Ressourcenschonender Weiterbildungstrend: Learning Nuggets

Berlitz -

Der Zug zur Arbeit trifft erst in zehn Minuten ein, zwischen zwei Meetings bleibt noch Zeit – Situationen, in denen viele Menschen heute intuitiv zum Smartphone greifen. Auf dessen Bildschirm scrollen sie sich durch die neuesten Tweets, lesen E-Mails oder verfassen Nachrichten. Diese Zwischenzeiten lassen sich auch zur beruflichen Weiterbildung nutzen – mit sogenannten Learning Nuggets. Das sind Kurz- und Kürzest-Lerneinheiten, die sich in wenigen Minuten absolvieren lassen. Diese Mikroformate sind einer der wichtigsten Trends im Bereich E-Learning. Was steckt genau dahinter – und wie können Mitarbeiter und Unternehmen davon profitieren?

Learning Nuggets – Goldstückchen für die berufliche Weiterbildung

Rund zwei Drittel aller Handybesitzer surfen mobil im Internet (laut Statistisches Bundesamt im Nov. 2017) – mit dem Smartphone oder dem Tablet, aber auch mit Laptops und Netbooks. Die Informationseinheiten, die die Nutzer etwa in sozialen Netzwerken wie Facebook oder beim Microblogging-Dienst Twitter aufnehmen und verarbeiten, werden immer kleiner. Diese Entwicklung hat auch die bestehenden E-Learning-Methoden verändert und die Entstehung von Mikroformaten beschleunigt. Unter dem Begriff Microlearning werden unterschiedliche Lernmodelle und -formate subsumiert. Bei allen handelt es sich um kleine und kleinste Lerninhalte, die sich in kurzer Zeit bearbeiten lassen.

Bekannt sind sie deshalb auch unter dem Begriff Learning Nuggets. Genau wie die natürlich entstandenen kleinen Goldklumpen sind die Lerneinheiten nicht nur kurz, sondern können auch sehr wertvoll sein. Denn gerade in der Erwachsenenbildung und insbesondere in beruflichen Zusammenhängen sind Weiterbildungsmöglichkeiten bisweilen schwer zu realisieren: Auf der einen Seite fehlt Berufstätigen schlicht die Zeit, aufwändige E-Learning-Systeme zu durchlaufen oder nach der Arbeit die Abendschule zu besuchen. Auf der anderen Seite ist Bildung für die Angestellten zwar wichtig, doch darf sie nicht zu Lasten ihrer eigentlichen Aufgaben gehen. An diesem Punkt setzen Microlearning-Formate an – und das macht sie speziell für den Einsatz in Unternehmen interessant.

Microlearning in Unternehmen – effizient, flexibel, leicht integrierbar

Das hat mehrere Gründe: Je nach Ausgestaltung lassen sie sich prinzipiell von überall aus absolvieren. Dies ist zum Beispiel beim Mobile Learning mit dem Smartphone der Fall. Im Gegensatz zum Besuch der Abendschule lassen sich kurze Lernformate oftmals arbeitsplatznah organisieren – oder sogar vollständig in den eigentlichen Arbeitsprozess integrieren. Mikroformate versprechen ein modernes, flexibles und vor allem effizientes Lernen. Darüber hinaus haben Unternehmen bei dieser Lern-Methode eine bessere Kontrolle über die Kosten: Bei Weiterbildungen entstehen direkte Kosten durch Trainerhonorare, Reisen, Übernachtungen oder Teilnahmegebühren. Indirekte Kosten ergeben sich aus der Arbeitszeit, die für ein Training oder ein Seminar aufgewendet werden muss. Für den Zeitraum der Fortbildung steht der Angestellte dem Unternehmen nicht produktiv zur Verfügung. Da die indirekten Kosten die direkten übersteigen, suchen Unternehmen Wege, wie sie diese reduzieren können. (vgl. Jochen Robes, Microlearning und Microtaining)

Ein weiterer Kostenvorteil besteht für Unternehmen darin, dass sich Microlearning-Formate relativ schnell und kostengünstig herstellen lassen. Kleinteilig konzipierte Lernziele lassen sich direkt in Learning Nuggets überführen, indem z.B. wichtige Aspekte oder Erkenntnisse aus anderen E-Learning-Methoden übernommen werden. Kleinere Lerneinheiten sind besonders dann von Vorteil, wenn die zu lernenden Inhalte sich häufig ändern. Zu denken wäre dabei etwa an Richtlinien, Normen oder Preise. Der Kosten- und Verwaltungsaufwand für den Austausch der „Häppchen“ ist im Vergleich zu aufeinander aufbauenden, größeren Lerneinheiten gering.

Auch die technischen Voraussetzungen für den Einsatz von Learning Nuggets in Unternehmen sind heute in der Regel bereits gegeben: Wikis, Blogs oder soziale Netzwerke werden zunehmend auch zur innerbetrieblichen Weiterqualifizierung eingesetzt. Die IT-Strukturen sind in den meisten Fällen so gestaltet, dass sich Microlearning-Formate ohne großen Mehraufwand in die bestehenden E-Learning-Systeme intergieren lassen. Auch Kurznachrichtendienste wie Twitter oder WhatsApp lassen sich für das Microlearning verwenden – und ermöglichen sogar den direkten Austausch zu bestimmten Themen.

