Burnout im Job: Wie Betroffene und Unternehmen chronischer Erschöpfung vorbeugen

Berlitz -

Ein langer Tag im Büro, immer wieder klingelt das Telefon, zwischen zwei Meetings bleibt allenfalls Zeit für einen Biss ins Brötchen. Dann steht plötzlich der Vorgesetzte in der Tür, drängt zur Eile. Verständlich, wenn man sich am Abend total ausgelaugt fühlt. Bedenklich wird es allerdings, wenn die Erschöpfung zum Dauerzustand wird. Im folgenden Artikel zeigen wir auf, bei welchen Anzeichen Betroffene handeln sollten und wie Unternehmen dem „Ausbrennen“ ihrer Mitarbeiter vorbeugen können.

Mögliche Burnout-Ursachen – und bei welchen Symptomen Vorsicht geboten ist

Ständige Erreichbarkeit, hohe Arbeitsverdichtung und großer Druck im Job stellen in unserer modernen Leistungsgesellschaft hohe Ansprüche an die körperliche und psychische Belastbarkeit. In manchen Unternehmen fehlt es an positivem Feedback für die Angestellten, zudem sind mitunter die Arbeitsorganisation und der Teamzusammenhalt unzureichend. Auch unklare Strukturen, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten können die psychische Belastbarkeit so sehr fordern, dass daraus eine chronische Erschöpfung resultiert.

Neben solchen äußeren Faktoren können Persönlichkeitsmerkmale und Einstellungen der eigenen Person eine Rolle spielen: Wer etwa sehr perfektionistisch ist und sich selbst stark unter Druck setzt, läuft Gefahr, an Burnout zu erkranken. Manchen Menschen fällt es zudem schwer, ihre vielen kleinen und großen Aufgaben sinnvoll zu strukturieren. Die daraus resultierende Überforderung kann negative Folgen für die Gesundheit haben. Leistungsfähigkeit gilt in der Arbeitswelt zwar als Schlüsselkompetenz. Doch wer seine Kräfte regelmäßig überschätzt und nicht auf die richtige Balance zwischen Anstrengung und Erholung achtet, dessen Energiereserven sind irgendwann aufgezehrt. Dann leiden Betroffene unter körperlichen und seelischen Symptomen. Welche dies sind, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Das macht es häufig schwierig, die chronische Erschöpfung zu erkennen, was eine lange Leidenszeit zur Folge haben kann.

Dennoch gibt es einige typische Symptome, und folgende Anzeichen können ein Hinweis auf Burnout sein:

  • Ständig müde und erschöpft: Betroffene fühlen sich häufig mit täglichen Aufgaben überfordert und sehnen sich nach Ruhe. Pausen sind jedoch nicht mehr erholsam. Das Abschalten nach der Arbeit wird zunehmend schwierig, außerdem können Schlafstörungen auftreten.
  • Fehler und mangelnde Konzentration: Die Leistungsfähigkeit lässt nach, weshalb sich immer mehr Fehler einschleichen. Eine körperliche und seelische Unruhe macht den Betroffenen zu schaffen. Oft reagieren sie ängstlich oder aggressiv, auch bei eigentlich nichtigen Anlässen.
  • Gefühl der Sinnlosigkeit: Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Privatleben fehlen Motivation und Spaß. Betroffene geben z. B. lange gepflegte Hobbies auf, ziehen sich immer mehr zurück und meiden private Verabredungen. Sie sehen keinen Sinn mehr in Job und Freizeit, was zu Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit führen kann.

Burnout-Check – Sind Sie erschöpft und ausgebrannt?

Der folgende Selbsttest ist keine wissenschaftliche Diagnose und ersetzt keinesfalls den Gang zum Arzt, allerdings dient er Ihnen als Kurzcheck zur ersten Einschätzung, ob Sie möglicherweise gefährdet sein könnten.

  1. Meine Arbeit macht mir einfach überhaupt keinen Spaß mehr.
  2. Selbst einfache Aufgaben bereiten mir große Schwierigkeiten, ich kann mich schlecht dazu aufraffen und fühle mich unkonzentriert.
  3. Mein Vorgesetzter bzw. meine Kollegen wissen meine Arbeit nicht zu schätzen, ich erhalte kaum positives Feedback.
  4. Wenn ich abends an den nächsten Tag denke, mache ich mir große Sorgen, habe Bauchschmerzen und schlechte Laune.
  5. Eigentlich ist schon seit Längerem alles anstrengend, im Job und im Privatleben. Nichts bereitet mir Spaß und Freude.

Wenn Sie diesen Aussagen teilweise oder vollständig zustimmen, kann dies auf eine chronische Erschöpfung hindeuten. Dies muss selbstverständlich nicht zutreffen – aber spätestens jetzt lohnt es sich, hellhörig zu werden und sich geeignete Unterstützung zu suchen. Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihre Probleme rechtzeitig mit einem Hausarzt besprechen, der Sie dann an geeignete Fachleute wie Psychologen oder Coaches verweisen kann.

