gelungene Rückkehr die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter sich nach dem Sabbatical genauso wohl fühlen wie vorher und mit einer Extraportion Motivation ans Werk gehen.

Vorbereitung, Vertrauen – und ein bisschen Mut

Wer über ein Sabbatjahr nachdenkt, sollte auch kürzere Auszeiten erwägen. Denn oft ist es für Unternehmen und Kollegen einfacher, eine Pause von drei Monaten zu organisieren als gleich für ein ganzes Jahr. Bei kurzen Auszeiten muss zum Beispiel in der Regel keine Vertretung eingestellt werden – dies wird auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Ihr Arbeitgeber Ihrem Sonderurlaub zustimmt.

Ob kurz oder lang, ob Fremdsprachenlernen, ein Leidenschaftsprojekt oder eine Fernreise die Motivation für Ihre Auszeit sind: Damit das Sabbatjahr für beide Seiten zur positiven Erfahrung werden kann, braucht es eine gute Vorbereitung, Vertrauen zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer – und auf beiden Seiten ein bisschen Mut, sich darauf einzulassen. Probieren Sie es doch mal aus!

Welche Erfahrungen andere mit der Auszeit vom Job gemacht haben, können Sie zum Beispiel hier oder hier nachlesen.

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