Erst aufwärmen, dann durchstarten: Die besten Warm-up-Übungen für Meetings

Berlitz -

Bei vielen Mitarbeitern ist die erste Reaktion beim Wort „Meeting“ ein erschöpftes Gähnen. Verständlich, denn manche Besprechung könnte durchaus interessanter verlaufen. Insbesondere am Nachmittag sinkt das Energielevel häufig. Mit Warm-ups, Aufwärmübungen, lässt sich effektiv gegensteuern. Im folgenden Artikel stellen wir einige Methoden vor, die die Aufmerksamkeit bei Meetings und Workshops auf spielerische Weise steigern.

Warum Warm-ups wichtig sind

Meetings, Trainings und Workshops leben vom Mitmachen, von der Interaktion. Dazu braucht es Moderatoren, die Veranstaltungen gut vorbereiten und souverän leiten. Wichtig ist aber auch, dass die Teilnehmer motiviert sind und ihre Ideen einbringen. Doch mitunter bedeuten Meetings oder Workshops auch Stress. Schließlich finden sie zusätzlich zum Tagesgeschäft statt und werden zuweilen als wenig effizient empfunden. Außerdem sind einige Menschen möglicherweise angespannt und nervös vor der ungewohnten Situation.

Grundsätzlich dienen Aufwärmübungen vor der inhaltlichen Arbeit der Lockerung – ähnlich wie im Sport. Vor der 10-Kilometer-Runde müssen die Muskeln schließlich auch auf die anstehende Belastung vorbereitet werden. Warm-ups sollten allerdings nie grundlos betrieben werden, sondern immer einem bestimmten Ziel dienen. Aber welche Übungen eignen sich besonders für welchen Zweck?

Welche Ziele sich mit Warm-up-Übungen erreichen lassen

Alle Trainingseinheiten sollten das Energielevel erhöhen, die Workshop-Gruppe in eine entspannte und gleichzeitig motivierte Stimmung versetzen und sie zum Mitmachen bewegen. Dennoch stehen, je nach Anlass des Treffens und der Gruppenzusammensetzung, unterschiedliche Ziele im Vordergrund. Dies sind die wichtigsten:

Einander kennenlernen

Menschen setzen sich in Workshops und Meetings meist zu den Kollegen, die sie bereits kennen. Manche kostet es etwas Überwindung, von sich aus Kontakt zu anderen Gruppenmitgliedern zu suchen. Sogenannte Icebreaker-Warm-ups bauen Berührungsängste unter den Teilnehmern ab und erzeugen eine gute Atmosphäre für die gemeinsame Arbeit.

Übung: Gemeinsamkeiten mit anderen finden

Diese Übung zielt darauf ab, die Gruppe neu zu mischen, sodass jeder etwas über die anderen erfährt. Sie eignet sich insbesondere für Workshops mit vielen Personen. Alle stellen sich im Raum auf. Der Moderator nennt dann eine bestimmte Kategorie, zum Beispiel die Lieblingsfarbe „Rot“. Jeder, auf den dies zutrifft, tritt vor und sammelt sich an einem bestimmten Punkt im Raum mit allen anderen, deren Lieblingsfarbe Rot ist. Welche Kategorien der Moderator aufruft, ist nicht entscheidend. Sie sollten aber weniger mit der Arbeit zu tun haben, sondern auf eine persönliche Ebene abzielen. So entwickeln die Personen einen engeren Bezug zueinander. Mögliche Kategorien sind etwa: „verheiratet“, „Kinder“, „Sportler“, „Urlaub im Gebirge“, „Urlaub am Meer“ usw.

Aktiv werden

Insbesondere für Veranstaltungen, die frühmorgens oder am späten Nachmittag stattfinden, bieten sich Energizer-Warm-ups an. Sie verleihen den noch oder schon müden Teilnehmern neuen Schwung, sodass sie für die Zeit des Workshops oder des Meetings konzentriert arbeiten können.

Übung: Kein „ja“ oder „nein“

Diese Übung fördert gleichzeitig Bewegung und Konzentration. Jeder erhält fünf Gegenstände. Das können Würfel sein, Pokerchips oder etwas Vergleichbares. Jeder muss jeweils einer anderen Person Fragen stellen. Der Gefragte darf antworten, was er will – nur nicht „ja“ oder „nein“. Sagt er doch versehentlich eines der beiden Wörter, muss er einen Gegenstand abgeben. Nach jedem „ja“ oder „nein“ wechseln die Mitspieler. Ist die vorgesehene Zeit von etwa fünf bis zehn Minuten vorbei, gewinnt derjenige, der die meisten Gegenstände erspielt hat.

Empathie und Vertrauen stärken

Oft kennen sich die Teilnehmer von Meetings, Trainings und Workshops untereinander nicht oder arbeiten nur mit einzelnen Kollegen regelmäßig zusammen. Manchmal ist auch die Stimmung im Team schlecht. In all diesen Fällen können Team-Building-Warm-ups helfen, da sie das Vertrauen untereinander stärken und zu Empathie mit den anderen Personen anregen.

