Zwei Jugendliche sitzen zusammen und unterhalten sich

Deutsche Jugendsprache: Warum sie Teil der Sprachkultur ist

25. April 2024

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Teenager wollen sich von Erwachsenen abgrenzen. Das gehört zum normalen Entwicklungsprozess – und beinhaltet oft einen eigenen Sprachstil mit speziellen Begriffen und Ausdrucksweisen, die Jugendliche verwenden: die sogenannte Jugendsprache.

Das Phänomen Jugendsprache gab es schon immer – und die Wörter, die von Jugendlichen geprägt werden, gehen häufig in den normalen Sprachgebrauch über. „Knorke“ oder „fein“ werden beispielsweise seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet. Mitunter verschwinden Begriffe aus der deutschen Jugendsprache auch einfach wieder und werden durch andere Wörter ersetzt. Aber was macht Jugendsprache in Deutschland aus – und wie lässt sie sich übersetzen?

Entwicklung der Jugendsprache in Deutschland

Jugendsprache ist nicht als Rebellion oder Provokation zu verstehen. Ihre Sprecher drücken damit vor allem aus, dass sie einer bestimmten Gruppe, einer Peer Group, angehören – oder angehören möchten. Zugleich grenzen sie sich von anderen gesellschaftlichen Gruppen ab, insbesondere von erwachsenen Autoritätspersonen wie Großeltern, Eltern und Lehrern.

Diese hatten in ihrer Jugend natürlich ihre eigenen Begriffe: Zwischen 1900 und 1930 beispielsweise waren „Flamme“ (für attraktive Frau) und „Armleuchter“ (für einen ungeschickten Mann) in der deutschen Jugendsprache recht verbreitet, später entstanden Ausdrücke wie etwa „dufte“ oder „Süßholz raspeln“ (für Flirten).

Zur Entstehung und Verbreitung der Begriffe aus der Jugendsprache trugen insbesondere die Medien entscheidend bei: erst Zeitungen und Radio, dann das Fernsehen und heute vor allem das Internet mit sozialen Medien wie Instagram und TikTok. Hierdurch macht sich auch immer stärker der Einfluss des Englischen bemerkbar, sodass Jugendliche etwa „voll gehyped“ sind, wenn sie sich auf etwas freuen, oder etwas „haten“, wenn sie etwas nicht mögen.

Der zweite große Einfluss sind Begriffe aus dem Türkischen oder Arabischen. Insbesondere in Großstädten übernehmen mitunter Teenager mit Deutsch als Muttersprache die Ausdrücke, die ihre Altersgenossen mit Migrationshintergrund verwenden, was auch Kiezdeutsch genannt wird.

Deutsche Jugendsprache: Übersetzung für Eltern

Für Personen, die nicht der jeweiligen Gruppe angehören, ist es oft gar nicht so leicht, die in der deutschen Jugendsprache verwendeten Begriffe zu verstehen. In der nachfolgenden Übersicht finden Sie daher eine kleine Übersetzungshilfe.

BegriffBedeutungBeispiel
Cringepeinlich„Boah, das war echt cringe, was die Frau gesagt hat.“
Smash (Jugendwort des Jahres 2022)attraktiv (auf Personen bezogen)„Wie findest du Alex?“ – „Smash!“
No front!Kein Vorwurf! (meist gefolgt von „aber)“„No front, aber die Farbe steht dir nicht wirklich.“
Litcool, toll„Die Party am Wochenende war lit!“
Alter, DiggaFreund, Freundin, Kumpel„Was geht, Digga?“
Susverdächtig, auffällig„Das sieht ziemlich sus aus!“

Deutsche Jugendsprache: Abkürzungen in sozialen Medien

Die genannten und viele weitere Ausdrücke verwenden die Jugendlichen nicht nur im direkten Gespräch, sondern auch wenn sie sich per WhatsApp und Co. sowie den sozialen Netzwerken in Chats schreiben. Hier fällt es Außenstehenden oft noch schwerer, alle Begriffe nachzuvollziehen. Denn häufig verwenden Jugendliche Abkürzungen, um sich möglichst effektiv und schnell zu verständigen – und die stammen oft aus dem Englischen. Einige der wichtigsten englischen Abkürzungen zum Chatten sind beispielsweise:

  • omg = oh my god
  • lol = laughing out loud
  • idk = I don’t know
  • idc = I don’t care
  • ily = I love you
  • sry = sorry
  • tbh = to be honest
  • afk = away from keyboard
  • dm = direct message

Kiezdeutsch als Jugendsprache

Nicht nur Englisch, auch andere Sprachen beeinflussen die deutsche Jugendsprache seit geraumer Zeit. Ein Resultat ist das sogenannte Kiezdeutsch, das sich in multikulturellen Stadtteilen (Kiezen) entwickelt und vor allem von Jugendlichen in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln gesprochen wird. Kiezdeutsch vereint sprachliche Einflüsse aus unterschiedlichen Nationen, insbesondere aus der Türkei und arabischen Ländern, aber auch aus Russland oder Polen. Es handelt sich um eine Mischung aus deutschem Wortschatz und teilweise deutschen grammatikalischen Strukturen, die durch Elemente aus anderen Sprachen und Dialekten ergänzt werden.

Wichtig: Kiezdeutsch ist nicht als fehlerhaftes Deutsch zu verstehen, sondern als eine eigenständige Sprachvariante, die sich im Zuge der kulturellen und damit auch sprachlichen Vielfalt in Deutschland entwickelt hat. Kiezdeutsch-Sprecher übernehmen dabei teilweise etwa türkische Grammatik, verzichten aber auf offenbar als umständlich empfundene Artikel und Präpositionen (was übrigens auch in deutschen Dialekten vorkommt).

Das Ergebnis sind dann beispielsweise knappe, „falsch“ klingende Sätze wie „Ich geh Kino“. Dazu fließen immer mehr türkische Wörter wie z.B. „moruk“ (Bruder/Alter/Kollege) und „Yalla!“ (Los!) in die Sprache ein. Auch das arabische „Mashallah“ ist gebräuchlich, wenn auch nicht im Wortsinn („Wie Gott will“), sondern in der Bedeutung „großartig“. Wie alle Sprachformen verändert sich auch Kiezdeutsch ständig und spiegelt so die dynamische und vielfältige Gesellschaft wider, in der es gesprochen wird.

Jugendsprache in Deutschland kommt und geht

Junge Menschen verwenden ihre eigene Jugendsprache, um sich von anderen Generationen abzugrenzen, um die Identität ihrer sozialen Gruppe zu stärken oder einfach zum Spaß. Auch wenn Erwachsene mitunter nicht alles verstehen, wenn sich Jugendliche unterhalten, übel nehmen sollten sie es ihnen nicht. Stattdessen könnten sie sich amüsiert an die Ausdrücke und Redensarten erinnern, die sie selbst benutzt haben, als sie jung waren.

Übrigens: Das Phänomen der Jugendsprache gibt es in jedem Land. Doch anders als in der deutschen Jugendsprache leiten sich die typischen Verknappungen, Slangs und die Umgangssprache im Französischen oder viele spanische Abkürzungen in Chats aus der jeweiligen Landessprache ab.

Der Beitrag wurde erstmals am 24. Juni 2015 veröffentlicht und am 25. April 2024 aktualisiert.

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