Très awesome, was Mehrsprachigkeit mit uns macht

Berlitz

Mehr als die Hälfte aller Menschen spricht neben der Muttersprache noch mindestens eine weitere Sprache. Das hat praktische Vorteile: Pizza bestellen in Italien? Non c‘è problema! Formvollendet nach dem Weg fragen in London? Easy. Sprache ist das Tor zu fremden Kulturen, die mit jeder Vokabel ein bisschen vertrauter werden. Nicht zu vergessen ist jedoch: Mehrsprachigkeit ist auch gut fürs Gehirn und die Persönlichkeit. Warum das so ist, erklären wir im folgenden Beitrag.

Fremdsprachen lernen als Work-out fürs Gehirn

Wer eine Sprache erlernt, aktiviert bestimmte Regionen im sogenannten Broca-Areal des Gehirns, einem wichtigen Teil unseres Sprachzentrums. Das Englisch-, Französisch- oder Spanischlernen wirkt wie ein Muskeltraining, bestimmte Gehirnstrukturen ändern sich messbar. Weil bilinguale Menschen diesen „Muskel“ viel häufiger benutzen als Einsprachige, ist er bei ihnen viel stärker ausgeprägt.

Das hat viele positive kognitive Effekte: Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen drücken sich häufig kreativer aus. In dem wir zuhören, wie Muttersprachler bestimmte Ausdrücke in verschiedenen Zusammenhangen verwenden, lernen wir deren Bedeutung intuitiv – und können die Fremdsprache immer gestalterischer einsetzen. Das hilft, um bei anderen Problemen quer zu denken und innovative Lösungen zu finden.

Studien legen außerdem nahe, dass mehrsprachige Menschen aufgrund ihrer kulturellen Erfahrungen empathischer sind, weil sie sich besser auf ihr Gegenüber einlassen können. Die Sprachwissenschaftlerin Gabrielle Hogan-Brun konnte sogar zeigen, dass Teams aus Personen mit unterschiedlicher Muttersprache innovationsfähiger sind, wenn sie in einer gemeinsamen Sprache arbeiten. Besonders wenn mehrere kulturelle Hintergründe zusammentreffen, entstehen häufig neue Verbindungen, aus denen sich etwa Ideen für neue Dienstleistungen oder Produkte gewinnen lassen.

Und noch etwas haben Wissenschaftler herausgefunden: Mehrsprachige Menschen sind mental fitter, Demenz zum Beispiel setzt bei ihnen im Schnitt fünf Jahre später ein. Sie erholen sich auch nach schweren Verletzungen wie einem Hirnschlag doppelt so schnell wie jene, die nur ihre Muttersprache beherrschen. Fremdsprachen halten das Gehirn fit bis ins hohe Alter.

Wie Sprache unsere Persönlichkeit beeinflusst

Sprache und Denken sind eng verbunden. Fremdsprachen erweitern deshalb den eigenen Horizont. Schließlich kommen in Wörtern und Redewendungen immer auch bestimmte Vorstellungen über die Welt und die eigene Identität zum Ausdruck. Psychologische Experimente haben gezeigt, dass sich der Wechsel in eine andere Sprache auch auf die Themen in einem Gespräch auswirkt. Studienteilnehmer sollten über sich selbst sprechen und betonten auf Englisch eher ihre persönlichen Erfolge, während sie auf Spanisch eher über ihre Familien und über ihre Wurzeln sprachen.

Eine Fremdsprache beeinflusst auch unsere Persönlichkeit: Während wir uns in unserer Muttersprache zuhause und sicher fühlen, kann bei einer Fremdsprache das genaue Gegenteil der Fall sein, besonders zu Beginn. Dann fühlen sich viele Menschen gehemmt, sind schüchterner und haben Angst vor Fehlern. Diese eher unangenehmen Gefühle haben aber einen Vorteil, denn sie konfrontieren uns mit einer anderen Facette unserer Persönlichkeit. Sich selbst fremd zu fühlen, kann unser Mitgefühl für fremde Menschen in unserem Heimatland stärken. Da wir in der Fremdsprache zunächst oft erst einmal mehr verstehen als wir selbst ausdrücken können, sind wir zudem gezwungen, anderen Menschen intensiver zuzuhören – eine Erfahrung, die auch für den Alltag zuhause sehr hilfreich ist.

Blick über den Tellerrand, Kick fürs Selbstbewusstsein

Fremdsprachen verbessern die Kommunikation und erweitern den kulturellen Horizont. Sie sind aber auch ein ausgezeichnetes Work-out fürs Gehirn und bringen Seiten unserer Persönlichkeit ans Licht, die wir vorher vielleicht etwas vernachlässigt haben. Ein weiterer großer Vorteil der Mehrsprachigkeit: Das Erlernen einer Fremdsprache kostet einige Mühe und verlangt uns in puncto Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz einiges ab. Diese Eigenschaften lassen sich mit einer Sprache gewissermaßen „nebenbei“ trainieren. Als Belohnung wartet nicht nur eine neue Sprache, sondern auch ein Erfolgserlebnis – ein echter Kick fürs Selbstbewusstsein!

Kindern fällt es übrigens deutlich leichter als Erwachsenen, eine Fremdsprache zu erlernen – vor allem, wenn der Spracherwerb auf spielerische Weise geschieht. Tipps dazu finden Sie hier.

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