US-amerikanische Dialekte

Berlitz -

Wer gern Filme und Serien aus den USA im Original schaut, muss manchmal genauer hinhören. Denn auch im amerikanischen Englisch gibt es verschiedene Dialekte. Dieser Beitrag erklärt, wie sich die Mundarten in den Vereinigten Staaten entwickelt haben, und zeigt auf, worin sich die Aussprache der drei bekanntesten US-amerikanischen Dialekte unterscheidet: der Boston Accent, der New Yorkese und der Southern Dialect.

Die spannende Geschichte der Dialekte in den USA

Sprachwissenschaftler streiten seit langem darüber, wie viele Dialekte es in den USA neben dem „Standard American English“ gibt. Bisher konnten sie sich auf 24 verschiedene einigen, die sich auf die fünf großen Dialektregionen Pacific Northwest, Southwest, Midwest, New England und South verteilen. Darüber hinaus ist die Abgrenzung zwischen Dialekt und Akzent, der nur die Aussprache betrifft, in den USA nicht immer so einfach.

Warum ist es so schwierig, die verschiedenen Mundarten auseinanderzuhalten? Weil die Vereinigten Staaten von Amerika erst spät von Europäern besiedelt wurden und regionale Dialekte daher weniger Zeit hatten sich auszuprägen. In Deutschland dagegen entwickelten sich zum Beispiel das Schwäbische oder Plattdeutsche über viele Jahrhunderte und weisen daher deutlichere Abweichungen auf.

Dennoch lassen sich in den amerikanischen Dialekten Unterschiede in Aussprache, Vokabular und Grammatik feststellen. Das Interessante dabei: Je weiter westlich eine Region in den USA liegt, desto stärker orientiert sich die dortige Mundart am ursprünglichen britischen Englisch – die Siedler dieser Gebiete behielten ihre übliche britische Aussprache stärker bei.

In der heutigen Zeit sind aus Film und Fernsehen vor allem drei Dialekte aufgrund ihres typischen Akzents bekannt: der Boston Accent, der New Yorkese und der Southern Dialect.

Der Boston Accent aus „Good Will Hunting“

Dieser Dialekt, der eine lokale Variante des „Eastern New England English“ ist, konzentriert sich auf Boston und Umgebung; verwandte Mundarten gibt es in Eastern Massachusetts, Rhode Island oder Maine. Er ist der älteste der amerikanischen Dialekte und wurde erstmals 1788 erwähnt. Die Sprecher dieses Dialekts lassen das „r“ am Ende einer Silbe weg und verlängern den vorhergehenden Vokal. So wird aus der berühmten Redewendung „Park your car in Harvard Yard“ (Parken Sie Ihren Wagen im Harvard Yard) „Pahk yuh cah in hahvuhd yahd“

Auch das d und t lassen die Bostoner oftmals weg: Beispielsweise wird „land“ zu „la’en“ und „exactly“ zu „exacly“. Wie das klingt, zeigt dieses Video. Darin sind zahlreiche Ausschnitte aus bekannten Filmen und Serien zu sehen, unter anderem aus „Good Will Hunting“, mit den typischen Begriffen, Wendungen und Betonungen des Boston Accent.

Sprecher: Schauspieler Mark Wahlberg, Ben Affleck und Matt Damon

Der New Yorkese aus „King of Queens“

Viele bekannte Serien spielen in New York, darunter Klassiker wie „King of Queens“, „Friends“ oder „Seinfeld“. Obwohl nur 300 Kilometer zwischen New York und Boston liegen – für amerikanische Verhältnisse eine geringe Distanz –, unterscheidet sich die Aussprache in vielen Punkten.

Das kurze „a“ in cat, mad, can’t oder last wird manchmal etwas höher im Mund ausgesprochen. Bei dunklen Vokalen wie o und u sind die New Yorker dagegen nachlässig in der Aussprache: Wörter wie thought, north und dog sinken tief in den Hals und werden zu thaw-uht, naw-uht und daw-uhg. Ähnlich wie beim Boston Accent sprechen die Menschen in New York City und der näheren Umgebung das „r“ nicht immer deutlich aus. Einige Beispiele zur Aussprache dieses amerikanischen Dialekts stellt das International Dialects of English Archive zur Verfügung.

Sprecher: Regisseure Woody Allen und Martin Scorsese, Schauspieler Eddie Murphy, Sängerin Barbara Streisand

Der Southern Dialect aus „American Sniper“

Der Southern Dialect wird in einer ganzen Reihe von Bundesstaaten von Florida bis Texas gesprochen. Er unterscheidet sich vom historischen Südstaaten-Dialekt, der aus alten Filmen bekannt ist. Insbesondere vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg hat sich dieser amerikanische Dialekt stark verändert und ausgebreitet.

Vokale in Wörtern wie thought oder dog liegen tief in der Kehle – das lange o wie in goat und das Doppel-o in goose dagegen vorn im Mund. Schwierig wird es bei Wörtern, die auf -in, -en, -im und -em enden. Sie werden alle mit dem gleichen Vokal ausgesprochen. Ben heißt dann in etwa „Bin“. Wer diesem Dialekt einmal lauschen möchte, sollte sich die Filme „American Sniper“ und „Boyhood“ anschauen.

Sprecher: Schauspieler Matthew McConaughey, Bradley Cooper

Dialekte und Slang in den USA

Neben der Aussprache gibt es natürlich noch weitere Unterscheidungskriterien in den amerikanischen Dialekten, etwa Vokabeln und besondere Redewendungen. Welche Begriffe vor allem bei der heutigen Jugend in den USA beliebt sind, erläutert unser Beitrag „Umgangssprache im US-Englischen: American Slang goes viral“.

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