New Work: Definition und Entwicklung hin zu Arbeit 4.0

Eine Arbeitswelt, die sich im Wandel befindet, ist nichts Neues. Arbeit 4.0 und New Work sind die Fortsetzung einer Entwicklung, die vor über 200 Jahren begann und die vorherrschende Agrargesellschaft schrittweise in eine moderne Arbeitswelt verwandelte. Das sind die vier Phasen der Industriegeschichte:

Arbeit 1.0

Erfindungen wie die Dampfmaschine, der mechanische Webstuhl und die Lokomotive leiten im späten 18. Jahrhundert eine industrielle Revolution ein.

Arbeit 2.0

Mit Beginn der Elektrizität wird Ende des 19. Jahrhunderts die Fließbandarbeit geboren. Besser ausgebaute Verkehrsnetze ermöglichen einen zunehmend globalen Handel.

Arbeit 3.0

Seit den 1970er Jahren sorgen Computer dafür, dass die Arbeitswelt immer weiter automatisiert wird. Büro-Jobs lösen Arbeiten in den Fabriken mehr und mehr ab. Gleichzeitig werden Arbeitnehmerrechte gestärkt.

Arbeit 4.0

Durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitsprozesse entsteht New Work. Wie Arbeit 4.0 in der Zukunft konkret aussehen wird, bleibt offen.

Gut zu wissen: Der Begriff New Work wurde erstmals in den 1970er Jahren vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann geprägt. Gemeint ist damit eine Alternative zu den bis dato gängigen Arbeitsformen des Sozialismus auf der einen und des Kapitalismus auf der anderen Seite.

New Work beschreibt eine Arbeit, die sinnstiftend und erfüllend ist. Das Konzept ist also nicht wirklich neu, aber in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung gewinnt es zunehmend an Bedeutung.

Die drei besten New Work Methoden

In einer zunehmend globalen und digitalen Arbeitswelt sind Flexibilität, Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten gefragt. New Work Methoden machen Unternehmen nicht nur produktiver, sondern auch attraktiver für ihre Angestellten.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die drei wichtigsten New Work Methoden etwas genauer vor.

1. Agiles Arbeiten – Methoden mit Wirkung

Vielleicht kommt Ihnen diese Situation bekannt vor: Das Projekt kommt nicht voran und der vorher sorgfältig ausgeklügelte Plan funktioniert in der Praxis nicht wie gewünscht. Die Mitarbeiter möchten gerne etwas ändern, aber das geht nicht so einfach, denn die Entscheidungen werden auf oberster Führungsebene getroffen.

Die Folge: Die Teammitglieder sind frustriert und demotiviert. Starre Hierarchien wirken oft wie eine Bremse für kreative Problemlösungen. New Work und agiles Arbeiten können hier Abhilfe schaffen.

Work smarter, not harder: Agiles Arbeiten beschreibt New Work Methoden, die Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und das selbstständige Arbeiten fördern.

Damit bei Projekten der Stein schnell ins Rollen kommt, setzen agile Methoden zum Beispiel auf die folgenden Werkzeuge:

  • kleine autonome Teams, die Verantwortung für ihren Aufgabenbereich übernehmen und selbstständig Entscheidungen treffen,
  • agile Meetings mit einem einen klaren Fokus und einem vorher abgesteckten Zeitrahmen,
  • ein flexibles Projektmanagement, bei dem die Resultate und die Kundenzufriedenheit im Vordergrund stehen,
  • kurze Arbeitsintervalle, die sich mit Feedbackschleifen abwechseln. Dieser Prozess ermöglicht es, Ziele immer wieder den äußeren Umständen anzupassen.

2. Peer Feedback – für motivierte Mitarbeiter

Wer kann die eigene Arbeit besser einschätzen als die Leute, mit denen wir täglich zusammenarbeiten? Eine Feedback-Kultur unter Teammitgliedern baut nicht nur Hierarchien ab, sondern sorgt auch für ein tolles Gruppengefühl. Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und genau das kann die Motivation signifikant erhöhen.