Übung: „Ich habe Angst vor …“

Jeder schreibt anonym auf einen Zettel, wovor er sich fürchtet. Das kann eine Situation, ein Tier oder irgendetwas anderes sein. Anschließend zieht der Reihe nach jeder Teilnehmer einen Zettel, liest vor, was darauf steht, und schildert innerhalb einer Minute, wie die Person mit der Angst sich wahrscheinlich fühlt – im Alltag oder in der angstauslösenden Situation. Dann ist der Nächste an der Reihe usw.

Um die Ecke denken

In manchen Workshops geht es vor allem darum, neue Ideen zu finden oder gemeinsam ein kniffliges Problem zu lösen. Ist dies das Ziel der Veranstaltung, bieten sich gleich zum Einstieg Übungen an, die das Um-die-Ecke-Denken anregen.

Übung: „Ich habe ein Problem …“

Jeweils zwei Personen spielen zusammen. Der erste sagt: „Ich habe ein Problem…“ und schildert, wobei er Hilfe benötigt. Das Problem darf vollkommen frei erfunden sein, zum Beispiel „Ich habe meinen Schlüssel verloren und bekomme meine Tür nicht auf.“ Der Mitspieler hat nun die Aufgabe, dem ersten einen beliebigen Gegenstand zu „geben“. Im oben genannten Beispiel etwa könnte er sagen: „Hier, ich habe einen Stein für dich“ und stellt dies pantomimisch dar.

Der erste Mitspieler sagt „Super, Dankeschön…“ und erzählt, wie er sein Problem mit dem überreichten Gegenstand lösen kann. Zum Beispiel: „… jetzt kann ich einfach die Fensterscheibe mit dem Stein einwerfen und durchs Fenster klettern.“ Die Teilnehmer sind hier völlig frei, auch scheinbar abwegige Ideen zu nennen. Es geht vor allem um kreative Problemlösung.

Zugabe: Zwei Übungen für kreatives Denken

Einen sehr spielerischen Ansatz verfolgt auch die Innovationsmethode Design Thinking. Dabei geht es vor allem darum, neue Lösungsansätze für Probleme zu finden – oder zu bemerken, dass bestimmte Probleme bisher noch gar nicht beachtet wurden. Am besten funktioniert die Methode, wenn alle gleich zu Beginn auf eine offene, spielerische Grundhaltung eingestimmt werden. Doch auch bei anderen Meetings oder Workshops lassen sich folgende Kreativ-Warm-up-Übungen aus dem Design Thinking gezielt einsetzen:

1. Hundert Verwendungszwecke

Die Workshop-Runde wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält einen einfachen Gegenstand, zum Beispiel eine Büroklammer, und muss nun hundert (je nach Gruppenstärke auch mehr) Verwendungszwecke für diesen Gegenstand notieren. Hierbei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt!

2. Ja, aber/Ja, und

Das Spiel geht über zwei Runden. Die Gruppe erhält die Aufgabe, zum Beispiel eine Hochzeit zu planen oder einen Urlaub vorzubereiten. In der ersten Runde nennen die Teilnehmer der Reihe nach ihre Ideen, wie sie die Aufgabe lösen würden. Einzige Bedingung: Jeder Satz muss mit „Ja, aber…“ beginnen. Bei der Urlaubsplanung sagt der erste zum Beispiel: “Wir müssen ein Hotel buchen”, worauf der nächste sagt: „Ja, aber wahrscheinlich sind alle Hotels ausgebucht. Wir sollten ein Appartement organisieren.” Ein dritter sagt: „Ja, aber wir brauchen auch noch Flugtickets” usw.

In der zweiten Runde gilt dieselbe Aufgabe, doch statt „Ja, aber …“ sagen die Gruppenmitglieder jetzt „Ja, und…“. Anschließend sollte die Gruppe sich kurz über die Unterschiede austauschen. Die Übung fördert kollaboratives Denken und sensibilisiert die Menschen dafür, wie sehr ihre eigene Einstellung zum Misslingen oder Gelingen einer Lösung beiträgt.

Produktivität ganz locker fördern

Ob kreatives Denken, Kennenlernen oder Teambuilding: Allen Übungen ist gemein, dass sie wie ein gutes Aufwärmtraining vor dem Sport funktionieren. Sie bereiten körperlich und mental auf das anstehende Meeting, Training oder den Workshop vor. Neben der Konzentration sollten die Warm-ups jedoch vor allem auf eines abzielen: Spaß. Kommt der zu kurz, werden die Teilnehmer die Übungen als reine Pflichtveranstaltung auffassen und sich kaum darauf einlassen. Wer hingegen Freude am Austausch mit anderen Menschen entwickelt, wird auch bei der inhaltlichen Arbeit eher zu kreativen Lösungen kommen und sich motiviert am Workshop oder Team-Training beteiligen. Für deren Produktivität können Warm-ups eine entscheidende Rolle spielen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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