Von Belfies und Bifis: Jugendsprache in Deutschland

Berlitz -

Das Phänomen Jugendsprache ist nichts Neues mehr: Seit sich Teenager bewusst von Erwachsenen abgrenzen wollen, gibt es immer wieder neue Wortschöpfungen, die entweder irgendwann in den normalen Sprachgebrauch übergingen oder wieder verschwanden.

Schon in den 50er Jahren gab es Macker, die eine flotte Biene aufreißen wollten. Hatten sie dabei Erfolg, würden ihre Söhne später eine geile Braut angraben wollen, während die Töchter diese Heinis nur ätzend fanden. Und heute? In den letzten Jahren gab es vor allem zwei Einflüsse in der Jugendsprache: Internet-Slang und Kiezdeutsch.

Text-Slang? OMG, LOL!

Da Englisch im Internet als Lingua Franca gilt, haben sich englische Ausdrücke in die ganze Welt verbreitet: "Oh my God!" ist schließlich kein neuer Ausruf in den USA, doch erst als OMG! wurde er weltweit aufgegriffen. Abkürzungen sind im Zeitalter der schnellen Textnachrichten die Regel und nicht die Ausnahme. Versucht sich die ältere Generation daran, kommt es schnell zu Kommunikationspannen. Wie im Falle einer Amerikanerin, die glaubte, LOL stünde für "Lots of Love" (Alles Liebe) und die Nachricht vom Tod einer Tante mit "LOL" garnierte. Bis ihr Sohn sie darauf hinwies, dass LOL für "Laughing out loud" (Ich lache grad laut) stand.

Je mehr die Eltern ins Internet und in Social Media-Netzwerke dringen, umso mehr beschleunigt sich die Entwicklung der Jugendsprache in diesem Bereich, um die Abgrenzung aufrecht zu erhalten. "Selfie" war vorgestern. Die Jugend macht längst "Belfies" (Butt-Selfies, also Aufnahmen des eigenen Hinterteils), "Bifies" (Aufnahmen im Bikini) und "Felfies" (Aufnahmen mit Tieren). Auch US-amerikanische Serien, die immer häufiger in der Originalversion online angeschaut werden, hinterlassen ihre Spuren: Freunde sind längst keine Kumpels mehr, sondern Bros, Buddies und Dudes. Wie kreativ die englische Sprache dabei ist, beweist das beliebte Urban Dictionary im Internet, das die Ausdrücke der Jugendsprache sammelt und erklärt.

Kiezdeutsch: Ich geh Kino

Neben Englisch haben auch Türkisch und Arabisch die deutsche Jugendsprache in den letzten Jahren beeinflusst. Ihren Ursprung hat das sogenannte Kiezdeutsch in Vierteln mit hohem Migrantenanteil, insbesondere in den Berliner Kiezen. Es zeichnet sich vor allem durch eine stark vereinfachte Grammatik aus. Falsch ist jedoch die Annahme, dass dies den schlechten Deutsch-Kenntnissen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund geschuldet ist: Zwar wird tatsächlich viel türkische Grammatik übernommen, doch das Weglassen von umständlichen Artikeln und Präpositionen kennen auch deutsche Dialekte schon lange. So kommt es zu knappen Sätzen wie "Ich geh Kino" und "Gib ma' Locher". Dazu fließen immer mehr türkische oder arabische Wörter wie "moruk" (Alter) und "Yalla!" (Los!) in die Sprache ein.

Klingt schlimm? Keine Sorge! Der Untergang der deutschen Sprache steht nicht bevor: So wie der Bayer und der Kölner nahtlos zwischen Dialekt und Hochdeutsch wechseln, können auch Jugendliche problemlos zwischen Jugend-Kiezdeutsch und Hochdeutsch wechseln. Und wenn sie erwachsen geworden sind, gibt es ohnehin schon wieder eine neue Form der Jugendsprache.

Share this