Außerdem fällt der Fear Factor weg. Die Leistungsbeurteilung durch Vorgesetzte kann Ängste auslösen: Was, wenn die Arbeit nicht gut genug ist?

Geben dagegen die eigenen Teammitglieder Feedback, entfällt dieser Druck. Feedback von Kollegen wird weniger als Leistungsbeurteilung, sondern viel mehr als Hilfestellung wahrgenommen.

Planen Sie Peer Feedback in regelmäßigen Abständen in den Arbeitsalltag ein und entwickeln Sie einen Leitfragebogen, der von den Teammitgliedern genutzt werden kann. Hier ein paar Beispiele für mögliche Fragen:

  • Was macht der Mitarbeiter besonders gut?
  • Wo gibt es Entwicklungspotenzial?
  • Was macht diese Person unentbehrlich?

3. Work-Life-Blending – für mehr Zufriedenheit im Beruf

Folgendes Szenario: Heute fängt die Fachkraft erst um 10 Uhr an, denn sie hat vor der Arbeit einen Zahnarzttermin. Als Ausgleich bleibt sie abends länger im Büro und ruft einen Kunden in den USA an, der während der regulären Arbeitszeit nicht erreicht werden kann.

Die Arbeitswelt 4.0 macht es möglich, Arbeitszeiten und -orte flexibel an Mitarbeiterwünsche anzupassen. New Work und die Digitalisierung haben dafür gesorgt, dass viele Menschen überall da arbeiten können, wo sie eine stabile Internetverbindung haben.

Ein gelungenes Work-Life-Blending macht ein Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber. Dies könnte in der Praxis beispielsweise so aussehen:

  • Um den gesunden Lebensstil Ihrer Angestellten zu unterstützen, können Sie Sportangebote schaffen oder dafür sorgen, dass im Pausenraum immer ein leckerer Obstkorb steht.
  • Die örtliche Kita ist vorübergehend geschlossen? Für solche und andere Betreuungsnotfälle können Sie ein leerstehendes Büro in ein Spielzimmer für Kinder Ihrer Mitarbeiter umfunktionieren.
  • Ihr Team wirkt gestresst? Bieten Sie Seminare zur Achtsamkeit an oder schaffen Sie einen Ruheraum.

Egal, ob Firmenchor, Klettertreff oder Kochkurs: Stärken Sie den Teamgeist und die Bindung Ihrer Angestellten an Ihr Unternehmen, indem Sie interessante Freizeitangebote schaffen.

New Work: Praxisbeispiele aus dem Berufsalltag

Wie lassen sich New Work Methoden am besten in den beruflichen Alltag integrieren? Die folgenden Beispiele zeigen Ihnen, wie Unternehmen das selbstbestimmte und flexible Arbeiten fördern können und wie New Work Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer schafft.

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1. Flexible Arbeitsformen: In weniger Zeit mehr schaffen

Beim Büro-Rundgang am Freitagnachmittag merken Sie: Die Konzentration leidet. Manch ein Angestellter unterdrückt ein Gähnen. Flüchtigkeitsfehler schleichen sich ein und Sie haben den Eindruck, dass alles dreimal so lange dauert wie am Montagmorgen.

Ob 4-Tage-Woche oder 6-Stunden-Tag: Was die Produktivität Ihrer Mitarbeiter angeht, ist weniger tatsächlich mehr.

Das konnten groß angelegte Feldexperimente aus Island zeigen. Durch geschicktes Eliminieren unnötiger Arbeitsaufgaben und das Verkürzen von Meetings schafften sie es, ihre wöchentliche Arbeitszeit um vier bis fünf Stunden zu verringern. Die Bezahlung blieb jedoch gleich.

Das Ergebnis: Die isländischen Angestellten waren genauso produktiv wie zuvor oder schafften es sogar, ihre Produktivität zu steigern. Gleichzeitig wuchs das Wohlbefinden und die Arbeitnehmer fühlten sich weniger gestresst.

