Dialekte in England: So sprechen Cockneys, Scouser und Co.

Berlitz -

Die Briten sprechen in erstaunlich vielen Dialekten und Akzenten. Erstaunlich deshalb, weil die anerkannte Standardaussprache, die „received pronouncation“, lange Zeit als Maßstab galt und die als minderwertig angesehenen Dialekte im öffentlichen Leben kaum zu hören waren. Beim öffentlichen Rundfunk, der BBC, wurde grundsätzlich das klassische „Oxford English“ oder „Queen‘s English“ gesprochen.

Heute haben sich die regionalen Mundarten rehabilitiert und selbst bei der BBC sprechen wieder viele Moderatoren Dialekt. Auch junge Menschen bekennen sich zu den sprachlichen Variationen ihrer Heimat oder ihres gesellschaftlichen Milieus und sprechen „Cockney“ oder „Scouse“. Hier sind einige der außergewöhnlichsten englischen Dialekte – von London über Liverpool bis nach Belfast.

1. Die Sprache der Arbeiter – Cockney

Wer gerne britische Gangster-Filme wie Snatch oder Sexy Beast im Originalton sehen möchte, der muss sich auf die Sprache der Londoner Arbeiterklasse einstellen. Beim Cockney English wird aus dem berühmten „th“-Laut – mit der Zunge zwischen den Zähnen – ein F oder V, das T zu einer Art Keuchen in der Kehle („Glottischlag“) und R-Laute bleiben oft stumm. Das Ergebnis ist ein sehr breites und oft undeutliches Englisch.

Eine weitere Eigenart von Cockney: viele Worte werden in der Umgangssprache mit sich reimenden Begriffen ersetzt, deren Herleitung für Außenstehende kaum möglich ist. Aus „years“ („Jahre“) wird zum Beispiel „donkey‘s ears“ („Eselsohren“) und die Freude über ein Wiedersehen dann zu „I haven‘t seen you in donkeys“. Und weil sich „lies“ („Lügen) auf „pork pies“ („Schweinefleischpastete“) reimt, heißt es in London und Südengland gerne: „Don‘t tell pork pies“. Die Herkunft dieser Ausdrücke ist selbst Muttersprachlern oft nicht mehr bekannt.

Bekannte Cockney-Sprecher: Schauspieler Michael Caine, David Beckham, Sängerin Adele.

2. Der Singsang in Liverpool – Scouse

In der Heimat der Beatles spricht man Scouse. Bei diesem Dialekt verändert der Sprecher innerhalb eines Satzes oder Wortes oft die Tonlagen zu einer Art Singsang. Der Einfluss Irlands spiegelt sich hier deutlich wieder: „took“ („nehmen“) oder „book“ („Buch“) sprechen die Liverpooler mit einem langgezogenen u-Laut wie „goose“ („Gans“) aus und statt „my“ hört man in der Küstenstadt oft „me“. Dem Erfolg der Beatles hat das nie geschadet, der Dialekt wird von den Briten allgemein sehr positiv bewertet.

Bekannte Scouser: John Lennon, Paul McCartney, Steven Gerrard

3. Das klanglose Birmingham - Brummie

Brummie ist der wahrscheinlich unbeliebteste Akzent Großbritanniens. Das liegt in erster Linie an der Betonung: Während des Satzes bleibt sie stets auf einer tiefen, gelangweilt klingenden Tonhöhe, während sie zum Ende hin abfällt. Dass die Brummies „I“ gerne wie „Oy“ aussprechen, hilft der Reputation der Mundart kaum.

Bekannte Brummies: Sänger Ozzy Osbourne, Komiker John Oliver

4. Rund um Belfast – Ulster English

Im Norden Irlands wird neben Irisch und Schottisch auch Ulster English gesprochen, das von beiden Sprachen beeinflusst wurde. Die Belfaster verwenden zum Beispiel „aye“ für „yes“ und sind für ihre eigenwillige Betonung bekannt: Sie tendiert am Ende des Satzes stets nach oben. Auch Aussagesätze klingen daher oft fragend. Die Serie The Fall – Tod in Belfast mit Gillian Anderson (Akte X) und Jamie Dorman (Fifty Shades of Grey) spielt in der nordirischen Hauptstadt und bietet eine gute Einführung ins Ulster English.

Bekannte Sprecher aus Nordirland: Liam Neeson

Die vielen regionalen Dialekte auf den britischen Inseln können für Reisende eine echte Herausforderung sein. Insbesondere in ländlichen Gegenden hört man selten klassisches Oxford English. Wer dort unterwegs ist, wird in der Regel zwar verstanden, könnte aber einige Zeit brauchen, die Antworten seines Gegenübers zu begreifen. Ein großes Problem sollte das nicht sein: Höflich wie die Briten sind, werden sie mit Sicherheit versuchen, sich so deutlich wie möglich zu artikulieren.

Eine kleine Übersicht über die sprachliche Vielfalt des Landes hat die BBC hier zusammengestellt. Britische Fernsehserien sind ebenfalls eine gute Idee, um sich auf den nächsten Aufenthalt in England vorzubereiten. Wer mehr zum Thema „Englisch lernen mit TV-Serien“ wissen möchte, der findet alles Wissenswerte dazu hier im Blog.

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