Burnout, Erschöpfung, Depression – keine klare Abgrenzung

Der Begriff Burnout (von engl. to burn out, ausbrennen) beschreibt zunächst das Gefühl starker seelischer, emotionaler und körperlicher Erschöpfung – des Ausgebranntseins. Burnout stellt jedoch keine medizinische Diagnose dar. Psychiater und Psychologen kritisieren den Begriff sogar zum Teil: Sie argumentieren, das klinische Bild entspreche eher einer depressiven Erkrankung, und der Ausdruck Burnout glorifiziere ungesundes Verhalten – denn ausbrennen kann nur, wer vorher „gebrannt“, also alles gegeben hat.

Manchem Betroffenen mag der Begriff allerdings helfen, sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen und Hilfe zu suchen, da mitunter der Gang zum Psychologen und besonders die Diagnose „Depression“ negativ besetzt sind.

Eine klare Abgrenzung zwischen Erschöpfung, Burnout und Depression ist schwierig, da sich die Symptome ähneln. Fest steht: Das Gefühl chronischer Erschöpfung kennen heute viele Menschen – und es werden immer mehr. Einer Befragung aus dem Jahr 2016 zufolge fühlten sich sechs von zehn Deutsche häufig oder manchmal gestresst. Und Stress kann dazu beitragen, dass die Erschöpfung chronisch wird.

Umgang mit Erschöpfungszuständen – was Unternehmen tun sollten

Werden die oben geschilderten Anzeichen zu lange ignoriert, kann dies für die Betroffenen ernste Konsequenzen haben, schlimmstenfalls müssen Mitarbeiter längere Zeit pausieren. Für Unternehmen ist dies zwischenmenschlich, aber auch wirtschaftlich eine Belastung. Daher sollten sie chronisch erschöpfte Mitarbeiter rechtzeitig unterstützen.

Vorbeugen ist besser als nachsteuern

Idealerweise organisieren Unternehmen die Arbeitsprozesse mit einer betrieblichen Gesundheitsförderung so, dass Burnout-Erkrankungen gar nicht erst entstehen. Auch hilft es, wenn für die anstehenden Aufgaben ausreichend Personal vorhanden ist und die Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden, damit sie sich weder über- noch unterfordert fühlen.

Wenn Unternehmen in regelmäßigen Abständen ihre Mitarbeiter zur Arbeitssituation befragen, kann Erschöpfung frühzeitig erkannt werden. Zeigen sich dabei außergewöhnliche Belastungen, dann müssen die Verantwortlichen deren Ursachen genau analysieren und möglichst schnell reagieren – dazu sind sie sogar gesetzlich verpflichtet. In Führungskräfte-Schulungen sollten leitende Mitarbeiter auf die Problematik psychischer Belastungen im Job hingewiesen werden. Dabei gilt es auch, sie für die eigene körperliche und seelische Widerstandsfähigkeit zu sensibilisieren. Zudem ist es sinnvoll, Mitarbeiter zur psychischen Gesundheit weiterzubilden, etwa mit Seminaren zu Stressmanagement, Zeitorganisation, Umgang mit Konflikten oder Achtsamkeitstrainings.

Während der Erkrankung

Ist trotz präventiver Maßnahmen ein Mitarbeiter chronisch erschöpft, empfiehlt es sich, äußerst sensibel mit dem Thema umgehen – besonders für Vorgesetzte und Personalverantwortliche . Sie sollten Betroffene keinesfalls stigmatisieren und ausgrenzen, sondern ihnen volle Unterstützung zusichern. Förderlich sind sicherlich auch Hilfestellungen der Kollegen, falls der Betroffene dies wünscht.

Zurück in den Job

Ist ein Mitarbeiter länger als sechs Wochen im Jahr ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig, sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihm die Rückkehr in den Betrieb zu ermöglichen. Dem Sozialgesetz zufolge müssen sie klären, „wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann.“ Wie das geschehen soll, ist nicht festgelegt. Denn so individuell die Ursachen für chronische Erschöpfung sind, so individuell müssen in der Regel die Lösungen sein. Häufig ist es sinnvoll, zunächst die Arbeitszeit zu reduzieren. Eventuell kann der betroffene Mitarbeiter auch andere Aufgaben übernehmen oder das Team wechseln. Mitarbeiter und Unternehmen können gemeinsam überlegen, welche Regelung für beide Seiten am besten ist.

Burnout-Prävention – eine Aufgabe für alle Beteiligten

Chronische Erschöpfungszustände können jeden treffen, egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter. Die steigende Zahl der Betroffenen sollte Unternehmen alarmieren und dazu veranlassen, sich mit dem Thema zu befassen. Ziel eines modernen betrieblichen Gesundheitsmanagements muss es sein, die Überlastung der Angestellten von vornherein zu verhindern. Jeder Mitarbeiter muss sich zunächst selbst für seine psychische Gesundheit verantwortlich fühlen. Dies gelingt in der Regel besser, wenn das Thema im Unternehmensleitbild verankert ist und die Führungsverantwortlichen Angebote bereitstellen, die einem Burnout rechtzeitig entgegenwirken. Es gilt zudem, rechtzeitig mögliche Gefahren zu erkennen und zu beseitigen. Denn wenn die Erschöpfung zum Dauerzustand wird, ist dies in vielerlei Hinsicht eine enorme Belastung – für Betroffene und Unternehmen gleichermaßen.

Share this