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2. Coworking-Spaces

Sie würden gerne ein zweites Büro in einer anderen Stadt eröffnen, aber aus Kostengründen kommt das leider nicht infrage? Sie haben Angestellte, die sehr lange Anfahrtswege haben und möchten ihnen eine Alternative zur Arbeit vor Ort bieten? Aus familiären Gründen kommt das Homeoffice nicht infrage?

Gründe für das Anmieten von Coworking-Spaces gibt es viele. Die Gemeinschaftsbüros gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten. Voll ausgestattete Arbeitsplätze können Sie dauerhaft oder ganz spontan für einen Tag mieten.

Networking im Coworking-Space: In Gemeinschaftsbüros kommen Selbstständige und Angestellte aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen. Durch den Austausch mit anderen entsteht ein Nährboden für innovative Ideen und interessante Kontakte werden geknüpft.

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3. Vertrauensarbeitszeit und -ort

Was in vielen Unternehmen bis vor Kurzem noch undenkbar erschien, wurde durch die Corona-Pandemie zum beruflichen Alltag: das selbstbestimmte Arbeiten im Homeoffice.

Dies stellt Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Denn eine ständige Kontrolle, ob die Mitarbeiter wirklich produktiv sind, ist in remote geführten Teams kaum möglich. Deswegen setzen immer mehr Unternehmen auf Vertrauensarbeitszeit. Es gibt eine Kernarbeitszeit, an die sich die Angestellten in Eigenverantwortlichkeit halten.

Lassen Sie stattdessen die Ergebnisse für sich sprechen: Die Abgabe der Verantwortung an Angestellte und der Vertrauensvorschuss schaffen Wertschätzung und Motivation.

New Work: Unternehmen werden zukunftsfähig

Wo starre Hierarchien und traditionelle Arbeitszeiten von New Work Methoden abgelöst werden, entsteht Raum für Innovation und frische Ideen. Angestellte können sich voll einbringen und ihr Potenzial ausschöpfen. Dies bedeutet nicht, dass es gar keine Anleitung von außen mehr gibt. Unternehmen geben den Rahmen vor und lassen Mitarbeiter kreative Lösungen finden.

New Work hat Vorteile für beide Seiten.

Mehr Flexibilität bedeutet, dass Unternehmen mehr Rücksicht auf private Umstände nehmen. Andererseits können Mitarbeiter ihre Arbeitszeit anpassen, wenn es bei einem Projekt einen Notstand gibt.

Auch Arbeitsorte können so ausgesucht werden, wie es gerade am besten passt. Wer zum Beispiel ohne Unterbrechungen die betriebseigene Website neu gestalten möchte, arbeitet ein oder zwei Tage im Homeoffice. Manchmal erfordern die Umstände dagegen ein Meeting im Büro, zum Beispiel wenn in Teamarbeit ein neues Kommunikationskonzept erarbeitet werden soll.

Wer möchte nicht gern in einem Unternehmen arbeiten, in dem das Work-Life-Blending optimal funktioniert? Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Freiräume geben, machen sich beliebt und verbessern ihr Employer Branding.

Die Arbeitswelt 4.0 ist ständig im Wandel

Unkonventionelle Arbeitszeiten und -orte, autonome Teams und das Arbeiten in Eigenregie: All das ist New Work. Die Arbeitswelt 4.0 ist komplex und immer im Wandel. Jedes Unternehmen muss die New Work Methoden finden, die am besten zu den eigenen Zielen und zur innerbetrieblichen Kultur und Struktur passen.

Wissen Sie eigentlich schon, was eine Holokratie ist und warum sie sich im Unternehmen lohnt? Würden Sie gern ein agiles Mindset entwickeln und somit die eigene Innovationskraft steigern?

Falls Sie neugierig geworden sind und noch mehr über die besten New Work Methoden lernen möchten, dann besuchen sie unsere Seminare zum Thema Arbeit 4.0.