Wikis und Mikroformate – informelles Wissen systematisch verbreiten

In der Praxis ist beispielsweise eine Kombination aus firmeninternem Wiki und einem Mikrolernformat denkbar, da sie sich ergänzen. Die Nutzer ändern die Struktur von Wikis häufiger entsprechend ihren Bedürfnissen, sodass sich neue Benutzer oft erst einarbeiten müssen. In Wikis sammeln die Mitarbeiter einer Abteilung viel informelles Wissen und sie schlagen dort auch bei akuten Problemen nach, um eine Lösung zu finden. Allerdings kann die schiere Menge an verfügbaren Informationen bisweilen abschreckend wirken.

Anwendungen im Bereich Microlearning sind im Unterschied zu Wikis von vornherein stärker gegliedert, da sie dezidiert fürs Lernen konzipiert sind. Mikroformate können die wertvollsten Schätze – die „Nuggets“ – aus dem Wiki aufbereiten, sodass sich z.B. neue Mitarbeiter oder Kollegen aus anderen Abteilungen mit den „Häppchen“ systematisch auf häufig auftretende Probleme vorbereiten können. (vgl. Peter Baumgartner, Lernen in Häppchen)

Fach- und Führungskräfte gezielt fördern

Die Zeit von Fach- und Führungskräften ist in der Regel besonders knapp bemessen. Für diese Zielgruppe lassen sich beispielsweise Podcasts von allerhöchstens zehn Minuten Länge herstellen, bei denen Experten zu Themen wie Personalentwicklung und anderen Management-Themen interviewt werden. Die Lernbausteine dienen in diesem Fall weniger dazu, bei aktuellen Problemlagen Lösungswege aufzuzeigen, sondern möglichst das gesamte Spektrum zum Bereich Führung dauerhaft im Bewusstsein der Führungskräfte zu verankern.

Doch auch direkte anwendbare Microlearning-Formate können für Führungskräfte nützlich sein: Eine Smartphone-App kann den Anwender etwa auf eine anstehende Geschäftsreise nach China vorbereiten, indem sie ihn Schritt für Schritt mit den wichtigsten Verhaltensregeln in China vertraut macht. Grundlegende Verhandlungsstrategien sind ein weiteres Anwendungsszenario.

Für Fachkräfte können Learning Nuggets als ein Bestandteil in einem größer angelegten Blended-Learning-Konzept sinnvoll eingesetzt werden. Nachdem sie ein mehrtägiges Fachtraining absolviert haben, erhalten sie z. B. im Anschluss daran Fallstudien oder weiterführende Aufgaben per Link in einer E-Mail oder via Smartphone-App. Die Aufgabenstellungen sind im Idealfall arbeitsbezogen und lassen sich jeweils innerhalb weniger Minuten bearbeiten.

Vernetzt leben, vernetzt lernen – aber selbstbestimmt

Der Umgang mit kurzen Informationsbausteinen entspricht dem Lebensgefühl, vor allem der Generation, die ganz selbstverständlich mit YouTube, Blogs, Facebook und Twitter & Co. aufwachsen und ähnliche Formate auch bei der beruflichen Weiterbildung erwarten. Das können traditionelle Lernstätten wie Abendschulen nicht leisten.

Microlearning ist jedoch mehr als angenehm servierte, lehrreiche „Häppchen“. Bei gut umgesetzten Formaten entsteht ein Dialog zwischen Lernendem und den Inhalten. Feedback, das das mobile Lernprogramm dem Benutzer gibt, erhöht dessen Motivation und dient gleichzeitig der Qualitätssicherung in der Erwachsenenbildung, da er direkt eine Rückmeldung zu seinem Lernfortschritt bekommt. In die Anwendung integrierte Links führen ihn zu vertiefenden Angeboten. Es gibt darüber hinaus Formate, die die Lernenden untereinander via Social Media vernetzen und sie explizit zur Mitgestaltung und Verbesserung der Lerninhalte anregen – daher spricht man auch von Social Learning.

Indem die Inhalte des Lernstoffes verkleinert werden, lassen sie sich genauer auf die individuellen Bedürfnisse des Lernenden und seine Lernsituation zuschneiden. Dieser lernt nach wie vor selbstbestimmt, indem er den Zeitpunkt für eine Lerneinheit selbst festlegt und auch entscheidet, mit welchen Inhalten er sich befasst – aller Automatisierung und Vernetzung zum Trotz. Das hohe Maß an Flexibilität sorgt bei Angestellten für eine sehr gute Akzeptanz der Lernformate.

Fazit

Microlearning wird in den nächsten Jahren in der Erwachsenenbildung und vor allem in der beruflichen Weiterbildung eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Es ersetzt allerdings nicht bereits existierende und erprobte E-Learning-Methoden, sondern ergänzt sie und lässt sich – ganz im Sinne eines Blended Learning – nahtlos in sie integrieren. Damit dies gelingt, sollten beim Thema Microlearning Geschäftsführung, Personalabteilung, Arbeitnehmervertretungen und externe Fachleute eng zusammen arbeiten. Wenn Learning Nuggets die übergeordneten Ziele zur Unternehmens- und Personalentwicklung unterstützen, sind sie eine ressourcenschonende, zeitgemäße und effektive Ergänzung zu bestehenden E-Learning-Systemen.

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